Bruder Klaus und sein Gebet

20160906_142721Letzten Herbst fahre ich durch die Innerschweiz als mir ein Wegweiser auffällt. Rechts geht es ab zum Flueli. „Flueli?“ geht es mir durch den Kopf „es gibt noch ein Flueli?“. Zur Erklärung muss ich anfügen, dass ich Deutscher bin und erst knapp 2 Jahren in der Schweiz lebe und sich meine Gemeinde, bei der ich angestellt bin, in Steffisburg im Flühli-Quartier befindet. Und so kam es, dass ich aus reiner Neugier auf meiner Rückfahrt mir das andere Flueli anschaute. Ich hatte nicht geahnt, dass es sich um einen bekannten Pilgerort handelte. Niklaus von Flüe, später Bruder Klaus genannt, hat dort gelebt und gewirkt. Und seitdem habe ich mich mit Bruder Klaus beschäftigt. Ziemlich passend, denn dieses Jahr wird der 600. Geburtstag von ihm gefeiert. Bruder Klaus führte ein intensives Gebetsleben mit dem Schwerpunkt seiner Betrachtung und die Vertiefung in das Leiden Christi. Nach der Überlieferung soll Niklaus von Flüe diese Verse täglich gebetet haben:

Mein Herr und mein Gott,

nimm alles mir,

was mich hindert zu dir.

 

Mein Herr und mein Gott,

gib alles mir,

was mich führet zu dir.

 

Mein Herr und mein Gott,

nimm mich mir

und gib mich ganz zu eigen dir

20161015_103119Dieses Gebet ist ein Statement, ein Bekenntnis. Ein starkes Bekenntnis und eine klare Ansage. Es bringt erstmal zum Ausdruck wer Herr im Leben ist. „Mein Herr und mein Gott“ – so wird Gott hier angesprochen. Wie sprichst du Gott an? Gott als Zentrum als die Mitte von der aus Leben gestaltet wird. Gott als Bestimmer, als Regisseur. Und er hat das jeden Tag gebetet und ich lade uns ein ihm das gleich zu tun und auszudrücken: Heute bist du wieder mein Herr und mein Gott; Herr über meine Gedanken, Herr über meine Gefühle, der Herr über meinen Besitz, der Herr über meine Taten. Er will und soll der Bestimmende in meinem Leben sein. Und nun gibt es Sachen die uns daran hindert und Sachen die uns helfen um dieses Bekenntnis auszuleben. Und das geht dieses Gebet an. Nimm alles mir, was mich hindert zu dir. Was hindert dich in deinem Leben mit Gott? Das können vergangene Erfahrungen sein, Ängste, schlechte Vorbilder, eigener Stolz, das Streben sich zu verwirklichen. Und die Frage ist bin ich bereit das anzugehen? Und dann gibt es die Sache die wir brauchen von Gott. Gib alles mir, was mich führt zu dir. Hast du schon mal überlegt was du von Gott brauchst? Was du brauchst um begeistertet von ihm zu sein? Hingabe kommt nicht einfach so und soll auch nicht einfach so bekannt werden, weil sich das halt gehört. Es ist eine Reaktion auf Gottes Wirken und wir brauchen das immer wieder in unserem Leben. Und so ist in dem Bekenntnis eine Bitte mit drin: Gott gib was ich brauche auch wenn ich es vielleicht gar nicht so spüre. Gott ist ein gebender Gott und will sich und muss sich uns zeigen. Und dann endet es mit einem Versprechen: Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir. Hier bin ich. Ich bin bereit. Ich folge dir nach. Ich bin Teil deiner Mannschaft. Ich will deine Bewegung voranbringen. Ich will mich gebrauchen lassen. Ist das ein Versprechen das du Gott geben willst? Ich habe so den Eindruck, dass uns dieses Gebet durch dieses Jahr leiten soll. Ich glaube, dass dies ein Gebet für uns ist. Ein Gebet auf das wir immer wieder blicken. Ein Gebet, das du immer wieder mit Gott durchdenkst und ihn fragst was das für dich bedeuten kann. Ein Gebet, das die Dinge angeht, die uns hindert in unserem Glaubensleben. Ein Gebet über die Dinge, die uns fördern in unserem Glaubensleben. Und ein Versprechen für Gott verfügbar zu sein.

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Städtegebet Essen

Ich war vorgewarnt. Wie sagte doch Hagen Rether über Essen: „Wenn so Essen aussieht, wie sieht dann erst kotzen aus.“ Nicht das ich Hagen Rether glauben würde, aber Essen hat nun nicht den Ruf ein Schmuckkästchen zu sein. Als es mich vor ein paar Wochen dann in der Nähe des Ruhrgebiet verschlagen hatte, wollte ich mir die Kulturhauptstadt 2010 nicht entgehen lassen. Nun nehmen an der „RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europa“ alle Städte des Ruhrgebietes teil, also Alpen, Bergkamen, Bochum, Bönen, Bottrop, Breckerfeld, Castrop-Rauxel, Datteln, Dinslaken, Dorsten, Dortmund, Duisburg, Ennepetal, Erkenschwick, Essen, Fröndenberg, Gelsenkirchen, Gevelsberg, Gladbeck, Hagen, Haltern am See, Hamm, Hamminkeln, Hattingen, Heiligenhaus, Herdecke, Herne, Herten, Holzwickede, Hünxe, Kamen, Kamp-Lintfort, Marl, Moers, Mülheim an der Ruhr, Neukirchen-Vluyn, Oberhausen, Recklinghausen, Rheinberg, Schermbeck, Schwelm, Schwerte, Selm, Sonsbeck, Sprockhövel, Unna, Voerde, Waltrop, Werne, Wesel, Wetter, Witten, Xanten. Ich hatte also die große Auswahl bei einem einzigen zur Verfügung stehenden Tag. Ich entschied mich spontan für Essen. Warum? – Ich kann es nicht genau sagen. Irgendwie hat sie mich angezogen.

Meine erste Station in Essen war die Zeche Zollverein. Die Zeche Zollverein war ein von 1847 bis 1986 aktives Steinkohlebergwerk. Heute ist sie ein Industriedenkmal   und gehört gemeinsam mit der unmittelbar benachbarten Kokerei Zollverein zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Sonne scheint wunderschön an diesem Tag und ich sehe zum ersten Mal in meinem Leben eine Zeche. Ich laufe auf dem weiträumigen Gelände dieser Industrieruine und versuche mir den geschäftigen Betrieb vorzustellen. Über 100 Jahre arbeiteten hier tausende von Menschen und förderten Kohle. Nun ist es ruhig. Die Ressourcen der Natur sind endlich! Essen war mit einem wichtigen Rohstoff gesegnet und hat davon profitiert. Nun muss es ohne zurecht kommen. Die Zeche Zollverein ist daher ein nachdenklicher Ort.

Danach machte ich mich auf in die Innensadt. Mit einer Bekannten lief ich betend durch die Ruhr- Metropole. Fragen gingen mir durch den Kopf: Wie muss es Essen wohl nach dem Niedergang des Bergbaus ergangen sein? Viele werden sich die Frage nach der Zukunftsfähigkeit gestellt haben. Während ich noch nachdenke sehe ich auf einem großen Platz einige hundert Kinder. Essen veranstaltete an diesem Tag ein buntes Kinderfest. Luftballons steigen in den Himmel auf. Und während junge Künstler ihre Talente zeigen festigt sich in mir die Hoffnung, dass wer für Kinder da ist, Zukunft hat!

Wir laufen weiter und besichtigen ein paar Kirchen. In der evangelischen Kirche verweilen wir ein wenig. Einige Christen haben sich zum Innehalten versammelt. „Zeit des Meisters“ nennen sie ihr Treffen – ein Angebot für spirituell Kreative. Ein offener sakraler Raum mitten in der Stadt, mitten im Leben, oder auch auffindbar am Rand der Stadt. Ein Erfahrungsraum für Gebet, Meditation und Stille. Eine Kirche, eine Kapelle, die ein Dach für die Seele bietet. Ein Ort, der eine Insel der Ruhe ist. Gelegenheit, innezuhalten, nach innen zu sehen, Heiligem nachzuspüren. Einfach herrlich – die Atmosphäre!

An Hagen Rethers Witz muss ich schon lange nicht mehr denken. Ich bin überrascht von Essen. Multi-Kulti, Künstler, Bettler, spirituell Kreative, Reiche – unterschiedlichste Menschen nehme ich hier wahr und spüre, dass Essen bei allen Herausforderungen in die Zukunft blickt.

Unsere letzte Station führte mich zur Villa Hügel. Man glaubt gar nicht mehr in Essen zu sein. Mitten im Grünen ließ Alfred Krupp 1873, das heute ehemalige Wohn- und Repräsentationshaus der Industriellenfamilie Krupp errichten. Die Villa hat 269 Räume, 8100 m² Wohn- und Nutzfläche und liegt in einem 28 Hektar großen Park an einer wunderschönen Stelle. Die Bezeichnung Villa halte ich für deutlich untertrieben. Was sich hier meinen Augen zeigt ist eine Schloßanlage. Die Industriellen waren die Könige der Neuzeit und leisteten sich ähnliche Prunkbauten. Ich bin wieder mal geplättet von den gigantischen Ausmaßen eines Hauses, das für die Krupps schlicht ihre Wohnung war. Wer’s hat.

Städtegebet: Bad Kissingen

Die Prüfungen meiner Frau brachten mich im Sommer mehrmals in die Kurstadt Bad Kissingen. Während meine Frau sich auf die finalen Leistungsnachweise vorbereitete, um sich schließlich dem Urteil der Prüfer zu stellen, zitterte ich von außen mit und vergnügte mich im bekanntesten Kurort Deutschland. Seine Heilquellen machten die kleine Stadt mit aktuell ca. 21 000 Einwohnern (inklussive Eingemeindungen) schon früh bekannt. Der erste nachweisbare Kurgast wurde schon 1520 verzeichnet. Im 19. Jahrhundert avancierte Kissingen zum mondänen Badeort und wurde in der Regierungszeit Ludwigs I. von Bayern gezielt ausgebaut. Gekrönte Häupter trugen sich in die Gästeliste ein darunter. Zar Alexander II., König Ludwig II. von Bayern und allen voran Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sissi) ruhte sich hier aus. Sie werden gewusst haben wieso. Heute zählt Bad Kissingen etwa 1,5 Millionen Übernachtungen bei 220.000 Gästen pro Jahr. Das kann sich sehen lassen und prägt das Stadtbild, denn an den Kurgästen kommt man hier nicht vorbei. Man hatte mich vorgewarnt: „Wenn du dich alt fühlst, dann geh nach Bad Kissingen und du fühlst dich wieder jung.“ Da ich mich nun noch nicht alt fühle kann ich den Wahrheitsgehalt dieser These weder bestätigen noch widerlegen. Doch ganz so „alt“ ist Bad Kissingen nicht, wie so manche Stimme ironisch anmerkt. Während ich durch die schöne Innenstadt laufe begegnen mir viele Jugendliche und auch eine Schulklasse, die sich gerade auf ihrem Ausflug befinden. Zu ihren Leidwesen mussten die Schüler das übliche (warum die Lehrer das nur so lieben müssen?) Stadtfragespiel machen. Ein Zettel mit 10 Fragen zu Bad Kissingen. Und so gingen die Schüler, teils lustlos, teils schüchtern und teils sogar motiviert auf Menschen zu, um sie zu bitten, ihnen bei der Beantwortung der Fragen zu helfen. Das klappt normalerweise immer, denn schließlich mussten die Befragte als Schüler selbst diesselben Spielchen mitmachen und waren schon damals froh, wenn Einheimsche ihnen die Lösung verrieten. Doch in Bad Kissingen gestaltete sich das schwieriger, denn 5/6 der Passanten mussten die Schüler mit der Bemerkung: „Entschuldigung, wir sind auch nicht von hier“ enttäuschen.

Auch wenn die Prominenz heute nicht mehr als Kurgäste nach Bad Kissingen kommt, sondern als Showact, von einem der kaum zu überblickenden künstlerischen Angebote, so ist was übrig geblieben vom mondänen Badeort. Der Arkadenbau, der riesige Kurpark, das Luipold- Spielcasino und viele herrschaftliche Häuser zeugen vom Reichtum der Stadt und wollen mir wohl deutlich machen: Das ist nicht irgendein Kurort! Irgendwie fühle ich mich mit meinem klammen Geldbeutel hier im Kurzentrum fehl am Platz. Krankenhäuser, die ich eher als Villen/Schloßanlagen identifiziert hätte und die ganzen Juweliere… Noch nie in einer Stadt solcher Größe so viele Schmuckläden gesehen.

Kurstädte sind Städte der Hoffnung. Hierher kommen Menschen mit großen Erwartungen. Sie haben meist das gröbste ihrer langwierigen Krankheit überstanden und müssen sich nun an die neuen Lebensverhältnisse gewöhnen. Hierher kommen Menschen mit großen Wünschen. Diese sind, dass sie danach wieder normal in den Alltag einsteigen können; dass sie wieder ganz gesund werden; dass ihr Körper wieder funktioniert wie früher. Das ist hier überall zu spüren. Als ich durch den wunderschön angelegten Kurpark laufe, gefühlt als einziger ohne Einschränkung, blicke ich in kämpferische und hoffnungsvolle Gesichter, die mir sagen: „Es wird besser werden, schau heute bin ich schon so weit gegkommen.“ Und ich werde erinnernt, dass auch ich mal alt werde und … Weiter will ich mir dazu keine Gedanken machen. Viel lieber bete ich für die Menschen, dass sich ihre Hoffnungen erfüllen und sie Frieden finden, einen starken inneren Frieden, der unabhängig vom weiteren Krankheitsverlauf sie durchträgt; einen Frieden, den ihnen nur Gott geben kann.

Glaube begegnet mir hier, und das hätte ich nicht gedacht, auf Schritt und Tritt. Während ich mich im Kurgarten befinde lausche ich einem Chor, der spirituelle Lieder singt. In der Innenstadt haben sich die Zeugen Jehowas positioniert und bieten wir ganz unaufdringlich ihre „Wachtürme“ an. Beim Weitergehen bleibt mein Blick beim Schaufenster einer Apotheke hängen. Nicht Medizin wird hier beworben, sondern ich lese von Maria. Das gesamte Schaufenster vollgeklebt mit Maria. Wo es um Hoffnung geht, da sind die Religionen und Weltanschauungen nicht weit. Ich bin da nicht anders. Ich bete für die Stadt und wünsche, dass viele hier Gesundheit finden – und auch ihren Glauben an Jesus.

Gott sagt nichts

Der Mensch tendiert dazu zu meinen, was gut für ihn ist. Und weil er das meint, weiß er auch, was Gott zu tun hat. Doch der spielt das Spiel nicht mit, weil er wirklich weiß was gut für uns ist. Gut so!

Pete Greig berichtet: „Später fragte meine Frau mich, was Gott mir gesagt hatte, und ich erwiederte: ‚Nichts‘. Gott sagte nichts, und das ist okay, weil ich wieder anfange, um seine Gegenwart zu kämpfen, und ich habe das Gefühl, dass Gott darauf wartet und sehen will, ob ich warte. Wenn er jetzt mit Antworten gekommen wäre und den nächsten Abschnitt gezeigt hätte, wäre ich immer noch derselbe. Und ich hätte nicht gelernt zu warten und zu vertrauen, auch ohne die Antworten, ohne einen genauen Plan für die Zukunft. Ich bin sogar irgendwie froh, dass Gott geschwiegen hat, weil ich wirklich warten will; und das möchte ich Gott auch beweisen. Ich will nicht mehr unbedingt alles nur leicht und sofort haben.“ Pete Greig in Red Moon Rising, S.40-41.

Fürbitte und Schmerz

„Meine Schwester leidet an Anorexie. Sie ist 26 Jahre alt und wiegt nur noch 32 kilo. Die Anorexie  hat sie so verschlimmert, dass sie nun auch unter Arthritis leidet. Sie kann sich nicht einmal mehr selbst anziehen oder die Finger strecken. Außerdem hat sie wahrscheinlich Diabetes bekommen und kommt zwanzig Jahre früher als normal in die Wechseljahre. Sie ist keine Christin. Sie hat alles verloren: ihre Weiblichkeit, ihre Zukunft, ihre Würde, ihr Leben.

Ich bin hier, um euch zu bekennen: Ich bete nicht einmal für sie. Ich frage mich immer wieder: Warum nicht? Ist es mir egal? Nein, das ist es nicht. Glaube ich, dass Gebet etwas bewirken kann? Ja, natürlich. der Grund, warum ich nicht für meine Schwester bete, ist der, dass es mir einfach zu wehtut. Für sie zu beten bedeutet, über ihre Situation nachzudenken. Es bedeutet, sich mit ihr zu identifizieren und ihren Schmerz zu empfinden. Deshalb finde ich es einfacher, die ganze Sache zu vergessen und so zu tun, als ob nichts passiert wäre. Aber Gott hat mich vor die Herausforderung gestellt, den Schmerz meiner Schwester zu spüren, weil das bedeutet, wirklich fü sie in die Fürbitte einzutreten. Ich glaube außerdem, dass Gott uns als Bewegung junger Leute herausfordert, den Schmerz um und herum zu spüren. Dass wir nicht mehr aus der bequemen Position unserer eigenen Errettung für Menschen beten, sondern mit ihnen aus der Not heraus vor Gott treten.

Hier ist meine Frage: Wollen wir zulassen, dass die Dinge, die Gott das Herz brechen, auch uns das Herz brechen? Das wird noch mehr Tränen bedeuten, noch mehr Hinhören. Es könnte sogar der Grund sein, warum so viele von uns mit ihren persönlichen Problemen zu kämpfen haben – Gott lässt zu, dass wir den Schmerz fühlen, dass wir schwach und zerbrochen sind, damit unsere Gebete Wirkung haben. Fürbitte bedeutet, dass wir für die Erdbebenopfer beten, die jetzt in den Nachrichten sind, für Magersüchtige, Drogensüchtige, Menschen, die sexuell missbraucht werden, unsere Freunde, die Jesus noch nicht kennen. Gott sagt, dass wir einen Durchbruch erleben, dass unsere Gebete eine ganz andere Wirkung zeigen, wenn wir so in die Bresche springen und so den Abgrund zwischen einer leidenden Generation und einem heilenden Gott überbrücken. Lange Rede, kurzer Sinn: In diesen Schmerzen liegt sehr große Kraft.

Das klingt hart, oder? Man erzählt uns so oft, dass wir Jesus vertrauen sollen, damit er uns ein sorgenfreies Leben schenkt. aber was, wenn die Aufforderung zum Gebet nicht nur bedeutet, dass wir gesegnet werden, sondern auch, dass wir bluten? Vielleicht gehen uns im Gebet die Worte aus, und wir können uns nur dem Heiligen Geist mit seinem ‚unaussprechlichen Seufzen‘ anschließen. Vielleicht wird uns unsere Leidenschaft verzehren, bis wir unsere Gebete tatsächlich ausleben und in die Tat umsetzen Wollt ihr dieses Kreuz trage? Seid ihr dazu in der Lage?“

(Geschichte aufgeschrieben von Pete Greig in Red Moon Rising, S.167-169)

Gebet und Mission

Ein Grund, warum ich die 24-7 Prayer Gebetsbewegung genial finde, ist die Verbindung von Gebet und Mission, bzw. das sie diese nicht trennen. Und damit etwas vereinen, dass nicht getrennt werden sollte.

„Vielleicht dreht es sich beim Gebet genau darum. Eine Minute kniet man in stillem Gebet, in der nächsten neben einem bewusstlosen Mädchen; einen Tag spricht man mit Gott über Menschen, am nächsten mit Menschen über Gott. Diese Mischung von intensiven Gottesbegegnungen und praktischem Engagement für eine Not leidende Welt ist genau das: in der Fürbitte für andere Menschen einzutreten.“

Pete Greig, in Red Moon Rising, S. 239.

Leidenschaft fürs Gebet wecken – 24/7

Eine sehr faszinierende Bewegung die ich (ein wenig) kenne ist 24/7. 24/7 ist eine Gebetsbewegeng auf England die mittlerweile in vielen Teilen der Welt aktiv ist. Angefangen haben sie mit Gebetsräumen in den 24h am Tag gebetet werden kann. Besonders daran ist der kreative Zugang zum Gebet. Die Menschen, die ich kennengelernt habe und die sich zu 24/7 dazugehörig fühlen haben alle ein Herz für Gebet, wobei sie sich nicht alle als Beter bezeichnen. Manchen fällt es nicht immer leicht zu beten, weshalb sie kreative Wege gesucht und gefunden haben ihre Gebetszeiten zu gestalten.

Spannend ist weiter, wie sich die Gebetsbewegung entwickelt hat: von der Gestaltung und Durchführung von Gebetsräumen hin zu prayer – mission – justice (Gebet – Mission – Gerechtigkeit). Es blieb nicht beim Beten, sondern aus den Leuten, die die Gebetsräume veranstaltet haben sind z.T. Lebensgemeinschaften entstanden, die sich sozial engagieren. Gebet und gelebte Nächstenliebe, Gebet und konkrete Nachfolge werden als Einheit verstanden. Das momentan bekannteste Projekt ist auf Ibiza. Ein Dienst unter den Urlaubern und Promotionarbeiten dort.

P.S. Ich habe schon tolle Websites von Organisationen gesehen und als ich die Leute  kennengelernt habe musste ich erkennen, dass real die Erwartungen, die die Website vermuten lies nicht erfüllen konnten. Wer momentan auf die Website von 24/7 Deutschland geht sollte sich nicht täuschen lassen. Zur Zeit ist sie fast „tot“, doch real lebt die Bewegung mit genialen Projekten und Menschen.