Konferenz!?

conference-281922_7776Ich war neulich wieder mal auf einer christlichen Konferenz. Erst Ende letzten Jahres habe ich mich nach langen wieder auf dieses Parkett gewagt. Hier habe ich davon berichtet. Diesmal blieb ich sogar einen ganzen Tag und es hat sich gelohnt. Ich hatte ein paar gute Spots und Gespräche mit interessanten Menschen. Des weiteren hatte die Konferenz sehr gute Elemente. Doch insgesamt merkte ich wieder einmal, dass die gesamte Aufmachung überhaupt nicht mein Stil ist. Ich gehöre wohl zu einer anderen, neuen Generation, die mit der reinen Programmorientiertheit nicht so viel anfangen kann. Und so muss es mit mir noch ganz vielen gehen, denn schließlich war die Zahl der in meinem Alter Anwesenden nahe Null. Wieder mal fragten sich die Veranstalter, warum den so wenige junge Erwachsene kamen und drückten ihr Bedauern darüber aus. „Man hätte mich ja mal nach den Gründen fragen können oder nach meinen Befinden“, dachte ich. Das hat man natürlich nicht gemacht, aber man kennt mich ja auch nicht… Tja, im Mittelpunkt steht das Programm und die Bühne. Mein Wunsch und Anliegen dagegen war es Menschen zu treffen, sich mit ihnen auszutauschen wie sie ihre Beziehung mit Jesus leben, wie sie beten, wofür ihr Herz schlägt… Doch dafür ist kaum Raum im Programm noch bei den Teilnehmern selbst. Am einfachsten konnte man tatsächlich mit den Menschen, die einen Stand hatten, ins Gespräch kommen. Die wollten r ihre Arbeit präsentieren und waren auf Gespräche eingestellt. Und der Rest? Symptomatisch war eine Begegnung mit einem Mitverantwortlichen. Nachmittags traf man sich in kleinen Themengruppen und er moderierte dieses Treffen in genialer Art und Weise. Nach dem Treffen ging ich auf ihn zu und gab ihm mein Feedback und wollte mit ihm ins Gespräch kommen. Nach meinen ersten Sätzen und seinem Kommentar dazu, beendete er auch sofort das Gespräch mit den Worten: „Dann wünsch ich ihnen noch eine schöne Konferenz!“ Ich dachte mir nur: „Wenn wir uns jetzt cool weiter unterhalten würden, wäre sie sogar „schön“ geworden!“ In diesem Sinne freue ich mich schon auf das nächste Delta-Treffen. Dort kann ich mich in entspannter Atmosphäre mit Menschen unterhalten und mich durch die Gespräche inspirieren lassen und gleichzeitig gute, befähigende Gedanken mitnehmen.

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Wacht auf!

Ich habe es getan. Nach Jahren bewusster Abstinenz spürte ich, dass es mal wieder dran war. Ich wollte spüren und fühlen. Über Jahre habe ich es geliebt und es hat mir viel gegeben nun aber ist es einfach nicht mehr mein Style – ich war auf einer „typischen“ christlichen Konferenz. Da ich mir aber nicht gleich zu viel zumuten lassen wollte, habe ich mal mit einem Abend angefangen. Die ganze Sache hat sich eigentlich recht spontan ereignet und irgendwie wollte ich die mir bietende Gelegenheit nicht verpassen. Also fuhr ich mit einem guten Bekannten dort hin. Die Veranstalter versprachen mir mich „upzuwaken“ und ich war gespannt wie sie das anzustellen versuchten, wobei ich es mir ehrlich gesagt schon denken konnte. Also viel Überraschendes passierte dann auch nicht. Wir kamen in die extra dafür angemietete Stadthalle, etwas verspätetet und zu meiner Verwunderung schienen wir Gefahr zu laufen keinen Sitzplatz mehr zu bekommen. Hätte nicht gedacht, dass sich so viele junge Leute anlocken lassen. Den Auftakt – ein mir nichtssagendes Drama – sahen wir uns im Stehen an, ehe wir auf unserer Sitzplatzsuche doch noch erfolgreich waren. Nach dem anfänglichen Geplänkel aus Begrüßung und Ansagen kamen die Berichte von den natürlich obergenial gelaufen Workshops, einer davon Evangelisation. Meine Güte, dachte ich nur, warum setzen die das gelernte immer gleich um? Ist Straßenevangelisation wirklich so clever? Während ich noch nachdachte kam auch schon das Worshipteam auf die Bühne. Doch zuvor wurde noch ein Opfer eingesammelt und ich sollte mich wirklich frei fühlen nichts zu geben. Allerdings sollte ich mir diese Freiheit erst noch vom Herrn persönlich genehmigen lassen. Der musste an diesem Abend recht nachsichtig mit dem Tasschengeld der Jugendlichen gewesen sein, denn ein metalliges Klappern breitete sich im Saal aus und als der Eimer schließlich bei mir in der fast letzten Reihe ankam wog er ziemlich schwer. Doch nun sollte es, wie schon angedeutet, endlich zum Lobpreis kommen. Bis es so weit war wurde noch der heutige Sprecher vorgestellt. Er wurde extra auf England eingeflogen, ist dort Leader eine großen Jugendbewegung. Und das wir auch wirklich glaubten, dass diese Jugendbewegung groß ist und überhaupt Gott diesen Mann super mächtig gebraucht, wurden uns noch drei beeindruckende Zahlen geliefert. Erfurcht verbreitete sich im Saal. Was mich zum Gedanken brachte zu überlegen, was eigentlich Erfolg ist und ob die gelieferten Zahlen wirklich im Sinne Gottes reiche Frucht sind. Warum immer dieses spielen mit den Zahlen? Würde man auch jemand wie mich einladen, der keine beeindruckenden Zahlen vorweisen kann? Nein, ich bin nicht neidisch. Ist mir nur aufgefallen. Endlich nun Lobpreis, nach zwei anfänglichen Party-Jesus-Liedern, die ich ehrlich gesagt richtig toll fand folgte der ernstere Part. Wir sollte Jesus sagen was er uns bedeutet. So weit so gut. Die Texte der folgenden Lieder waren wenn man es genau nimmt immer die gleichen: Jesus du bist alles für mich. Du allein bist genug. Mehr von dir, denn nichts brauche ich mehr als mehr von dich! Ich checkte aus. Bei solchen Texten kann ich einfach nicht mehr mit. Warum? Ich halte sie für Unsinn. Ich sang diese Texte früher selbst voller Leidenschaft und sie führten den eh schon einsamen Martin noch mehr in die Einsamkeit. Ich brauche doch nur Jesus! Warum Freunde? Warum Parties? Warum Gemeinschaft? Warum sich von Menschen helfen lassen?… Nun kannst du mir vorwerfen ich habe die Texte missverstanden. Doch was suggerieren sie? Ich brauche Jesus, ja. Er ist der Chef, ja. Doch will er wirklich alles sein? Will er, dass ich nur ihn brauche? Dass wenn es klemmt ich immer nur zu ihm geh? Ich glaube, dass Jesus ein Freund des Lebens ist und alles was das Leben schön und lebenswert macht, er auch will. Ich brauche ihn (Jesus), genauso wie ich vieles andere in meinem Leben brauche und meistens auch davon mehr. Jede Lobpreiszeit hat ein Ende, so auch diese und nun kam der Engländer. Einfach herrlich dieses Englisch! John, lass uns ihn mal so nennen, der extra aus England … (ihr wisst schon wer) Redner erzählte mir von der knechtenden Sünde. Dies machte er auch anständig und didaktisch einwandfrei. Wobei er nicht drei Punkte hatte, sondern deren vier. Der vierte, wie ich fand auch der gewichtigste, musste wohl aus Zeitgründen stark gekürzt werden. Schade! Sünde ist nun kein angenehmes Thema und als er anfing verschiedene Sünden zu nennen fand ich mich natürlich darin wieder – wie wohl jeder im Raum. Zu viele Christen leben in Gefangenschaft von Sünde anstatt ein Leben in Freiheit zu führen, verdeutlichte er uns. Er hatte auch den Eindruck, dass im Raum ein paar von solchen Christen sind. Obwohl wir Heilige sind, leben viele in Gefangenschaft. Das muss sich ändern und heute war der Tag dafür. Heute sollten Viele in die Freiheit geführt werden! Doch geht das so einfach? Nach der Predigt nach vorne gehen, für sich beten lassen und frei? Ich bin mir da nicht so sicher. Was heißt eigentlich Gefangenschaft? Wann bin ich gefangen? Wann frei? Wie gehe ich konkret mit Sünde um? Diese Fragen wurden leider nicht beantwortetet. Ich weiß, man kann nicht alles in eine knappe Predigt packen, dennoch hätte ich mir mehr alltagsrelevante Hilfestellung gewünscht… Viele folgten Johns Aufruf, um für sich beten zu lassen. Die Stimmung stieg und bei den abschließenden Liedern bebte der Saal. Eine neue Aufbruchsstimmung entstand und zeigte sich an der Begeisterung der Teens. Der Abend neigte sich zu Ende. Das letzte Gebet wurde gesprochen. Ich hatte meine Konferenzerfahrung. Die Versammlung löste sich sehr schnell auf und nach mehreren Minuten konnte ich nur noch vereinzelt Leute in der Halle sehen.

Übrigens: Nach dem offiziellen Ende beobachtete ich noch das Lobpreisteam und was ich sah verzückte mich. Einer nahm sein Saxophon, fing an zu spielen, der Schlagzeuger stieg mit ein, gefolgt vom Bassisten und einer genialen Sängerin und es entstand eine improvisierte Jazzsession. Während die Halle sich leerte, geriet mein Herz in Wallung, ich lehnte mich zurück und genoss die Musik. Ich fühlte mich Gott nahe. Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet! Warum spielen die erst nach dem Amen richtig geile Mucke?

Nach der Veranstaltung traf ich noch überraschend einen Studienkollegen. Er fragte mich auch gleich wie ich es den fand. Was sollte ich ihm antworten, schließlich war er im Mitarbeiterteam. Meinen Kommentar, dass solche Konferenzen einfach nicht mein Style sind, verstand er, wobei er auch gleich anmerkte, dass sie ihm als Jugendlichen viel gebracht hatten. In mir reifte der Gedanken, dass es solche Treffen brauchte. Jedoch würde ich sie anders aufziehen. Konkrete, alltagsrelevante Hilfestellung; viel Feiern; Gottes Nähe spüren lernen; nichts erzwingen, nicht pushen; viel Zeit zum Austausch; kreative Formen von Gottesbegegnung; Leben genießen.

Was denkt ihr?