Advent – auf Gottes Eingreifen warten

Gedanken zum Advent

Am 29. November beginnt dieses Jahr die Adventszeit. Im Advent geht es ums Warten. Wir warten auf Jesus. Wir warten auf sein Eingreifen. Damit beginnt der christliche Kalender. Er beginnt nicht mit der Geburt Jesu, sondern mit der Erwartung seiner Geburt. Er beginnt nicht mit einer grossen Feier, sondern mit Warten.

In unserer Gesellschaft sind wir nicht gut im Warten. Wir leben in einer Instant -Gesellschaft. Wir wollen und können Dinge immer schneller bekommen. Warten ist out. Warten gilt als verlorene Zeit. Und Zeit ist ein sehr kostbares Gut. Warten wird als verlorene Zeit gesehen, denn wir machen nichts. Und darauf sind wir nicht besonders stolz. Oder bist du stolz auf dich, weil du heute nichts getan hast? Ich höre in diesem Fall eher eine Entschuldigung. Wir wollen produktiv sein. Wir wollen was erleben und aktiv sein.

Warten ist oft mit Klagen verbunden. Wenn wir warten (müssen), dann beklagen wir uns. Wenn es zu lange an der Kasse geht, dann beschweren wir uns. Dann kommst du nach Hause und sagst in beklagendem Ton, dass es wieder so lange ging. Also ich habe noch nie jemand gehört, der gesagt hat, dass es einem so gut getan hat an der Kassen zu warten, weil es so schön stressfrei war. Endlich mal durchschnaufen und einfach rumstehen. Wie schön! Nein, warten macht uns eher unglücklich.

Dasselbe gilt auch für unser geistliches Leben. Wenn wir auf Gott warten dann meistens weil wir mit der aktuellen Situation unzufrieden sind. Wir benötigen Gottes Reden oder Eingreifen. Deshalb wenden wir uns an ihn und erwarten sein Eingreifen. Wenn das auf sich warten lässt, dann stellen wir uns Fragen über Gott. Auf Gott warten ist mit Klagen verbunden. Oder wartest du gerade auf Gott, weil es dir so gut geht?

Ich kritisiere die Verbindung zwischen Warten und Klage überhaupt nicht. Sie ist natürlich. Wenn eine Situation schlimm oder schwierig ist, dann wenden wir uns natürlich an Gott. Wir klagen ihm unser Leid. Und wir warten auf sein Eingreifen. Dieses Warten fühlt sich oft nicht gut an. Es ist eine schwere Zeit. Doch im Warten passiert etwas. Gott offenbart sich gerade im Warten, doch dafür müssen wir innerlich zur Ruhe kommen und uns auf ihn ausrichten. Dann können wir erfahren, dass Gott sich im Warten zeigt und wir durch die Begegnung mit ihm verwandelt werden. Wenn wir in einer guten Weise warten, kann unsere Seele zur Ruhe kommen. Wenn unsere Seele zur Ruhe gekommen ist, können wir ein stärkeres Bewusstsein bekommen dafür was Gott gerade tut.

Gott ist übrigens immer am Wirken. Gott ist nie tatenlos. Er liebt konstant. Er hört nie auf zu lieben. Doch uns ist das nicht immer bewusst. Sorgen können unseren Blick auf den liebenden Gott verstellen. Wenn wir voll sind von Angst, Ärger, Unsicherheit und Ungeduld sind wir wie blind für das Wirken Gottes im hier und jetzt.

Im Advent geht es ums Warten. Wir warten auf Jesus. Warten ist eine wichtige geistliche Disziplin. Ich wünsche euch viele gute, reinigende Erfahrungen damit.

Aufgefahren, nicht abgefahren – Über die Bedeutung von Christi Himmelfahrt

Die Himmelfahrt Jesu bzw. Christ Himmelfahrt ist wahrscheinlich der am meisten übersehene Tag im christlichen Kalender. Er ist bei uns sogar noch ein Feiertag, doch schon längst in der Bedeutung zum Vatertag umgewandelt. In der westlichen Welt sind Weihnachten und Ostern sehr präsent, wenn auch stark kommerzialisiert. Karfreitag und Pfingsten sind noch bedeutende christliche Festtage, die auch in den christlichen Gemeinden gefeiert werden. Doch Christi Himmelfahrt ist fast ganz verlorenen gegangen. Warum? – vielleicht weil wir die Bedeutung von der Himmelfahrt Jesu verloren haben. Das ist bitter, denn ohne die Himmelfahrt Jesu sind das Evangelium und die Geschichte von Jesus unvollständig. Die Geschichte von Jesus ist: Inkarnation, Verkündigung und Errichtung des Reiches Gottes, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. Wenn wir also die Himmelfahrt weglassen, übersehen wir das Ende. Die Geschichte von Jesus endet eben nicht mit der Auferstehung, sondern geht weiter mit der Himmelfahrt. Ohne die Himmelfahrt ist die Auferstehung unvollständig. Es würde den Sieg über den Tod demonstrieren, ohne die Erhöhung von Jesus zu implizieren. Das Ereignis der Himmelfahrt hat daher eine zentrale theologische Bedeutung.

Christ Himmelfahrt kommt 40 Tage nach Ostern. Das Kirchenjahr ist eingeführt worden um die Geschichte des Evangeliums von Advent bis Pfingsten zu erzählen. Dass Christi Himmelfahrt weitestgehend übersehen wird hängt vielleicht an dem Ereignis an sich. Es war ein komischer, abgefahrener Vorgang durch den Jesus nach seiner Auferstehung in den Himmel geholt wurde. Plötzlich war Jesus weg und liess verdutzte Jünger zurück! Dort im Himmel hält er ich mit Gott sich auf bis er denn wiederkommt.

Doch Christ Himmelfahrt handelt nicht vor der Abwesenheit Jesu, sondern von der Herrschaft Jesu. Die Aufnahme Jesu in den Himmel, wo er zur Rechten Gottes Platz genommen hat, ist sein Aufstieg, seine Beförderung, seine Wahl in eine Position, die ihm alle Autorität über den Himmel und die Erde gibt. Der Platz zur Rechten Gottes ist ein poetisches Bild mit dem ausgesagt wird, dass Gott jetzt Jesus alle Autorität im Himmel und auf Erden gegeben hat. Die Himmelfahrt führt nicht zur Abwesenheit Gottes, sondern zu seiner globalen, kosmischen Präsenz. Deshalb sagt der auferstandene Christus zu seinen Jüngern: Ich bin bei euch bis an die Enden der Erde (Mt 28,20). Es gibt keinen Ort auf der Erde an dem Jesus nicht ist und es gibt keine Macht, über die er nicht Herr ist.

Das bedeutet im Kern die Himmelfahrt Jesu. Doch das ist nicht das Verständnis viele Christen. Und das hat einen Einfluss auf ihre Theologie. Wenn wir nämlich die Geschichte Jesu schliessen indem wir sagen: und Jesus ging in den Himmel (deshalb ist er nicht mehr hier auf der Erde), aber irgendwann wird er wieder zurückkommen und dann seine Herrschaft aufrichten … dann spüren wir eine grössere Freiheit die Welt zu gestalten nach unseren Vorstellungen, weil Jesus abwesend ist. Diese Sicht degradiert Jesus vom ewigen Herrn der Welt, der zur Rechten Gottes sitzt und dem alle Macht und Autorität gegeben wurde, zu einem gekrönten Herrscher im Exil. Wir sehen Jesus dann nicht als einen der aktuell regiert und der seine Herrschaft angetreten ist und wir diese repräsentieren. Wir brauchen dann andere Herrscher. Doch die Himmelfahrt bedeutet nicht die Abwesenheit Gottes, sondern die Erhöhung! Jesus ist Herr. Jetzt. Nicht Jesus, der gerne Herr wäre. Nicht Jesus, der irgendwann Herr sein wird, sondern König Jesus und Herr der Herren jetzt und hier!

Die Könige dieser Welt bzw. die Regierungen dieser Erde sollten Jesus und seine Gebote nicht einfach ignorieren. Die Regierungen dieser Erde sollten sich vielmehr unter die Herrschaft Jesu stellen. Die Rolle der Kirche ist es ein prophetisches Zeugnis der Herrschaft Jesu zu sein, der mit Liebe, Frieden, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit regiert. Die Kirche fordert die Könige der Welt auf gemäss der Wege und Gesetze Jesu zu regieren. Sie sollen die Armen und Schwachen schützen. Die Kirche darf sich nicht von den Regierungen missbrauchen lassen oder sich ihnen unterwerfen, damit sie im Gegenzug etwas von ihnen bekommt. Nein, sie bezeugen Jesus Christus als Herrn der Herren. Damit sie das kann, muss sie zuerst der Überzeugung sein, dass Jesus der Herr der Welt ist im hier und jetzt. Davon gingen die ersten Christen aus. Sie lassen Psalm 2,10-12 als Bild für Jesus:

Darum nehmt Vernunft an, ihr Könige;

lasst euch warnen, ihr Mächtigen der Erde!

Unterwerft euch dem Herrn,

zittert vor ihm und jubelt ihm zu!

Huldigt seinem Sohn!

Sonst wird er unwillig

und es ist um euch geschehen;

denn sein Zorn ist schnell entflammt.

Wohl allen, die bei ihm Schutz suchen! 

Und im apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen wir:

aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes,des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Wenn wir davon sprechen, dass Jesus wiederkommen wird, dann sollten wir nicht denken, dass Jesus seinen Aufenthaltsort wechselt, sondern dass er erscheint. Wenn Jesus wiederkommt (griech. Parousia), wird der Vorhang gelüftet und was schon immer Realität war, wird offenbart werden. Es ist der Zeitpunkt des Gerichtes; der Zeitpunkt, wenn offenbart wird wie wir unter der Herrschaft Jesu gelebt haben. Die Wiederkunft Jesu ist nicht der Beginn der Herrschaft Gottes, sondern der Zeitpunkt des Gerichts. Es wird beurteilt wie treu wir dem König Jesus gedient und gehorcht haben.

Leidenschaftlich Glauben

Jahresmotto_Banner

Professor Einstein stellte einst einem Geistlichen (Kardinal Faulhaber) die Frage: „Was würden sie tun, wenn Ihnen die Mathematik bewiese, dass Ihr Glaube falsch sei?“
Der Geistliche (Kardinal) antwortete: „Herr Professor, ich würde geduldig warten, bis Sie Ihren Rechenfehler gefunden haben.“ Der Glaube lässt sich nicht errechnen, noch durch die Wissenschaft widerlegen, denn die Wissenschaft oder generell menschliches Denken ist immer eingeschränkt. Auf der anderen Seite lässt sich Glaube aber auch nicht beweisen, sonst wäre es nicht mehr Glaube. Das Wesen des Glaubens liegt gerade darin begründet, dass ich auf etwas vertraue, was nicht greifbar ist. Die Bibel berichtet von Menschen die auf ihre Weise vertrauten. Und das wünscht Gott sich auch für uns. Er sucht Menschen mit einem unerschütterlichen Glauben, der allen Widerwärtigkeiten entgegen ihm volles Vertrauen schenkt – leidenschaftlicher Glaube. Unsere Geschichte erzählt von solch einem Menschen.

Lukas 7,1-10:

 1 Das Volk hörte allem zu, was Jesus sagte. Als er seine Rede beendet hatte, ging er nach Kafarnaum.

2 Der Hauptmann ´einer dort stationierten Einheit` hatte einen Diener, den er sehr schätzte; dieser war schwer krank und lag im Sterben.

3 Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige Älteste der jüdischen Gemeinde zu ihm; sie sollten ihn bitten, zu kommen und seinem Diener das Leben zu retten.

4 Die Männer gingen zu Jesus und baten ihn inständig, mit ihnen zu kommen. »Er ist es wert, dass du ihm diese Bitte erfüllst«, sagten sie.

5 »Er liebt unser Volk und hat uns sogar die Synagoge gebaut.«

6 Jesus machte sich mit ihnen auf den Weg. Doch als er nicht mehr weit vom Haus des Hauptmanns entfernt war, schickte dieser ihm einige Freunde entgegen und ließ ihm ausrichten: »Herr, bemühe dich nicht! Ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst.

7 Deshalb hielt ich mich auch nicht für würdig, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund.

8 Ich bin ja selbst dem Befehl eines anderen unterstellt und habe meinerseits Soldaten unter mir. Wenn ich zu einem von ihnen sage: ›Geh!‹, dann geht er, und wenn ich zu einem sage: ›Komm!‹, dann kommt er; und wenn ich zu meinem Diener sage: ›Tu das und das!‹, dann tut er es.«

9 Jesus staunte über den Mann, als er das hörte. Er wandte sich um und sagte zu der Menge, die ihm folgte: »Ich versichere euch: Solch einen Glauben habe ich in ganz Israel nicht gefunden.«

10 Als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, zu ihm zurückkamen, stellten sie fest, dass der Diener wieder gesund war.

 

Die Geschichte spielt in Kapernaum, das am See Genezareth liegt. Kapernaum war eine Grenzstadt und durch die Grenzsituation bedingt, war dort eine römische Einheit stationiert. Die Grenzen mussten gesichert sein und für Ruhe und Ordnung gesorgt werden. In Kapernaum verbrachte Jesus einige Zeit und vollbrachte schon zahlreiche Wunder wie Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen und sogar eine Totenauferweckung. Die Menschen in Kapernaum kannten Jesus. Sie haben ihn erlebt oder kannten jemand, der etwas mit ihm erlebt hat. Die Basis von leidenschaftlichem Glauben ist eine Beziehung – unsere Beziehung zu Gott. Damit unser Glauben leidenschaftlicher wird oder leidenschaftlich bleibt müssen wir Jesus kennen und immer wieder Erfahrungen machen, denn unser Glaube ist nicht abstrakt, sondern persönlich.

Jesus kommt also nach Kapernaum. Da bekam auch der dort ansässige römische Hauptmann mit. Er befand sich in grosser Not, denn einer seiner Knechte, der ihm sehr wertvoll war, lang im Sterben. Solche Situation gibt es im Leben – Situation, die man keinem wünscht. Wir sind alle mit Krankheit, Schmerzen, Hass und leider immer wieder auch mit dem Tod konfrontiert. Das ist die Wirklichkeit unseres Lebens. Es macht es schwer. Mit Jesus zu leben heisst nicht von allem Elend von Krankheit und von Unfällen usw. verschont zu werden. Gott ist nicht in erster Linie für ein problemloses und unkompliziertes Leben verantwortlich. Das Entscheidende am Glauben an Jesus ist, dass wir durch Ihn für alle Zeit erlöst sind. Die Gefahr besteht darin, in solchen Lebensabschnitten an der Liebe und Grösse Gottes zu zweifeln. Oder sich gar von Jesus abzuwenden, wenn die Vorteile, die man sich für dieses Leben erhoffte, nicht eintreffen.  Es gilt gerade auch in solchen schweren Phasen Gott zu vertrauen. Das ist nicht immer einfach. Doch darauf steht eine grosse Belohnung. Wir brauchen einen Glauben, der solche Phasen durchsteht. Leidenschaftlicher Glaube hält stand. Er ist ein Allwetterglauben. Jemand sagte mir mal: „Das Leben ist kein Wirrpool“. Der Glaube auch nicht. Aber der Glaube bringt eine wundervolle Belohnung – die Ewigkeit. .

Der Hauptmann lässt nach Jesus fragen. Jesus nimmt seine Bitte ernst und lässt sich zu seinem Haus führen. Dem Hauptmann wurde gemeldet, dass sich Jesus seinem Haus nähert, diesmal sendet er seine Freunde zu Jesus und liess ihm sagen: »Herr, bemühe dich nicht! Ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb hielt ich mich auch nicht für würdig, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund.« Der Hauptman sagte das weil er nicht wollte, dass sich Jesus in den Augen der Juden verunreinigt. Ein Jude durfte das Haus eines Heiden nämlich nicht betreten. Sein Anliegen war einzig, seinen geliebten Knechten zurückzugewinnen. Dafür verlangte er nicht von Jesus kulturelle Grenzen zu überschreiten. Er war der Überzeugung, Jesus müsse nur ein Wort sprechen, so wäre sein Knecht wieder gesund. Er begründet diese Meinung mit einer Beobachtung: »Ich bin ja selbst dem Befehl eines anderen unterstellt und habe meinerseits Soldaten unter mir. Wenn ich zu einem von ihnen sage: ›Geh!‹, dann geht er, und wenn ich zu einem sage: ›Komm!‹, dann kommt er; und wenn ich zu meinem Diener sage: ›Tu das und das!‹, dann tut er es.« Er ist ein Mensch dem Macht gegeben ist von der Obrigkeit. Diese erlaubt ihm seinen Untergebenen Befehle zu erteilen, und sie werden von ihnen befolgt. Gleiches gilt für Jesus. Ihm ist Macht gegeben und diese Macht führt er aus. Jesus selbst ist seinem Vater unterstellt. Er handelt nach seinem Willen, weil er weiss das dies das Beste ist – für ihn und sein Umfeld. Das ist Hingabe. Das ist ein Leben im Vertrauen auf Gott. Leidenschaftlicher Glaube gibt sich hin. Daher wenn wir von leidenschaftlichem Glauben sprechen dann denken wir daran sein Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Leidenschaftlicher Glaube folgt Jesus nach und nicht den eigenen Wünschen.

Jesus ist völlig erstaunt über den Glauben des Hauptmanns. Er dreht sich um, zu der Volksmenge, die ihm folgte, und er sagte ihnen: »Ich versichere euch: Solch einen Glauben habe ich in ganz Israel nicht gefunden.« Bei keinem Juden hat Jesus solchen Glauben gefunden. Freude und Interesse an Wundern begegnete ihm überall. Aber solchen Glauben fand er bis jetzt noch nicht. Der Glaube bestand ja darin, dass der Hauptmann Jesus erkannte und anerkannte als Sohn Gottes als Schöpfer des Himmels und der Erde, dem eben die Macht gegeben ist, auch über Kranke ein Wort zu sprechen und sie sind gesund. Und tatsächlich, als die Boten zurück in das Haus des Hauptmanns kamen, fanden sie den Knecht gesund. Für uns stellt sich die Frage: Findet Jesus bei uns diesen Glauben, der ihm vertraut, der weiss, dass Gott kein Ding unmöglich ist? Oder gehen wir vielmehr von unserem Denken, von unseren Möglichkeiten aus? Entscheiden nicht allzu oft wir, was Gott möglich ist und was nicht? Wir müssen lernen Gott zu vertrauen. Wir müssen wissen Gott ist kein Ding unmöglich, aber er muss uns nicht jeden persönlichen Wunsch erfüllen, denn Gott ist nicht da, um uns ein angenehmes Leben auf dieser Erde zu verschaffen, sondern wir sind da, um Gott zu dienen, mit allem was uns anvertraut ist. So sieht leidenschaftlicher Glaube aus.

Er weidet mich … (Psalm 23,2)

… auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele.

03_Psalm23

Zum Frühstück

Und mit dieser Haltung geht es weiter zum Frühstück. Der Psalm lädt uns ein mit einem Blick auf das was Gott alles für uns tut. Wie viel Segen war schon da, bis zu dem Moment, wo du am Frühstückstisch sitzt? Der Segen einer warmen Dusche. Der Segen eines freundlichen Lächelns von einem Menschen, mit dem du zusammen lebst. Der Segen von einer Wohnung, die sicher ist. Ein Dach über dem Kopf. Eine Heizung die funktioniert und schön warm gibt. Der Segen von einem Körper, der sich bewegt. Der Segen von Klamotten, die da sind. Gott hat schon ganz viel geschenkt. Und daher kannst du sagen: Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Das ist ein Bild aus der Hirtensprache. Die Hirten haben ihre Schafe immer zu den möglichst grünsten Auen geführt. Und so ist auch Gott. Wir sind uns das oftmals einfach nicht bewusst.

Er erquickt meine Seele. D. h. er kümmert sich um meine Bedürfnisse. Um das, wonach ich suche und wonach ich hungere: nach Gemeinschaft und Liebe und Zugehörigkeit und Sinn. Er erquickt meine Seele. Das ist meine Perspektive für diesen Tag. So will ich starten.

Man kann auch in den Tag starten mit den Gedanken: Ach du Schande, ich habe die Hausaufgaben vergessen und ich muss noch einkaufen und wie wird das auf der Arbeit, wenn der Chef wieder so bescheuert drauf ist. Und wie soll das noch rauskommen. Oh nein heute muss ich dieser Person wieder begegnen. Jetzt haben sie die Renten gekürzt. Und mein Lieblingsteam hat schon wieder verloren etc. Wir können auch so starten. Aber die Bibel lädt uns ein zu einem anderen Blick. Erhebt eure Häupter, schaut auf Gott. Er versorgt uns, er erquickt unsere Seele. Er kann deine tiefsten Wünsche nach Nähe, Zugehörigkeit und Annahme stillen. Ich kann dir sagen, dass ich in meinem Leben schon ziemlich unten war und fast alles verloren hatte. Und in dieser taffen Zeit habe ich auf eine ganz besondere Weise gespürt, dass er da ist und er mich nicht verlassen hat.

Mir wird nichts mangeln (Psalm 23,1)

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor dem Spiegel

Du stehst auf und gehst zum Spiegel im Bad, stellst dich hin und sagst: Mir wird nichts mangeln. Das ist ein Satz in die Freiheit. Viel kluge Köpfe auf diesem Planeten setzen alle ihre Energie hinein uns davon zu überzeugen, dass wir Mangel haben. Es mangelt uns an iPhones, BMWs, gutem Aussehen, an Geld, an Urlaub etc. einfach an allem. Und wir werden jeden Tag daran erinnert, was uns mangelt. Kauf mich, iss mich, trink mich, tu mich in dein Haar und du wirst glücklich werden.

Der Satz „Mir wird nichts mangeln“ ist ein Satz in die Freiheit, weil du entscheidest: Es ist meine Entscheidung ob ich Mangel habe oder nicht. Ich bestimme darüber, was mir mangelt oder nicht. Und es ist ein Bekenntnis und eine Erinnerung daran, dass ich zu diesem Hirten gehöre der dafür sorgt, dass es mir an nichts mangelt. Alles was ich zum Leben brauche, wird er mir geben. Vielleicht nicht alles, was ich mir wünsche. Aber alles was ich brauche. Und ich muss mein ganzes Leben nicht nach allem Möglichen hinterherjagen.

Kennt ihr das? Ich musste letztens noch auf jemand warten – eine Frau. Und sie ist noch im Bad. Ich bin schon ungeduldig und äussere das auch. Und dann kommt die Aussage: „Sorry, ich komme gleich. Ich muss mich nur noch schnell fertig machen.“ Und genau das ist der Punkt. Ist es euch aufgefallen? „Ich mache mich noch schnell fertig“. Genau das machen wir oft. Besonders Frauen. Sie stehen vor dem Spiegel und machen sich im wahrsten Sinne des Wortes fertig: Da ein Pickel, da Hautunreinheiten, da ein Haar zu viel, das Kinn zu breit, hier zu dick, zusammengefasst: nicht besonders attraktiv. Morgens machen sich so viele Menschen fertig. Stattdessen müssten sie sich herrichten. Das ist ein herrliches Wort. Wir nehmen Haltung ein, stellen uns hin und geben unserem Leben eine gute Richtung. Und das tun mir indem wir sagen: Mir wird nichts mangeln. Ich bin beschenkt und werde heute Gutes erleben. Das Leben ist nicht schlecht. #23challenge

Jesus ist … ein Mitläufer

Wer ist Jesus? Ich möchte heute eine ungewöhnliche Beschreibung aufgreifen. Und zwar Jesus als Mitläufer. Zwei Jünger sind auf dem Weg nach Hause von den Passahfeierlichkeiten. Sie gehörten womöglich zu einer kleinen Gruppe von Jesus-Jüngern in Emmaus. Wo genau dieses Emmaus liegt ist heute nicht mehr rekonstruierbar. 60 Stadien lag es von Jerusalem entfernt. Das entspricht etwas mehr als 10 km. Einer der Jünger hieß Kleopas. Vermutlich derselbe, der auch in Johannes 19,25 genannt wird. Seine Frau wäre dann Maria, die ebenfalls Jüngerin Jesu war. Laut älterer Kirchengeschichte war Kleopas der Bruder Josefs, des juristischen Vater Jesu, und er somit ein Onkel von Jesus. Der zweite Jünger bleibt ungenannt. Hinter diesen beiden Jüngern liegen ereignisreiche Tage. Überlegen wir mal was in ihnen vorging:  Wie jedes Jahr trafen sich die Juden zum Passahfest in Jerusalem. Alles war bereit für das große Fest. Reges Treiben, der Tempel vollgestopft, überall Menschen, Menschen, Menschen, Jerusalem völlig ausgebucht, Leben pur, ja auch anstrengend, zu viel Trubel, zu laut und dennoch jedes Jahr ein riesen Fest. Doch solch ein Fest hatten sie noch nie erlebt. Binnen Tage spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu. Jesu Einzug in Jerusalem, der Verrat Judas, die Festnahme und schließlich die Kreuzigung. Und das alles in unglaublich schnellem Tempo.

Wie viel Hoffnung hatten sie doch in Jesus gesetzt! Dass er ein Prophet war stand außer Frage. Seine Zeichen und Wunder in dieser Intensität und Häufigkeit noch nie dagewesen. Vielleicht der Messias? Er war anders. Seine Lehre beeindruckender, seine Wunder außergewöhnlicher, sein Charisma überzeugender als die anderen großen Rabbiner. Doch warum haben gerade die jüdischen Obersten sich so vehement für seinen Tod eingesetzt? Sie warteten auf den Messias. Sie glaubten, dass er bald kommt. Und sie kannten sich aus. Wenn jemand die Zeichen der Zeit erkennen kann – dann sie. Doch sie haben sich von ihm abgewandt und deutlich gemacht, dass diesem Treiben ein Ende gesetzt werden müsste. Hatten sie doch Recht die Obersten? Sie hatten schon immer Zweifel an der Betrachtung der Obersten. Doch wenn er der Messias gewesen wäre, hätte er sich doch gewehrt, seine Anhänger mobilisiert ihm zu helfen. Doch er hat alles über sich ergehen lassen. Sie verstanden ihn nicht mehr. So kannten sie ihn nicht. Und nun die Berichte der Frauen vom Grab. Der Stein weg, kein Leichnam mehr, der Engel … Wie sollten sie das einordnen? Was auch immer hier abgeht – mysteriös, unfassbar, nicht einordbar.

Und nun gesellt sich ein Fremder zu ihnen. Aller Voraussicht ein Pilger auf dem Nachhauseweg. Nichts Ungewöhnliches – man schloss sich gerne einer Wandergruppe an. Es war Jesus. Wer er wirklich war erkannten sie nicht. Warum? Sie konnten ihn eben nicht identifizieren. Vielleicht sah Jesus anders aus. Sie ließen sich nicht von ihm abhalten und diskutieren weiter. Und Jesus? Er läuft mit ihnen. Er geht mit ihnen den Weg nach Emmaus. Jesus wird zum Mitläufer. Gemeinsam gingen sie die Zeit mit Jesus durch, alles was sie mit ihm erlebt haben.  Sie diskutieren, ja stritten sogar, warfen sich die Argumente hin und her, als sich der Fremde zu Wort meldet. „Entschuldigung, aber von was reden ihr?“ Entsetzt bleiben sie stehen. Wie, was, wo – was geht hier ab? Er hat noch nichts davon gehört? Das ging doch gar nicht! Ganz Jerusalem beschäftigte seit ein paar Tagen nur dieses eine Thema. Gut, Unwissende gibt es immer. Und sie berichten ihm alles. Und dann kommt diese seltsame Antwort. Ja es ist wohl eher eine kritische Anmerkung oder gar Bewertung: O ihr Unverständigen und im Herzen zu träge. Was bedeutet es den im Herzen träge zu sein? Es geht erstmal um das Herz. Ihr Herz ist langsam und schwerfällig. Mußte nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit hineingehen? Musste es nicht genauso kommen? Jesus stellt die Sicht / das Denken / die Vorstellungen der Jünger in Frage. Für sie machte das alles keinen Sinn. Schon gar nicht konnten sie darin etwas Gutes sehen oder den Plan Gottes? Wir können es ihnen nicht verübeln. Und Jesus? Was macht der Mitläufer? Anstatt die Krise zu schieben erklärt er ihnen alles und zwar von Anfang an. Mose – die ganzen Propheten – die komplette Geschichte Israels. Er wollte ihnen zeigen, warum alles so kommen musste. Jesus hat Geduld und Verständnis für sie. Er geht auf ihre Fragen und Zweifel ein. Er geht auf ihre Enttäuschung ein. Sie fühlen sich getäuscht. Vielleicht hast du gerade auch Zweifel und offene Fragen.

Und dann kommen sie zu Hause an und laden den Begleiter / Mitläufer ein. Ein tolles Beispiel orientalischer Gastfreundschaft. Und sie stärken sich bei einem Essen. Und dabei erkennen sie plötzlich, dass ihr Begleiter Jesus höchstpersönlich ist. Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?

Kennst du Situation wie die der Emmaus-Jünger? Zeiten des Zweifelns und der Unsicherheit? DIe Botschaft hier ist, dass Jesus auch in diesen Zeiten bei uns ist und sich erkenntlich machen will. Und wenn du dann zurückblickst kannst du erkennen: es brannte mein Herz. Kennst du dieses Gefühl? Das Herz brennt. Das ist natürlich nicht wörtlich gemeint. Es geht dabei um eine Situation, ein Erlebnis, eine Begegnung die dein Herz verändert. Du bist Feuer und Flamme. Dieser Jesus will dein Herz berühren. Er will es zum Brennen bringen. Eine Berührung von diesem Jesus kann alles verändern. Die Worte Jesus lösten etwas Positives bei den Jüngern aus. Neue Hoffnung, neue Perspektive, neue Freude, neuer Glaube, neues Vertraut-sein. Und das kann dieser Jesus auch bei dir tun.

Ich sage dir es gibt Phasen in deinem Leben wo du voll begeistert bist von diesem Jesus. Und es können Phasen kommen wo dieses Gefühl weggeht. Wo du plötzlich Zweifel bekommst. Wo du irgendwie Gott nicht verstehst. Wo du es vielleicht langweilig oder komisch findest. Und viele wenden sich dann ab und denken: auch ist doch egal, es geht auch ohne Gott. Viele geben zu schnell auf. Ich bitte dich tue das nicht. Weil Jesus da ist. Und es ist gut, dass du enttäuscht wirst. Es zeigt, dass dein Denken nicht ganz gestimmt hat. Gott will das korrigieren. Und am Ende wirst du Gott dankbar sein. Ich bin durch Täler in meinem Leben gegangen und mein Bild von Gott hat sich verändert. Aber ich kann immer noch sagen: da ist ein brennen. Und das wünsche ich dir so sehr.

Das Kreuz – Gedanken zum Tod von Jesus

Um 63 v. Chr. erlebt Rom einen Skandal. Bei Gaius Rabirius einem altehrwürdigen Senator und Bankier sind landesverräterische Beziehungen entdeckt worden. Er hat Spionage betrieben für die Karthager. Und in Rom kommt es zur öffentlichen Gerichtverhandlung. Es sah nicht gut für ihn aus, denn auf Landesverrat stand die Todesstrafe. Allerdings konnte Gaius Cicero als Anwalt gewinnen und dieser hatten damals schon einen guten Ruf. Doch die Aufgabe war nicht einfach, denn der Caesar persönlich hatte der Ankläger und er verlangte von vorn herein die Todesstrafe per Kreuzigung. Das allein ist schon außergewöhnlich, denn einem römischen Staatsbürger stand es zu im Falle einer Verurteilung mit dem Tod die Methode frei zu wählen. Den Tod per Kreuzigung hatte noch nie ein Römer gewählt. Es war eine brutale Methode von der die Folterknechte sagten, dass man die Seele tröpfchenweise herauspresst. Denn trotz rasender Schmerzen stirbt man erst nach langer Zeit. Cicero also verteidigte Gaius mit folgenden berühmten Worten: „Wenn uns schon der Tod angedroht wird, dann wollen wir Römer in Freiheit sterben. Schon das Wort Kreuz soll ferne bleiben nicht nur dem Leibe der römischen Bürger, sondern auch ihrem Gedanken, ihrem Auge, ihrem Ohr. Denn so etwas Schändliches ist einem römischen Bürger unwürdig.“ Im Prinzip sagt er: Eine Kreuzigung entspricht nicht unserem Niveau. Wir sind keine Barbaren. Eine Kreuzigung passt nicht zu uns. Sie unser nicht würdig. Diese Worte haben Eindruck auf das Gericht gemacht. Und es ist Cicero tatsächlich gefolgt. Gaius wurde verurteilt, aber nicht gekreuzigt, sondern verbannt. Eine schwere Niederlage für den Caesar. Und bei dieser Gelegenheit hat das Gericht ein Grundsatzurteil gesprochen, dass kein römischer Staatsbürger mehr gekreuzigt werden darf. Das galt nun aber nur für die Bürger, die das römische Bürgerrecht besaßen. Die anderen Bürger durften selbstverständlich weiterhin gekreuzigt werden und wurden es auch zu 1000enden.

Jesus wurde etwa 30 n. Chr. vor den Toren Jerusalems von der damaligen Weltmacht Rom auf einem kahlen Hügel, der die Form eines Schädels hatte, gekreuzigt. Er wurde von Männern aus dem Hohen Rat, der obersten Behörde der Selbstverwaltung, also Menschen aus seinem eigenen Volk, bei den Römern angezeigt. Sie haben die Anklage ausgearbeitet und vorgetragen. Und die Römer haben die Kreuzigung schliesslich ausgeführt. Jesus ist tot. Der einzig gute Mensch stirbt. Das Kreuz wird zur Niederlage. Doch dann kommt es zur grossen Überraschung. Diese Kreuzigung soll nun Teil der guten Nachricht sein? Wie bizarr! Der Mann der gross angekündigt hat, dass er die Gute Nachricht bringt, wird auf die schändlichste und brutalste Art und Weise hingerichtet. In der Folgezeit nennt Paulus das Evangelium u.a. als Wort vom Kreuz. Die ersten Christen treffen sich zum Herrenmahl und erinnern an diesen brutalen Mord und alle die dazugehören wollen müssen sich in den Tod taufen – sich mit diesem Tod identifizieren. Und dass eine Kreuzigung zentral für eine Religion ist – darauf ist noch keiner gekommen. Und dass die Anhänger dieses Idols diesen Tod sogar noch beschreiben und weitererzählen anstatt ihn zu vertuschen ist unfassbar.

Jesusist_1200x600

Was soll nun dieser Tod? Dazu kann viel gesagt werden. Ich will mal einen Aspekt aufgreifen. Im Tod Jesu steckt das größtmögliche Versprechen. Und das größte Versprechen, dass Gott uns gibt ist: Liebe. Jesus selbst sagt: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde (Joh 15,13).“ Und er zeigt das ganz praktisch. Jesu Liebe kennt keine Grenzen. Er fragt nicht erst ob ihm seine Liebe etwas bringt. Er fragt nicht erst ob das nicht die Gefahr der Enttäuschung mich sich bringt. Er liebt nicht erst, wenn es ihm etwas bringt. Er liebt einfach. Er verschenkt seine Liebe. Und seine Liebe macht vor der Tod nicht halt. Er geht in den Tod für uns. Er liebt sogar seine Feinde. Das ist das exakte Gegenteil von bewerten. Wir lieben meist aufgrund von vorheriger Bewertung. Das Evangelium durchbricht aber das Gesetz des Beurteilens. Der Gegensatz dazu ist die raumschaffende Botschaft der Liebe, die Jesus am Kreuz in Vollendung demonstriert. Das Evangelium ist ein Versprechen, eine unverhoffte Zusage – über Bitten und Verstehen. Die Liebe des Vaters hat eine ganz andere Qualität. Es ist die größte Liebe. Er liebt nicht weil es ihm etwas bringt. Er liebt uns mit der Qualität der Feindesliebe. Und in diesem Liebesakt steckt der grösste Sieg. „Sein Ende“ war in Wirklichkeit seine Krönung. In der „Niederlage“ erweist sich Jesus als der eigentliche Gewinner. Am Kreuz wurden letztlich nicht nur er, sondern auch die Schuldscheine von uns Menschen mithingenagelt. Der Ankläger seiner Hauptbelastung entzogen. Deshalb sagt Paulus: „Er hat den Schuldschein gegen uns gelöscht, den in Satzungen bestehenden, der gegen uns war, und ihn auch aus unserer Mitte fortgeschafft, indem er ihn ans Kreuz nagelte; er hat die Gewalten und die Mächte völlig entwaffnet und sie öffentlich zur Schau gestellt. In ihm hat er den Triumph über sie gehalten (Kol 2,14-15).“ Jesus ist Sieger. Die Liebe siegt. Das Kreuz siegt die Liebe. In deinem Gott kannst du jemand begegnen der dich liebt und annimmt wie du bist. Gott steht zu dir mit der Qualität der Feindesliebe. Das ist das Ende der Angst. Und so können wir proklamieren: Wo ist solch ein Gott?

Hier geht es zur Audiodatei: Predigt vom 25/03/2016

Quelle: Gedanken entnommen aus dem Vortrag von Siegfried Zimmer: Ein merk-würdiger Tod – hostorische Aspekte der Kreuzigung Jesu

Mythen über die Weihnachtsgeschichte (1): War es wirklich so schwierig für Maria und Joseph eine Unterkunft zu finden?

Die Weihnachtsgeschichte ist eine der bekanntesten und beliebtesten Geschichte der Bibel. An jedem Weihnachtsgottesdienst wird in den Kirchen ein Krippenspiel aufgeführt.  Auch wenn sich die Aufführungen unterschieden geht es meint u.a. die schwierge Suche von Joseph und Maria nach einer Unterkunft. Doch war ihre Suche wirklich so schwierig? Ich habe daran erhebliche Zweifel.

Grund 1: Das Dorfleben im Nahen Osten darf nicht mit unserer stark individualistischen Gesellschaft verglichen werden. Man kannte sie sich und wusste übereinander Bescheid. Es gab viele verwandtschaftliche Beziehungen und auch wirtschaftlich war man aufeinander angewiesen.  Joseph ist in seine Heimatstadt gereist. Seine Vorfahren haben dort gelebt und in der Vergangenheit das Dorfleben  mitgeprägt. Er oder zumindest seine Vorfahren kannte man. Allein von daher ist es äußerst ungewöhnlich, dass niemand sie aufnahm. Gerade wenn man bedenkt, dass Gastfreundschaft eine der höchsten Werte war.

Grund 2: Joseph gehörte zu einer ganz besonderen Familie. Er war königlicher Abstammung und nach unseren Maßstäben damit adelig. Die Familie von David war so berühmt, dass die Stadt sogar nach ihm benannt wurde. Es heißt, dass er „in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt“ reiste (Lk 2,4). Eigentlich ist Jerusalem die Davidsstadt, aber offensichtlich wurde auch Bethlehem so genannt . Als ein Nachkomme David wäre Joseph auf jeden Fall aufgenommen worden.

Grund 3:  Maria war zu der Zeit hoch schwanger. Ihr keine Unterkunft zu geben bedeutet letztlich, dass die Menschen in Bethlehem sich nicht um Schwangere kümmern. Auf hochschwangeren Frauen wurde auch in dieser Gesellschaft Rücksicht genommen. Man war um ihr Wohl besorgt. Daher haben die Dorfbewohner mit Sicherheit einen geeigneten Platz für die beiden bereit gestellt. Einer schwangeren Frau Hilfe vorzuenthalten wäre für jeden ein beschämender Akt.

Grund 4: Hätten Joseph und Maria tatsächlich keine Unterkunft gefunden, wären sie  zu Marias Verwandten gegangen. Ihre Cousine Elisabeth, die sie zuvor besucht hatte, wohnte nur unweit von Bethlehem entfernt. Es wäre nur ein logischer Schritt gewesen zu ihnen zu gehen und bei ihr das Kind zu gebären. Doch das haben sie nicht getan.

Dass Joseph und Maria unter Zeitdruck standen, wie aus den Krippenspielen bekannt, entspricht nicht dem Textbefund des Neuen Testamentes. Lukas berichtet, dass die beiden sich auf den Weg nach Bethlehem machten (4) und als sie dort waren ihre Tage erfüllt waren (6). Viele Christen denken, dass Jesus noch in der Nacht ihrer Ankunft geboren wurde. Doch die Zeit in Bethlehem wird in der Bibel nicht näher beschrieben. Es wäre auf jeden Fall ungewöhnlich, dass die beiden die Schwangerschaft bei ihrer Reiseplanung nicht berücksichtigt haben.

Der verlorene Sohn – (Teil 12: Die theologische Bedeutung II)

Nachdem ich in den ersten Teile der Serie versucht habe die Geschichte des verlorenen Sohnes unter Berücksichtigung von kulturellen Aspekte nachzuzeichnen, kommt jetzt eine Zusammenfassung der theologischen Bedeutung des Gleichnisses. Auf welche Bereiche geht Jesus „indirekt“ ein und was will er verdeutlichen? Stark inspiert hat mich dabei ein Buch von Kenneth Bailey. Meine Serie ist eine Buchzusammenfassung angereichert mit eigenen Gedanken.

Freiheit: Gott schenkt dem Menschen eine grundsätzliche Freiheit. Diese Freiheit beinhaltet die Liebe des Vaters abzulehnen und die Beziehung abzubrechen. Der Mensch kann seinen eigenen Wege gehen.

Reue: Das Gleichnis stellt zwei Arten von Reue dar. Einerseits der Versuch als Diener akzeptiert zu werden und andererseits das unverdiente Geschenk des Vaters anzunehmen. Gott will Söhne und keine Diener. Daher beinhaltet wahre Buße immer auch Sohn-werden.

Gnade: Die Geschichte berichtet von zwei Söhnen, die sich von ihrem Vater entfernen. Beiden geht der Vater entgegen, beide werden geliebt, beiden bietet er Versöhnung an, beiden wird unverdiente Gnade geschenkt und doch nimmt nur der jüngere Sohn das Geschenk an. Der Unmoralische erkennt Gottes Gnade und nimmt sie an, der Moralische versteht sie nicht und lehnt wütend ab. Die Botschaft Jesus hat nichts mit drinnen oder draußen zu tun, mit moralisch oder unmoralisch, konservativ oder liberal, religiös oder unreligiös. Das wird gerne verwechselt. Wir teilen die Welt gerne auf. Doch die Botschaft Jesu ist anders: „Jeder ist auf dem falschen Weg. Daher brauchst du meine  Gnade. Ich liebe dich, egal was bisher war. Ich will mich mit dir versöhnen. Nimmst du mein Angebot an?“

Wenn immer wir glauben Gott durch gute Werke gefallen und ihn auf seine Seite ziehen zu wollen machen, wird es im Zorn auf ihn und deine Mitmenschen enden.

Gnade ist freiwillige, unverdiente Liebe von Herzen, die nie aufgibt, sucht, leidet und retten kann.

Freude: Der Vater freut sich, dass er seinen Sohn wieder gefunden hat und der Sohn freut sich über das Gefundenwerden und die Versöhnung.

Gott als Vater: Gott wird als barmherziger Vater dargestellt. Er liebt alle Menschen und will sich mit ihnen versöhnen. Er ist bereit den Preis der Versöhnung zu zahlen.

Mensch als Sohn: Beide Söhne definieren Sohnschaft als Vater-Diener-Verhältnis. Der jüngere Sohn kommt zu seinem Vater und bietet ihm an sein Diener zu sein. Der ältere Sohn beschwert sich darüber, dass der Vater seine makellose Diener-Sein nicht wertschätzt. Der Vater lehnt bei beiden ihre Definition ab und bietet ihnen stattdessen seine kostspielige Vaterliebe an.

Christologie: Der Vater nimmt die Rolle des leidenden Knechtes ein, der seine unerwartete und unverdiente Liebe bei beiden Söhnen demonstriert. Er gibt seine Stellung auf und begegnet ihnen als Diener und bietet ihnen Tischgemeinschaft an.

Ekklesiologie: Wiederherstellung der Beziehung zum Vater bedeutet Eingliederung in die Dorfgemeinschaft. Weil die Beziehung zum Vater wieder in Ordnung ist, wird der Sohn ihm Dorf wieder akzeptiert. Übertragen gilt das für die Gemeinde. Familie und Dorfgemeinschaft ist eine Metapher für die Gemeinde.

Inkarnation: Der Vater verlässt seine Stellung und geht zu seinen Söhnen. Er begegnet ihnen dort wo sie sind. Das ist ein Bild für die Menschwerdung Jesu. Er verlässt die himmlische Gemeinschaft mit seinem Vater und wird Mensch und lässt sich von seinen Mitmenschen sogar hinrichten.

Eschatologie: Das Fest ist ein Bild auf die zukünftige Gemeinschaft in der neunen Welt/Himmel (Neuschöpfung).

Zu den anderen Teilen der Serie geht es hier: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10 und Teil 11.