Trinitarisch denken

Auf dem letzten Deltatreffen über Himmelfahrt haben wir uns u.a. über das Thema Trinität unterhalten. Trinität ist für viele ein einziges Mysterium. Deshalb können sie damit auch nicht viel anfangen. Mir ging es lange ähnlich. Einer meiner ersten Seminararbeiten während meines Theologiestudiums musste ich zu diesem Thema schreiben. Wie ungern ich das gemacht habe! Am liebsten hätte ich einfach hingeschrieben: Die Trinität ist ein einziges Geheimnis, das kein Menschen verstehen kann. Damit hätte sich das Thema dann auch erledigt. Doch mit der Zeit haben sich meine Gedanken diesbezüglich geändert. Die Trinität hat es in sich. Wir müssen zwar vorsichtig sein bei der Formulierung trinitarischer Aussagen, denn sehr viel her gibt der biblische Befund nicht. Vieles beruht auf Beobachtungen und Schlussfolgerungen. Doch bestimmte Grundgedanken können sich m.E. aussagen lassen. Einer ist die spannende (und erstmal nicht zu verstehende) Aussage von Karl Rahner: „Die ökonomische Trinität ist die immanente Trinität und andersherum.“ Auf solche Ausdrucksweisen kommen wohl nur Theologen. Bedeutet ganz einfach, dass was innertrinitarisch abläuft sich nach außen wirkt. Wie Gott in der Trinität ist, so ist er auch nach außen. Wie ist nun Gott? Gott ist u.a. ein Beziehungsgeschehen. Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist sind eine Beziehung. Wenn wir nun trinitarisch denken, dann rücken Beziehungen neu in unseren Fokus. Gott will Beziehung zu uns leben und er will, dass wir als sein Ebenbild in Beziehungen leben. Das hat nun Auswirkungen auf unser Verständnis von Nachfolge und Ekklesiologie.

Wie Gott in der Trinität wirkt, so wirkt er auch außerhalb der Trinität. Das AT zeigt uns einen Gott der wirkt (z.B. Gott liebt, Gott schützt). Wir erkennen Gott also hauptsächlich durch sein Handeln. Das was wir über Gott aussagen, interpretieren wir im Nachklang des erlebten Handelns Gottes.

Am Beispiel der Schöpfung ist meiner Ansicht nach sehr gut Gottes Handeln in Beziehung zu erkennen. Die dreieinige Gottesgemeinschaft öffnet sich und lädt ihre Schöpfung in ihre Gemeinschaft ein. Vater, Sohn und Geist sind an der Schöpfung beteiligt und berufen nun den Menschen mit an der Schöpfung zu arbeiten.

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Sven on tour

Folgende Geschichte habe ich für klartext gerschreiben. Als überzeugter Vertreter narrativer (erzählender) Vermittlung auch von Glaubensthemen, hier nun eine Geschichte, in der es um einen Zugang zu Gott geht, den Zugang über seine Schöpfung:

Sven ging es nicht so gut und das schon seit einigen Wochen. Langsam schlich sich Frust in sein Leben zu ein. Auslöser war die aktuelle Situation auf Arbeit gewesen. Die schlechte Auftragslage traf auch die Firma, für die er arbeitete. Als Abteilungsleiter musste er schon einen seiner Kollegen entlassen, was ihm ziemlich zusetzte. Außerdem kämpfte seine Abteilung immer wieder mit technischen Problemen. Immer mürrischer begegnete er fortan seinen Mitarbeitern, die ebenfalls angespannt und nicht weniger gut gelaunt waren. Selbst seine Jesus-Zeiten verliefen schleppend, wenn er sich dann mal Zeit für Jesus nahm. Die Bibel sprach nicht mehr zu ihm, beten kam eher dem Reden mit der Wand gleich und auch sonst fühlte sich Gott weit weg an. Immer öfter kreisten seine Gedanken über die gesamte Situation, ob er denn was falsch machte und was er daran ändern konnte.

Wald 385430_7396Es konnte so nicht weitergehen. Sven musste einfach mal raus – raus aus seinem Dorf, hinein in ein Abenteuer. Dem Rat eines Freundes folgend packte er am Wochenende, etwas skeptisch ob des Erfolges, seine Wandersachen und machte sich auf einen langen Tagesmarsch. Raus in die Natur, vielleicht half das ja. Die frische Luft tat ihm gut. Und während er so lief, auf einsamen Waldwegen, zwischen Äckern und Feldern quer über Wiesen, fing er an, Gott bitterlich sein Leid zu klagen. Er machte es wie David in seinen Psalmen. Alles was ihn ankotzte kam auf den Tisch. Und gleich hatte er das Gefühl befreiter durchatmen zu können. Nun war seine Wut dort, wo sie hingehört – bei Gott.  Seine Seele kam zunehmend zur Ruhe. Der frische Geruch der Bäume und Pflanzen, das sanfte Wehen des Windes, all das ließ sein Herz höher schlagen und führte ihn in den Lobpreis und das obwohl er gerade noch von vielem so angepisst war. Wow, wie groß dieser Gott sein muss. Was für ein erfindungsreicher Schöpfer! Wohin er auch schaute, alles so einzigartig und wunderschön. Warum hatte er nie darauf geachtet? Sven setzte sich auf einen Baumstumpf am Ende einer schönen Waldlichtung, packte sein Essen und die Bibel aus. Er las einen Abschnitt, meditierte darüber und die Gedanken sprudelten nur so. Die Texte sprachen zu ihm, sie wurden lebendig und berührten ihn. Wie entscheidend doch die Umgebung sein kann, um Gott zu begegnen, dachte er. Warum die Menschheit so viel Geld investierte, um teure Kirchenkomplexe hinzustellen, wo doch die Natur soviel mehr zu bieten hat. Sven musste an Adam und Eva denken. Gott schuf sie und setzte sie in einen Garten. Er baute ihnen keine Hotelanlage, keinen Palast, sondern überließ ihnen ein Stück Land. Jesus musste die Natur geliebt haben. Lehrte er nicht oft an der frischen Luft? Ja, er ging auch in die Synagogen, den Tempel und viele Häuser, dennoch war er viel draußen unterwegs. Er erklärte seinen Jüngern anhand der Natur die gute Nachricht. Ob das nicht alles Zeichen dafür sind, dass die Natur uns helfen kann, Gott näher zu kommen? Sven war sich ziemlich sicher. Die folgenden Kilometer waren die reinste Party. Die Schönheit der Natur verlor ihren Reiz nicht. Eigentlich war er schon immer ein Naturbursche gewesen. Als Kind spielte er viel lieber mit seinen Freunden im Wald, als PlayStation. Zu Hause angekommen, erschöpft und ausgepumpt, doch mental gestärkt, sah er seine Situation schon von einer ganz anderen Perspektive.

Als Sven am Montag wieder zur Arbeit kam, waren die Herausforderungen nicht verflogen, doch er hatte neue Zuversicht gewonnen. Er hatte seinen Zugang zu Gott entdeckt. Einen Weg, wie es ihm leicht fällt, mit Gott zu reden und auch seine Stimme zu hören. Wie gut hatte es ihm getan, mal seinen Frust laut herauszulassen, in der Einsamkeit des Waldes. Was sich in den eigenen vier Wänden komisch angefühlt hätte, fiel ihm draußen  zwischen Wald, Wiesen und Seen viel leichter. Nun ging es für Sven darum, dieses Wissen in seinen Alltag zu integrieren. Warum nicht Bibellesen in der Natur? Warum nicht den eigenen Garten mehr nutzen? Hätte er doch früher gewusst, wie gut ihm das tut…

Als kurze Zeit später ein Mitarbeiter mit einer neuen Ideen kam, um die technischen Probleme zu lösen, konnte Sven die anderen Mitarbeiter motivieren und siehe da – gemeinsam konnten sie Lösungen finden und der Zusammenhalt in der Truppe stieg wieder.

Wie geht es dir mit Gott? Bist du vielleicht ein Sven? Fühlst du dich Gott nahe, wenn du von seiner Schöpfung, von Wäldern, Bergen, Seen oder dem Meer umgeben bist? Kannst du dich nicht sattsehen an Gottes schöpferischer Vielfalt? Ist die Natur eher ein Ort der Inspiration für dich als andere? Probier es doch mal aus!

Mehr zum Thema gibt es bei in meiner EXERCISE-Serie: Freundschaft mit Gott