Fürbitte und Schmerz

„Meine Schwester leidet an Anorexie. Sie ist 26 Jahre alt und wiegt nur noch 32 kilo. Die Anorexie  hat sie so verschlimmert, dass sie nun auch unter Arthritis leidet. Sie kann sich nicht einmal mehr selbst anziehen oder die Finger strecken. Außerdem hat sie wahrscheinlich Diabetes bekommen und kommt zwanzig Jahre früher als normal in die Wechseljahre. Sie ist keine Christin. Sie hat alles verloren: ihre Weiblichkeit, ihre Zukunft, ihre Würde, ihr Leben.

Ich bin hier, um euch zu bekennen: Ich bete nicht einmal für sie. Ich frage mich immer wieder: Warum nicht? Ist es mir egal? Nein, das ist es nicht. Glaube ich, dass Gebet etwas bewirken kann? Ja, natürlich. der Grund, warum ich nicht für meine Schwester bete, ist der, dass es mir einfach zu wehtut. Für sie zu beten bedeutet, über ihre Situation nachzudenken. Es bedeutet, sich mit ihr zu identifizieren und ihren Schmerz zu empfinden. Deshalb finde ich es einfacher, die ganze Sache zu vergessen und so zu tun, als ob nichts passiert wäre. Aber Gott hat mich vor die Herausforderung gestellt, den Schmerz meiner Schwester zu spüren, weil das bedeutet, wirklich fü sie in die Fürbitte einzutreten. Ich glaube außerdem, dass Gott uns als Bewegung junger Leute herausfordert, den Schmerz um und herum zu spüren. Dass wir nicht mehr aus der bequemen Position unserer eigenen Errettung für Menschen beten, sondern mit ihnen aus der Not heraus vor Gott treten.

Hier ist meine Frage: Wollen wir zulassen, dass die Dinge, die Gott das Herz brechen, auch uns das Herz brechen? Das wird noch mehr Tränen bedeuten, noch mehr Hinhören. Es könnte sogar der Grund sein, warum so viele von uns mit ihren persönlichen Problemen zu kämpfen haben – Gott lässt zu, dass wir den Schmerz fühlen, dass wir schwach und zerbrochen sind, damit unsere Gebete Wirkung haben. Fürbitte bedeutet, dass wir für die Erdbebenopfer beten, die jetzt in den Nachrichten sind, für Magersüchtige, Drogensüchtige, Menschen, die sexuell missbraucht werden, unsere Freunde, die Jesus noch nicht kennen. Gott sagt, dass wir einen Durchbruch erleben, dass unsere Gebete eine ganz andere Wirkung zeigen, wenn wir so in die Bresche springen und so den Abgrund zwischen einer leidenden Generation und einem heilenden Gott überbrücken. Lange Rede, kurzer Sinn: In diesen Schmerzen liegt sehr große Kraft.

Das klingt hart, oder? Man erzählt uns so oft, dass wir Jesus vertrauen sollen, damit er uns ein sorgenfreies Leben schenkt. aber was, wenn die Aufforderung zum Gebet nicht nur bedeutet, dass wir gesegnet werden, sondern auch, dass wir bluten? Vielleicht gehen uns im Gebet die Worte aus, und wir können uns nur dem Heiligen Geist mit seinem ‚unaussprechlichen Seufzen‘ anschließen. Vielleicht wird uns unsere Leidenschaft verzehren, bis wir unsere Gebete tatsächlich ausleben und in die Tat umsetzen Wollt ihr dieses Kreuz trage? Seid ihr dazu in der Lage?“

(Geschichte aufgeschrieben von Pete Greig in Red Moon Rising, S.167-169)

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Gebet und Mission

Ein Grund, warum ich die 24-7 Prayer Gebetsbewegung genial finde, ist die Verbindung von Gebet und Mission, bzw. das sie diese nicht trennen. Und damit etwas vereinen, dass nicht getrennt werden sollte.

„Vielleicht dreht es sich beim Gebet genau darum. Eine Minute kniet man in stillem Gebet, in der nächsten neben einem bewusstlosen Mädchen; einen Tag spricht man mit Gott über Menschen, am nächsten mit Menschen über Gott. Diese Mischung von intensiven Gottesbegegnungen und praktischem Engagement für eine Not leidende Welt ist genau das: in der Fürbitte für andere Menschen einzutreten.“

Pete Greig, in Red Moon Rising, S. 239.

Leidenschaft fürs Gebet wecken – 24/7

Eine sehr faszinierende Bewegung die ich (ein wenig) kenne ist 24/7. 24/7 ist eine Gebetsbewegeng auf England die mittlerweile in vielen Teilen der Welt aktiv ist. Angefangen haben sie mit Gebetsräumen in den 24h am Tag gebetet werden kann. Besonders daran ist der kreative Zugang zum Gebet. Die Menschen, die ich kennengelernt habe und die sich zu 24/7 dazugehörig fühlen haben alle ein Herz für Gebet, wobei sie sich nicht alle als Beter bezeichnen. Manchen fällt es nicht immer leicht zu beten, weshalb sie kreative Wege gesucht und gefunden haben ihre Gebetszeiten zu gestalten.

Spannend ist weiter, wie sich die Gebetsbewegung entwickelt hat: von der Gestaltung und Durchführung von Gebetsräumen hin zu prayer – mission – justice (Gebet – Mission – Gerechtigkeit). Es blieb nicht beim Beten, sondern aus den Leuten, die die Gebetsräume veranstaltet haben sind z.T. Lebensgemeinschaften entstanden, die sich sozial engagieren. Gebet und gelebte Nächstenliebe, Gebet und konkrete Nachfolge werden als Einheit verstanden. Das momentan bekannteste Projekt ist auf Ibiza. Ein Dienst unter den Urlaubern und Promotionarbeiten dort.

P.S. Ich habe schon tolle Websites von Organisationen gesehen und als ich die Leute  kennengelernt habe musste ich erkennen, dass real die Erwartungen, die die Website vermuten lies nicht erfüllen konnten. Wer momentan auf die Website von 24/7 Deutschland geht sollte sich nicht täuschen lassen. Zur Zeit ist sie fast „tot“, doch real lebt die Bewegung mit genialen Projekten und Menschen.