Der Herr ist mein Hirte (Psalm 23,1)

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Du liegst im Bett und wachst auf. Und dann sagst du dir: der Herr ist mein Hirte. Das ist das Erste was du dir sagst. Mit diesem Gedanken beginnst den Tag. Ein Hirte hütet Schafe und seine Schafe folgen ihm. Gott will unser Hiert sein. Indem wir diesen Gedanken aussprechen sagen wir: „Jesus du bist mein Hirte. Jesus ich bin dein Schaf. Heute folge ich dir.“

Tatsache ist, dass wir jeden Tag irgendjemandem nachfolgen. Wir haben alle von irgendjemandem eine Vorstellung bekommen, worum es im Leben geht. Und dem folgen wir. Jeden Tag. Wir sind uns dessen oftmals nicht bewusst. Es können Eltern, Lehrer, Vorbilder, Celebrities sein. Wir haben alle einen inneren Hirten. Doch mit diesem Bekenntnis sagen wir, dass wir Jesus folgen wollen. Er ist der dem wir zuallererst folgen wollen.

Was passiert, wenn wir das Jesus bewusst sagen? Wir richten uns innerlich auf ihn aus. Wir folgen ihm. Und das gilt für heute. Ich erkläre, heute will ich dir folgen. Nicht morgen oder vielleicht übermorgen. Auch nicht: mal schauen wie sich der Tag noch so entwickelt. Nein, heute bist du mein Hirte. Und heute vertraue ich mich dir an. #23challenge

#23challenge

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Mit Psalm 23 durch den Tag (Teil 1)

Wir sind Gewohnheitstiere. Man schätzt, dass wir 80% unseres täglichen Verhaltens an unsere Gewohnheiten delegiert haben. Als Christen stellt sich die Fragen wie sich die Beziehung zu Gott in den alltäglichen Gewohnheiten wiederspiegelt? Eine Möglichkeit Gott ganz einfach in seinen Alltag zu integrieren ist die #23challenge: mit dem Psalm 23 durch den Tag.

Morgens im Bett:

 

 

 

 

 

Morgens im Bad:

 

 

 

 

 

Zum Frühstück:

 

 

 

 

 

Auf dem Weg zur Arbeit:

 

 

 

 

 

Diese Übung kosten uns lediglich ein paar kurze Momente durch den Tag. Ich lade dich ein, es mal auszuprobieren.Mehr Infos zu #23challenge findest du hier.

Bruder Klaus und sein Gebet

20160906_142721Letzten Herbst fahre ich durch die Innerschweiz als mir ein Wegweiser auffällt. Rechts geht es ab zum Flueli. „Flueli?“ geht es mir durch den Kopf „es gibt noch ein Flueli?“. Zur Erklärung muss ich anfügen, dass ich Deutscher bin und erst knapp 2 Jahren in der Schweiz lebe und sich meine Gemeinde, bei der ich angestellt bin, in Steffisburg im Flühli-Quartier befindet. Und so kam es, dass ich aus reiner Neugier auf meiner Rückfahrt mir das andere Flueli anschaute. Ich hatte nicht geahnt, dass es sich um einen bekannten Pilgerort handelte. Niklaus von Flüe, später Bruder Klaus genannt, hat dort gelebt und gewirkt. Und seitdem habe ich mich mit Bruder Klaus beschäftigt. Ziemlich passend, denn dieses Jahr wird der 600. Geburtstag von ihm gefeiert. Bruder Klaus führte ein intensives Gebetsleben mit dem Schwerpunkt seiner Betrachtung und die Vertiefung in das Leiden Christi. Nach der Überlieferung soll Niklaus von Flüe diese Verse täglich gebetet haben:

Mein Herr und mein Gott,

nimm alles mir,

was mich hindert zu dir.

 

Mein Herr und mein Gott,

gib alles mir,

was mich führet zu dir.

 

Mein Herr und mein Gott,

nimm mich mir

und gib mich ganz zu eigen dir

20161015_103119Dieses Gebet ist ein Statement, ein Bekenntnis. Ein starkes Bekenntnis und eine klare Ansage. Es bringt erstmal zum Ausdruck wer Herr im Leben ist. „Mein Herr und mein Gott“ – so wird Gott hier angesprochen. Wie sprichst du Gott an? Gott als Zentrum als die Mitte von der aus Leben gestaltet wird. Gott als Bestimmer, als Regisseur. Und er hat das jeden Tag gebetet und ich lade uns ein ihm das gleich zu tun und auszudrücken: Heute bist du wieder mein Herr und mein Gott; Herr über meine Gedanken, Herr über meine Gefühle, der Herr über meinen Besitz, der Herr über meine Taten. Er will und soll der Bestimmende in meinem Leben sein. Und nun gibt es Sachen die uns daran hindert und Sachen die uns helfen um dieses Bekenntnis auszuleben. Und das geht dieses Gebet an. Nimm alles mir, was mich hindert zu dir. Was hindert dich in deinem Leben mit Gott? Das können vergangene Erfahrungen sein, Ängste, schlechte Vorbilder, eigener Stolz, das Streben sich zu verwirklichen. Und die Frage ist bin ich bereit das anzugehen? Und dann gibt es die Sache die wir brauchen von Gott. Gib alles mir, was mich führt zu dir. Hast du schon mal überlegt was du von Gott brauchst? Was du brauchst um begeistertet von ihm zu sein? Hingabe kommt nicht einfach so und soll auch nicht einfach so bekannt werden, weil sich das halt gehört. Es ist eine Reaktion auf Gottes Wirken und wir brauchen das immer wieder in unserem Leben. Und so ist in dem Bekenntnis eine Bitte mit drin: Gott gib was ich brauche auch wenn ich es vielleicht gar nicht so spüre. Gott ist ein gebender Gott und will sich und muss sich uns zeigen. Und dann endet es mit einem Versprechen: Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir. Hier bin ich. Ich bin bereit. Ich folge dir nach. Ich bin Teil deiner Mannschaft. Ich will deine Bewegung voranbringen. Ich will mich gebrauchen lassen. Ist das ein Versprechen das du Gott geben willst? Ich habe so den Eindruck, dass uns dieses Gebet durch dieses Jahr leiten soll. Ich glaube, dass dies ein Gebet für uns ist. Ein Gebet auf das wir immer wieder blicken. Ein Gebet, das du immer wieder mit Gott durchdenkst und ihn fragst was das für dich bedeuten kann. Ein Gebet, das die Dinge angeht, die uns hindert in unserem Glaubensleben. Ein Gebet über die Dinge, die uns fördern in unserem Glaubensleben. Und ein Versprechen für Gott verfügbar zu sein.

Fürchte dich nicht!

In der Bibel offenbart sich uns Gott als ein sprechender Gott. Gott geht auf den Menschen zu und spricht ihn an. Das an sich ist schon ein Zeichen von Gottes Wohlwollen für den Menschen. Ich halte es für eine der bedeutenden und wichtigen Offenbarungen über Gott. Die Bibel berichtet nun von vielen Geschehnissen bei den Gott spricht. Und was redet Gott so? Ich habe mir das mal angesehen und festgestellt, dass es eine Formulierung gibt die Gott immer wieder gebraucht. Was glaubt ihr ist das häufigste was Gott wiederholt dem Menschen sagte? Was hatte der dem Menschen am häufigsten zu sagen? Es ist „Fürchte dich nicht“. Wenn wir nachschauen und uns die Gespräche Gottes mit dem Menschen anschauen, dann fällt uns auf wie oft Gott diese drei Worte sagt. „Fürchte dich nicht“.

1Mo 15,1 Nach diesen Geschichten begab sich’s, dass zu Abram das Wort des HERRN kam in einer Offenbarung: Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.

2Kön 1,15 Da sprach der Engel des HERRN zu Elia: Geh mit ihm hinab und fürchte dich nicht vor ihm!

Dan 10,12 Und er sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel; denn von dem ersten Tage an, als du von Herzen begehrtest zu verstehen und anfingst, dich zu demütigen vor deinem Gott, wurden deine Worte erhört, und ich wollte kommen um deiner Worte willen.

Lk 5,10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.

Apg 18,9 Es sprach aber der Herr durch eine Erscheinung in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht!

Ich habe mich nun gefragt warum Gott das so oft gesagt hat. Liegt es etwa an der Vergesslichkeit des Menschen? Aber warum hat der Mensch dann genau das immer wieder vergessen? Musste er es sagen? Weil der Mensch sonst nicht geglaubt hätte das es wirklich Gott ist? Hat er es gerne gesagt? Hätte er es lieber weggelassen? Liegt es etwa daran, dass der Mensch tatsächlich an einen schrecklichen Gott glaubt vor dem er Angst hat? Oder liegt es daran, dass der Mensch vor der Macht Gottes gelähmt wirkt?

In der Bibel fangen viele Begegnungen Gottes mit dem Menschen / Erscheinungen Gottes mit dem gleichen Zuruf an: „Fürchte dich nicht“. Sooft ein Engel oder Gott selbst in das Leben von Menschen einbricht, lauten unvermeidlich die ersten Worte: „Fürchte dich nicht!“ Warum? Weil die Menschen sich immer vor Gott gefürchtet haben – und als Folge davon auch vor sich selbst. Gott war gewöhnlich kein „netter“ Gott und auch die Menschen waren von sich nicht überzeugt „nett“ zu sein. Wenn Gott also auf den Plan trat empfanden das die meisten Menschen nicht als gute Nachricht. Es war eher eine schlechte: Wer muss jetzt sterben? Wer wird jetzt wie bestraft? Welchen Preis muss ich bezahlen?

Es mag uns heute vielleicht überraschen zu erfahren, dass vor der biblischen Offenbarung die Menschheit im Grossen und Ganzen von einem Gott nicht Liebe erwartet. Weltweit war die historische Religion gewöhnlich der Versuch zu gewährleisten, dass nichts Neues passiert. Ganz bestimmt trifft das auf die Ägypter und ihre Pyramiden und die Maya und ihren Kalender zu. Das zieht sich durch die alten Kulturen des Orients durch. Die Menschen wollten, dass ihr Leben und ihre Geschichte vorhersehbar und kontrollierbar waren. Und die beste Möglichkeit das zu erreichen, sahen sie in dem Versuch die Götter im Schach zu halten oder sogar zu manipulieren. Die meisten Religionen brachten den Menschen quasi bei, welche spirituellen Tasten sie drücken sollten, um die Geschichte und Gott vorhersehbar zu machen. Der Mensch versuchte Gott zu kontrollieren und ihm einen angenehmen Platz im Leben zu geben, damit alles rund läuft. Und in den meisten Religionen glaubte man, Gott lasse sich durch Opfer in Schach halten. Ich opfere prophylaktisch. Spiritualität quasi wie Zähne putzen. Ich putze jeden Tag zweimal meine Zähne, damit ich keinen Karies bekomme und teure Rechnungen vermeide. Sollte ich es nicht machten, wird sich das rächen. Und genauso ist das mit Gott. Wenn ich nicht regelmässig opfere ist Gott nicht zufrieden und wird mich das spüren lassen. Noch heute ist diese Vorstellung in vielen Kulturen präsent. Genau genommen bei uns auch, nur zeigt sie sich anders. Genau genommen hat sich das bis heute nur wenig geändert. Die meisten Menschen haben immer noch das Gefühl sich die Liebe und Aufmerksamkeit Gottes verdienen zu müssen. Dieses Muster ist auch heute noch zu erkennen. Heute bringen wir keine Tieropfer mehr. Dafür bringen wir Opfer in vielfältigen Formen von Selbstaufgaben und moralischen Heroismus. Als ob wir alle wüssten, dass auf alle Fälle irgendetwas geopfert werden müsse, um diesen Gott auf seine Seite zu ziehen.

Wir tendieren wohl dazu nicht wirklich zu glauben, dass Gott seine Schöpfung einfach lieben könnte und dass wir Gottes Liebe tatsächlich erwidern könnten. Doch das Wunder der biblischen Offenbarung besteht darin, dass Gott sehr anders ist als wir dachten. Und sehr viel besser als wir befürchtet haben. Die Nachricht von Gott ist keine schlechte Nachricht, sondern tatsächlich eine über alle Massen gute und trostvolle.

Und wenn Gott uns dann begegnen will, bringt uns das durcheinander. Wir wissen nicht was kommt. Doch genau an diesem Punkt können wir Erfahrungen mit Gott sammeln. Und genau das ist es was uns irritiert. Die Menschheit fürchtet sich vor Erfahrungen. Eine neue Erfahrung verdrängt nämlich viele alte Erfahrungen. Ideen dagegen sind weniger ein Problem. Ideen kann man einsortieren und damit unwirksam machen. Aber eine echte innere Erfahrung ist etwas anderes als eine blosse Idee. Sie verändert uns. Und Menschen verändern sich nicht gerne. Wenn Jesus dir begegnet, wenn er spricht dann verändert das uns. Die Bibel lädt uns ein zu einer ganz neuen Erfahrung. Für viele ist die Bibel ein Buch mit vielen tollen Gedanken und Ideen. Und diese Ideen sind dann entweder richtig oder falsch bzw. passend oder weniger passend. Doch wir sollten die Bibel wieder als eine Einladung empfinden. Und den Gott der Bibel als einen uns Einladenden. Einer der uns komplett neue Augen zulegt und wir die Welt durch seine Augen sehen.

Das Wort Evangelium ist eines der Schlüsselworte in der Bibel. Mit dem Wort Evangelium kann man das Christentum auf den Punkt bringen. Zuerst müssen wir uns fragen woher dieses Wort kommt um zu fragen wie es auf die damaligen Hörer gewirkt hat. Das Wort Evangelium kommt ursprünglich nicht aus der Bibel. Es ist ein Wort aus der griechischen Kultur und es war damals sehr bekannt. Jeder wusste was damit gemeint ist. Es war ein Wort aus dem öffentlichen Leben. Es bedeutet übersetzt: Gute Nachricht oder Erfreuliche Nachricht. Oder man kann sagen: Gute Botschaft oder Erfreuliche Meldung. Und dieses Wort wurde vor allem im öffentlichen Bereich gebraucht und nur selten für den privaten Bereich. Das heißt, dass die gute Nachricht immer für einen großen Teil von Menschen galt. Es war eine Nachricht von öffentlichem Interesse. Z. B. wenn das römische Heer einen bedeuteten Sieg errungen hat. Auch das war eine Gute Nachricht. Der Krieg ist aus! Das ist jetzt keine reine Information. Eine Nachricht ist viel mehr als einen Ratschlag. Durch eine Nachricht entsteht eine ganz neue Welt. Das Kind ist geboren; die Operation war erfolgreich; ich habe den Job bekommen – diese Nachrichten ändern alles. Etwas hat sich geändert und dadurch entsteht eine ganz neue Zukunft. Und der Inhalt der guten Nachricht ist Jesus der eine neue Bewegung gründen. Ein Jesus, der uns für sich gewinnen will. Ein Jesus der für uns einen spannenden Weg vorbereitet hat. Und indem er kommt ruft er uns und will uns durch unser Leben leiten. Fürchte dich nicht! Denn ich bringe euch Gute Nachricht. Und interessanterweise wenn Gott kommt und spricht fällt immer wieder die Botschaft „fürchte dich nicht“, aber dann in einem anderen Sinn. Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir. Gott schenkt Trost und macht Mut.

Mt 1,20 Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist.

Jes 41,13 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!

Jos 10,8 Und der HERR sprach zu Josua: Fürchte dich nicht vor ihnen.

Ri 6,23 Aber der HERR sprach zu ihm: Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben.

Ich lade uns ein uns für Gottes Erfahrungen zu öffnen. Ich lade uns ein auf Gottes Reden zu warten. Und wenn er spricht dann sagen: Hier bin ich. Was gibt’s? Wir brauchen vor diesem Gott keine Angst zu haben. Wir brauchen vor seinen Botschaften keine Angst zu haben. Dieser Gott ist uns wohlgesonnen. Und er will uns unseren Blick schärfen. Das bedeutet Veränderung. Vielleicht auch zuerst schmerzhafte. Aber es kommt dann am Ende gut. Ich wünsche uns auch gerade in dieser Sommer Zeit einen neuen Wunsch nach Erfahrungen mit diesem Gott.

Jesus ist … ein Mitläufer

Wer ist Jesus? Ich möchte heute eine ungewöhnliche Beschreibung aufgreifen. Und zwar Jesus als Mitläufer. Zwei Jünger sind auf dem Weg nach Hause von den Passahfeierlichkeiten. Sie gehörten womöglich zu einer kleinen Gruppe von Jesus-Jüngern in Emmaus. Wo genau dieses Emmaus liegt ist heute nicht mehr rekonstruierbar. 60 Stadien lag es von Jerusalem entfernt. Das entspricht etwas mehr als 10 km. Einer der Jünger hieß Kleopas. Vermutlich derselbe, der auch in Johannes 19,25 genannt wird. Seine Frau wäre dann Maria, die ebenfalls Jüngerin Jesu war. Laut älterer Kirchengeschichte war Kleopas der Bruder Josefs, des juristischen Vater Jesu, und er somit ein Onkel von Jesus. Der zweite Jünger bleibt ungenannt. Hinter diesen beiden Jüngern liegen ereignisreiche Tage. Überlegen wir mal was in ihnen vorging:  Wie jedes Jahr trafen sich die Juden zum Passahfest in Jerusalem. Alles war bereit für das große Fest. Reges Treiben, der Tempel vollgestopft, überall Menschen, Menschen, Menschen, Jerusalem völlig ausgebucht, Leben pur, ja auch anstrengend, zu viel Trubel, zu laut und dennoch jedes Jahr ein riesen Fest. Doch solch ein Fest hatten sie noch nie erlebt. Binnen Tage spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu. Jesu Einzug in Jerusalem, der Verrat Judas, die Festnahme und schließlich die Kreuzigung. Und das alles in unglaublich schnellem Tempo.

Wie viel Hoffnung hatten sie doch in Jesus gesetzt! Dass er ein Prophet war stand außer Frage. Seine Zeichen und Wunder in dieser Intensität und Häufigkeit noch nie dagewesen. Vielleicht der Messias? Er war anders. Seine Lehre beeindruckender, seine Wunder außergewöhnlicher, sein Charisma überzeugender als die anderen großen Rabbiner. Doch warum haben gerade die jüdischen Obersten sich so vehement für seinen Tod eingesetzt? Sie warteten auf den Messias. Sie glaubten, dass er bald kommt. Und sie kannten sich aus. Wenn jemand die Zeichen der Zeit erkennen kann – dann sie. Doch sie haben sich von ihm abgewandt und deutlich gemacht, dass diesem Treiben ein Ende gesetzt werden müsste. Hatten sie doch Recht die Obersten? Sie hatten schon immer Zweifel an der Betrachtung der Obersten. Doch wenn er der Messias gewesen wäre, hätte er sich doch gewehrt, seine Anhänger mobilisiert ihm zu helfen. Doch er hat alles über sich ergehen lassen. Sie verstanden ihn nicht mehr. So kannten sie ihn nicht. Und nun die Berichte der Frauen vom Grab. Der Stein weg, kein Leichnam mehr, der Engel … Wie sollten sie das einordnen? Was auch immer hier abgeht – mysteriös, unfassbar, nicht einordbar.

Und nun gesellt sich ein Fremder zu ihnen. Aller Voraussicht ein Pilger auf dem Nachhauseweg. Nichts Ungewöhnliches – man schloss sich gerne einer Wandergruppe an. Es war Jesus. Wer er wirklich war erkannten sie nicht. Warum? Sie konnten ihn eben nicht identifizieren. Vielleicht sah Jesus anders aus. Sie ließen sich nicht von ihm abhalten und diskutieren weiter. Und Jesus? Er läuft mit ihnen. Er geht mit ihnen den Weg nach Emmaus. Jesus wird zum Mitläufer. Gemeinsam gingen sie die Zeit mit Jesus durch, alles was sie mit ihm erlebt haben.  Sie diskutieren, ja stritten sogar, warfen sich die Argumente hin und her, als sich der Fremde zu Wort meldet. „Entschuldigung, aber von was reden ihr?“ Entsetzt bleiben sie stehen. Wie, was, wo – was geht hier ab? Er hat noch nichts davon gehört? Das ging doch gar nicht! Ganz Jerusalem beschäftigte seit ein paar Tagen nur dieses eine Thema. Gut, Unwissende gibt es immer. Und sie berichten ihm alles. Und dann kommt diese seltsame Antwort. Ja es ist wohl eher eine kritische Anmerkung oder gar Bewertung: O ihr Unverständigen und im Herzen zu träge. Was bedeutet es den im Herzen träge zu sein? Es geht erstmal um das Herz. Ihr Herz ist langsam und schwerfällig. Mußte nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit hineingehen? Musste es nicht genauso kommen? Jesus stellt die Sicht / das Denken / die Vorstellungen der Jünger in Frage. Für sie machte das alles keinen Sinn. Schon gar nicht konnten sie darin etwas Gutes sehen oder den Plan Gottes? Wir können es ihnen nicht verübeln. Und Jesus? Was macht der Mitläufer? Anstatt die Krise zu schieben erklärt er ihnen alles und zwar von Anfang an. Mose – die ganzen Propheten – die komplette Geschichte Israels. Er wollte ihnen zeigen, warum alles so kommen musste. Jesus hat Geduld und Verständnis für sie. Er geht auf ihre Fragen und Zweifel ein. Er geht auf ihre Enttäuschung ein. Sie fühlen sich getäuscht. Vielleicht hast du gerade auch Zweifel und offene Fragen.

Und dann kommen sie zu Hause an und laden den Begleiter / Mitläufer ein. Ein tolles Beispiel orientalischer Gastfreundschaft. Und sie stärken sich bei einem Essen. Und dabei erkennen sie plötzlich, dass ihr Begleiter Jesus höchstpersönlich ist. Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?

Kennst du Situation wie die der Emmaus-Jünger? Zeiten des Zweifelns und der Unsicherheit? DIe Botschaft hier ist, dass Jesus auch in diesen Zeiten bei uns ist und sich erkenntlich machen will. Und wenn du dann zurückblickst kannst du erkennen: es brannte mein Herz. Kennst du dieses Gefühl? Das Herz brennt. Das ist natürlich nicht wörtlich gemeint. Es geht dabei um eine Situation, ein Erlebnis, eine Begegnung die dein Herz verändert. Du bist Feuer und Flamme. Dieser Jesus will dein Herz berühren. Er will es zum Brennen bringen. Eine Berührung von diesem Jesus kann alles verändern. Die Worte Jesus lösten etwas Positives bei den Jüngern aus. Neue Hoffnung, neue Perspektive, neue Freude, neuer Glaube, neues Vertraut-sein. Und das kann dieser Jesus auch bei dir tun.

Ich sage dir es gibt Phasen in deinem Leben wo du voll begeistert bist von diesem Jesus. Und es können Phasen kommen wo dieses Gefühl weggeht. Wo du plötzlich Zweifel bekommst. Wo du irgendwie Gott nicht verstehst. Wo du es vielleicht langweilig oder komisch findest. Und viele wenden sich dann ab und denken: auch ist doch egal, es geht auch ohne Gott. Viele geben zu schnell auf. Ich bitte dich tue das nicht. Weil Jesus da ist. Und es ist gut, dass du enttäuscht wirst. Es zeigt, dass dein Denken nicht ganz gestimmt hat. Gott will das korrigieren. Und am Ende wirst du Gott dankbar sein. Ich bin durch Täler in meinem Leben gegangen und mein Bild von Gott hat sich verändert. Aber ich kann immer noch sagen: da ist ein brennen. Und das wünsche ich dir so sehr.

Das Kreuz – Gedanken zum Tod von Jesus

Um 63 v. Chr. erlebt Rom einen Skandal. Bei Gaius Rabirius einem altehrwürdigen Senator und Bankier sind landesverräterische Beziehungen entdeckt worden. Er hat Spionage betrieben für die Karthager. Und in Rom kommt es zur öffentlichen Gerichtverhandlung. Es sah nicht gut für ihn aus, denn auf Landesverrat stand die Todesstrafe. Allerdings konnte Gaius Cicero als Anwalt gewinnen und dieser hatten damals schon einen guten Ruf. Doch die Aufgabe war nicht einfach, denn der Caesar persönlich hatte der Ankläger und er verlangte von vorn herein die Todesstrafe per Kreuzigung. Das allein ist schon außergewöhnlich, denn einem römischen Staatsbürger stand es zu im Falle einer Verurteilung mit dem Tod die Methode frei zu wählen. Den Tod per Kreuzigung hatte noch nie ein Römer gewählt. Es war eine brutale Methode von der die Folterknechte sagten, dass man die Seele tröpfchenweise herauspresst. Denn trotz rasender Schmerzen stirbt man erst nach langer Zeit. Cicero also verteidigte Gaius mit folgenden berühmten Worten: „Wenn uns schon der Tod angedroht wird, dann wollen wir Römer in Freiheit sterben. Schon das Wort Kreuz soll ferne bleiben nicht nur dem Leibe der römischen Bürger, sondern auch ihrem Gedanken, ihrem Auge, ihrem Ohr. Denn so etwas Schändliches ist einem römischen Bürger unwürdig.“ Im Prinzip sagt er: Eine Kreuzigung entspricht nicht unserem Niveau. Wir sind keine Barbaren. Eine Kreuzigung passt nicht zu uns. Sie unser nicht würdig. Diese Worte haben Eindruck auf das Gericht gemacht. Und es ist Cicero tatsächlich gefolgt. Gaius wurde verurteilt, aber nicht gekreuzigt, sondern verbannt. Eine schwere Niederlage für den Caesar. Und bei dieser Gelegenheit hat das Gericht ein Grundsatzurteil gesprochen, dass kein römischer Staatsbürger mehr gekreuzigt werden darf. Das galt nun aber nur für die Bürger, die das römische Bürgerrecht besaßen. Die anderen Bürger durften selbstverständlich weiterhin gekreuzigt werden und wurden es auch zu 1000enden.

Jesus wurde etwa 30 n. Chr. vor den Toren Jerusalems von der damaligen Weltmacht Rom auf einem kahlen Hügel, der die Form eines Schädels hatte, gekreuzigt. Er wurde von Männern aus dem Hohen Rat, der obersten Behörde der Selbstverwaltung, also Menschen aus seinem eigenen Volk, bei den Römern angezeigt. Sie haben die Anklage ausgearbeitet und vorgetragen. Und die Römer haben die Kreuzigung schliesslich ausgeführt. Jesus ist tot. Der einzig gute Mensch stirbt. Das Kreuz wird zur Niederlage. Doch dann kommt es zur grossen Überraschung. Diese Kreuzigung soll nun Teil der guten Nachricht sein? Wie bizarr! Der Mann der gross angekündigt hat, dass er die Gute Nachricht bringt, wird auf die schändlichste und brutalste Art und Weise hingerichtet. In der Folgezeit nennt Paulus das Evangelium u.a. als Wort vom Kreuz. Die ersten Christen treffen sich zum Herrenmahl und erinnern an diesen brutalen Mord und alle die dazugehören wollen müssen sich in den Tod taufen – sich mit diesem Tod identifizieren. Und dass eine Kreuzigung zentral für eine Religion ist – darauf ist noch keiner gekommen. Und dass die Anhänger dieses Idols diesen Tod sogar noch beschreiben und weitererzählen anstatt ihn zu vertuschen ist unfassbar.

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Was soll nun dieser Tod? Dazu kann viel gesagt werden. Ich will mal einen Aspekt aufgreifen. Im Tod Jesu steckt das größtmögliche Versprechen. Und das größte Versprechen, dass Gott uns gibt ist: Liebe. Jesus selbst sagt: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde (Joh 15,13).“ Und er zeigt das ganz praktisch. Jesu Liebe kennt keine Grenzen. Er fragt nicht erst ob ihm seine Liebe etwas bringt. Er fragt nicht erst ob das nicht die Gefahr der Enttäuschung mich sich bringt. Er liebt nicht erst, wenn es ihm etwas bringt. Er liebt einfach. Er verschenkt seine Liebe. Und seine Liebe macht vor der Tod nicht halt. Er geht in den Tod für uns. Er liebt sogar seine Feinde. Das ist das exakte Gegenteil von bewerten. Wir lieben meist aufgrund von vorheriger Bewertung. Das Evangelium durchbricht aber das Gesetz des Beurteilens. Der Gegensatz dazu ist die raumschaffende Botschaft der Liebe, die Jesus am Kreuz in Vollendung demonstriert. Das Evangelium ist ein Versprechen, eine unverhoffte Zusage – über Bitten und Verstehen. Die Liebe des Vaters hat eine ganz andere Qualität. Es ist die größte Liebe. Er liebt nicht weil es ihm etwas bringt. Er liebt uns mit der Qualität der Feindesliebe. Und in diesem Liebesakt steckt der grösste Sieg. „Sein Ende“ war in Wirklichkeit seine Krönung. In der „Niederlage“ erweist sich Jesus als der eigentliche Gewinner. Am Kreuz wurden letztlich nicht nur er, sondern auch die Schuldscheine von uns Menschen mithingenagelt. Der Ankläger seiner Hauptbelastung entzogen. Deshalb sagt Paulus: „Er hat den Schuldschein gegen uns gelöscht, den in Satzungen bestehenden, der gegen uns war, und ihn auch aus unserer Mitte fortgeschafft, indem er ihn ans Kreuz nagelte; er hat die Gewalten und die Mächte völlig entwaffnet und sie öffentlich zur Schau gestellt. In ihm hat er den Triumph über sie gehalten (Kol 2,14-15).“ Jesus ist Sieger. Die Liebe siegt. Das Kreuz siegt die Liebe. In deinem Gott kannst du jemand begegnen der dich liebt und annimmt wie du bist. Gott steht zu dir mit der Qualität der Feindesliebe. Das ist das Ende der Angst. Und so können wir proklamieren: Wo ist solch ein Gott?

Hier geht es zur Audiodatei: Predigt vom 25/03/2016

Quelle: Gedanken entnommen aus dem Vortrag von Siegfried Zimmer: Ein merk-würdiger Tod – hostorische Aspekte der Kreuzigung Jesu

Entscheidungen treffen im Sinne Gottes

Du stehst vor einer wichtigen Entscheidung und willst im Sinne Gottes entscheiden. Was ist zu tun? Grundsätzlich sind drei verschiedene Ausgangspole zu beachten. Da wäre die biblische Norm und damit die Frage, ob es in der Bibel Antworten oder zumindest Hinweise gibt, zu berücksichtigen. Dann gilt es die Situation zu beachten. Jede Situation ist ganz besonders und daher ist sie genau zu analysieren. Schließlich gibt es noch die Geistesleitung und das Gewissen und damit die Frage was Gott genau in die konkrete Entscheidungssituation spricht. Die biblische Norm ist die grobe Leitlinie für alle Entscheidungen. Eckpfeiler sind das Doppelgebot der Liebe (Mt 22,37-39), die 10 Gebote (2Mo 20) und die Bergpredigt (Mt 5-6). Auch können die einzelnen Geschichten vorbildlichen Charakter haben, wobei Vorsicht geboten ist, denn die Übertragung und Gleichsetzung mit der aktuellen Situation ist oft schwierig. Insgesamt zeigt sich, dass die Bibel nur auf sehr wenige konkrete Situationen eingeht und wir von den biblischen Leitlinien ausgehend die Situation behandeln müssen. Daher kommt dem Heiligen Geist eine sehr wichtige Rolle zu. Er ist gegeben, um uns zu führen (Joh 16,13). Deshalb gilt es ihn zu fragen und Gott um konkrete Wegweisung zu bitten. Oftmals gibt der Heilige Geist uns dabei das entsprechende gute oder schlechte Gefühl, dass wir nicht genau erklären können (das sog. Bauchgefühl). Es kann auch ratsam sein einen weisen Menschen zu fragen, ob er für einen beten kann und vielleicht empfängt er dann eine Botschaft von Gott so wie die Propheten. Sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen, bedeutet nun nicht den Verstand abzuschalten. Gott hat uns den Verstand zur richtigen Einschätzung von Situationen gegeben (Spr 4,7) Bei vielen Entscheidungen liegt der Wille Gottes bei einer guten Analyse der Situation auf der Hand. Wenn wir diese drei Ausgangspole zusammen bedenken werden wir der Gefahr in ein Extrem zu verfallen vermeiden können (siehe Grafik).

Ausgangspol                                                  Extrem

Biblische Norm                                              Gesetzlichkeit

Situation                                                         Willkür

Geistesleitung/Gewissen                             reiner Subjektivismus