Der Herr ist mein Hirte (Psalm 23,1)

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Du liegst im Bett und wachst auf. Und dann sagst du dir: der Herr ist mein Hirte. Das ist das Erste was du dir sagst. Mit diesem Gedanken beginnst den Tag. Ein Hirte hütet Schafe und seine Schafe folgen ihm. Gott will unser Hiert sein. Indem wir diesen Gedanken aussprechen sagen wir: „Jesus du bist mein Hirte. Jesus ich bin dein Schaf. Heute folge ich dir.“

Tatsache ist, dass wir jeden Tag irgendjemandem nachfolgen. Wir haben alle von irgendjemandem eine Vorstellung bekommen, worum es im Leben geht. Und dem folgen wir. Jeden Tag. Wir sind uns dessen oftmals nicht bewusst. Es können Eltern, Lehrer, Vorbilder, Celebrities sein. Wir haben alle einen inneren Hirten. Doch mit diesem Bekenntnis sagen wir, dass wir Jesus folgen wollen. Er ist der dem wir zuallererst folgen wollen.

Was passiert, wenn wir das Jesus bewusst sagen? Wir richten uns innerlich auf ihn aus. Wir folgen ihm. Und das gilt für heute. Ich erkläre, heute will ich dir folgen. Nicht morgen oder vielleicht übermorgen. Auch nicht: mal schauen wie sich der Tag noch so entwickelt. Nein, heute bist du mein Hirte. Und heute vertraue ich mich dir an. #23challenge

#23challenge

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Das Kreuz – Gedanken zum Tod von Jesus

Um 63 v. Chr. erlebt Rom einen Skandal. Bei Gaius Rabirius einem altehrwürdigen Senator und Bankier sind landesverräterische Beziehungen entdeckt worden. Er hat Spionage betrieben für die Karthager. Und in Rom kommt es zur öffentlichen Gerichtverhandlung. Es sah nicht gut für ihn aus, denn auf Landesverrat stand die Todesstrafe. Allerdings konnte Gaius Cicero als Anwalt gewinnen und dieser hatten damals schon einen guten Ruf. Doch die Aufgabe war nicht einfach, denn der Caesar persönlich hatte der Ankläger und er verlangte von vorn herein die Todesstrafe per Kreuzigung. Das allein ist schon außergewöhnlich, denn einem römischen Staatsbürger stand es zu im Falle einer Verurteilung mit dem Tod die Methode frei zu wählen. Den Tod per Kreuzigung hatte noch nie ein Römer gewählt. Es war eine brutale Methode von der die Folterknechte sagten, dass man die Seele tröpfchenweise herauspresst. Denn trotz rasender Schmerzen stirbt man erst nach langer Zeit. Cicero also verteidigte Gaius mit folgenden berühmten Worten: „Wenn uns schon der Tod angedroht wird, dann wollen wir Römer in Freiheit sterben. Schon das Wort Kreuz soll ferne bleiben nicht nur dem Leibe der römischen Bürger, sondern auch ihrem Gedanken, ihrem Auge, ihrem Ohr. Denn so etwas Schändliches ist einem römischen Bürger unwürdig.“ Im Prinzip sagt er: Eine Kreuzigung entspricht nicht unserem Niveau. Wir sind keine Barbaren. Eine Kreuzigung passt nicht zu uns. Sie unser nicht würdig. Diese Worte haben Eindruck auf das Gericht gemacht. Und es ist Cicero tatsächlich gefolgt. Gaius wurde verurteilt, aber nicht gekreuzigt, sondern verbannt. Eine schwere Niederlage für den Caesar. Und bei dieser Gelegenheit hat das Gericht ein Grundsatzurteil gesprochen, dass kein römischer Staatsbürger mehr gekreuzigt werden darf. Das galt nun aber nur für die Bürger, die das römische Bürgerrecht besaßen. Die anderen Bürger durften selbstverständlich weiterhin gekreuzigt werden und wurden es auch zu 1000enden.

Jesus wurde etwa 30 n. Chr. vor den Toren Jerusalems von der damaligen Weltmacht Rom auf einem kahlen Hügel, der die Form eines Schädels hatte, gekreuzigt. Er wurde von Männern aus dem Hohen Rat, der obersten Behörde der Selbstverwaltung, also Menschen aus seinem eigenen Volk, bei den Römern angezeigt. Sie haben die Anklage ausgearbeitet und vorgetragen. Und die Römer haben die Kreuzigung schliesslich ausgeführt. Jesus ist tot. Der einzig gute Mensch stirbt. Das Kreuz wird zur Niederlage. Doch dann kommt es zur grossen Überraschung. Diese Kreuzigung soll nun Teil der guten Nachricht sein? Wie bizarr! Der Mann der gross angekündigt hat, dass er die Gute Nachricht bringt, wird auf die schändlichste und brutalste Art und Weise hingerichtet. In der Folgezeit nennt Paulus das Evangelium u.a. als Wort vom Kreuz. Die ersten Christen treffen sich zum Herrenmahl und erinnern an diesen brutalen Mord und alle die dazugehören wollen müssen sich in den Tod taufen – sich mit diesem Tod identifizieren. Und dass eine Kreuzigung zentral für eine Religion ist – darauf ist noch keiner gekommen. Und dass die Anhänger dieses Idols diesen Tod sogar noch beschreiben und weitererzählen anstatt ihn zu vertuschen ist unfassbar.

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Was soll nun dieser Tod? Dazu kann viel gesagt werden. Ich will mal einen Aspekt aufgreifen. Im Tod Jesu steckt das größtmögliche Versprechen. Und das größte Versprechen, dass Gott uns gibt ist: Liebe. Jesus selbst sagt: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde (Joh 15,13).“ Und er zeigt das ganz praktisch. Jesu Liebe kennt keine Grenzen. Er fragt nicht erst ob ihm seine Liebe etwas bringt. Er fragt nicht erst ob das nicht die Gefahr der Enttäuschung mich sich bringt. Er liebt nicht erst, wenn es ihm etwas bringt. Er liebt einfach. Er verschenkt seine Liebe. Und seine Liebe macht vor der Tod nicht halt. Er geht in den Tod für uns. Er liebt sogar seine Feinde. Das ist das exakte Gegenteil von bewerten. Wir lieben meist aufgrund von vorheriger Bewertung. Das Evangelium durchbricht aber das Gesetz des Beurteilens. Der Gegensatz dazu ist die raumschaffende Botschaft der Liebe, die Jesus am Kreuz in Vollendung demonstriert. Das Evangelium ist ein Versprechen, eine unverhoffte Zusage – über Bitten und Verstehen. Die Liebe des Vaters hat eine ganz andere Qualität. Es ist die größte Liebe. Er liebt nicht weil es ihm etwas bringt. Er liebt uns mit der Qualität der Feindesliebe. Und in diesem Liebesakt steckt der grösste Sieg. „Sein Ende“ war in Wirklichkeit seine Krönung. In der „Niederlage“ erweist sich Jesus als der eigentliche Gewinner. Am Kreuz wurden letztlich nicht nur er, sondern auch die Schuldscheine von uns Menschen mithingenagelt. Der Ankläger seiner Hauptbelastung entzogen. Deshalb sagt Paulus: „Er hat den Schuldschein gegen uns gelöscht, den in Satzungen bestehenden, der gegen uns war, und ihn auch aus unserer Mitte fortgeschafft, indem er ihn ans Kreuz nagelte; er hat die Gewalten und die Mächte völlig entwaffnet und sie öffentlich zur Schau gestellt. In ihm hat er den Triumph über sie gehalten (Kol 2,14-15).“ Jesus ist Sieger. Die Liebe siegt. Das Kreuz siegt die Liebe. In deinem Gott kannst du jemand begegnen der dich liebt und annimmt wie du bist. Gott steht zu dir mit der Qualität der Feindesliebe. Das ist das Ende der Angst. Und so können wir proklamieren: Wo ist solch ein Gott?

Hier geht es zur Audiodatei: Predigt vom 25/03/2016

Quelle: Gedanken entnommen aus dem Vortrag von Siegfried Zimmer: Ein merk-würdiger Tod – hostorische Aspekte der Kreuzigung Jesu

Die Mathemathik der Gnade

Eines der wichtigsten Fächer in der Schule ist Mathe. Das merken wir an der Häufigkeit der Schulstunden. Lesen, schreiben und rechnen sind die Schlüsselfächer in der Grundschule. Wir werden in das 1×1 der Zahlen eingeweiht. Wir lernen die Logik der Zahlen und wie wir sie  zu bewerten haben.

Und nun erzählt Jesus eine Geschichte und fordert unser durch die mathemtische Logik geprägtest Denken heraus. Der Chef eines agrarwirtschaftlichen Betriebs heuert für die Ernte temporäre Honorarkräfte ein und handelt mit ihnen einen Arbeitsvertrag aus. Beide Seiten sind einverstanden. Am Ende stellt sich heraus, dass der Tagesverdienst bei manchen Arbeiten genauso  hoch war wie der Stundenlohn von anderen Arbeitern. Und das obwohl sie die selbe Arbeit verrichtet haben. Es kommt, wen wunderts, zum Aufstand.

Der Chef werhrt sich nun mit folgenden Worten: „Freund, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen?  Nimm das Deine und geh hin! Ich will aber diesem letzten geben wie auch dir.  Ist es mir nicht erlaubt, mit dem Meinen zu tun, was ich will ? Oder blickt dein Auge böse, weil ich gütig bin?“ (Mt 20,13-15)

Die ersten Arbeiter kamen nicht mit der skandalösen Mathematik des Arbeitgeber zurecht. Die Logik der Mathematik sagt: Wer 10x mehr arbeiten, bekommt auch 10x mehr Lohn. Doch der Unternehmer denkt anders. Er denkt sich, ich habe doch das Recht hat mit jedem Arbeiter einen individuellen Vertrag auszuhandeln.

Wir identifizieren uns oft mit den Arbeitern, die viel zu wenig bekommen haben und sehen uns in ihnen. Mir geht es gut, aber andere sind viel besser drant. Das ist nicht fair! Doch gehören wir wirklich zu dieser Gruppe? Könnte es nicht  sein, dass wir vielmehr zur zweiten Gruppe gehören; zu denjenigen, die eine Stunde arbeiten und so viel bekommen wie diejenigen, die zwölf Stunden gearbeitet haben? Versuch doch das Leben aus dieser Perspektive zu sehen. Ich bin von Gott reich beschenkt worden, mehr als die meisten Menschen um mich herum, obwohl ich nicht besser bin. So verstehen wir die Geschichte besser. Es geht nicht um Löhne, es geht um Geschenke. Gott beschenkt, er entlohnt nicht. Wenn die Welt aufgrund ihrer Leistungen /Taten gerettet werden will, dann nur durch das Gesetz Mose, nicht aber durch Jesus.

Dieses Gleichnis macht wirtschaftlich keinen Sinn. Es ist aber auch nicht gegeben um etwas über Wirtschaftethik zu lehren. Es geht um Belohnung und Gnade. Gnade zählt nicht. Gnade kann nicht kalkuliert werden. Gnade kann nicht verdient werden. Gnade ist ein Geschenk von Gott.

Mythen über die Weihnachtsgeschichte (2): Die einsame Geburt in einem dreckigen Stall

Im ersten Teil habe ich versucht darzulegen, warum ich glaube, dass Maria und Jospeh sehr wohl von den Bewohnern in Bethlehem aufgenommen wurden. Jetzt wird mir der einen oder andere entgegnen: aufgenommen am Ende schon, aber ein Stall ist nicht gerade eine gemütliche und angemessene Unterkunft für eine Schwangere. Um dieses Argument zu entkräften will ich auf den Geburtsort von Jesus eingehen.

Jesus wurde direkt nach seiner Entbindung in eine  Krippe gelegt. Wir lesen Krippe und denken automatisch an einen Stall oder an eine Scheune – beides keine tollen Orte für eine Geburt. Doch wir sollten bedenken, dass die Häuser zu der damaligen Zeit anders gebaut waren als unsere Häuser. Reiche Menschen hatte normalerweise für ihre Tiere ein separates Gebäude. Nicht so die einfachen Leute. Ihr Haus bestand normalerweise aus zwei Räumen. Ein Raum war exklusiv für Gäste reserviert und im zweiten Raum lebte die Familie. Dieser Raum war quasi das Wohnzimmer (Familienzimmer) inklusive Küche und Schlafzimmer. Dieser Raum war entweder an der Seite zur Tür etwas niedriger oder durch Holzbalken getrennt. Dieser abgetrennte Bereich zum Familienzimmers war der Stall. Jeden Abend wurden die Tiere ins Haus gebraucht, um sie vor dem Wetter und Dieben zu schützen. Ähnlich wie in unseren „alten“ Bauernhöfen lebten Menschen und Tiere unter einem Dach. Die Häuser hatten meist ein Flachdach und waren einstöckig oder hatten im zweiten Stock ein Gästezimmer. Das Gästezimmer konnte aber auch einfach angebaut sein. Folgende Skizze soll das verdeutlichen:

Die Krippen standen etwas vom Stall erhört auf der Ebene des Familienzimmers. Falls die Kühe in der Nacht Hunger hatten, standen sie auf und konnten aus der Krippe essen. Für die Schafe gab es kleineer Krippen, die im Stall standen. Dass Jesus nach der Geburt in eine der Krippen gelegt wurde ist also nicht sehr verwunderlich, noch deutet es auf eine armselige Unterkunft hin.

Nun lautet die Begründung von Lukas, dass Jesus in die Krippe gelegt wurde, weil in der Herberge kein Raum für sie war. Diese Aussage impliziert für uns, dass eine Herberge/Hotel eine Anzahl von Zimmern hat, die alle schon vermietet waren. Doch damit liegen wir nicht ganz richtig. Das Wort Herberge ist etwas irreführend. Das griechische Wort (katalyma), das Lukas an diese Stelle verwendet ist nicht das Wort für ein professionelles oder wirtschaftlich betriebenes Hotel, sondern meint ein Ort zum Übernachten oder Verweilen. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter verwendet Jesus ein anderes Wort, welches auf ein Hotel hindeutet. In einem privaten Haus meint katalyma letztlich das Gästezimmer. Bezogen auf Jospeh und Maria bedeutet das also, dass bei der Familie, die sie aufgenommen haben, dass Gästezimmer schon voll war und sie mit ins Familienzimmer mussten.

Das Familienzimmer wird dann für die Geburt eingerichtet gewesen sein. Die Hebamme und einige Frauen werden Maria bei der Geburt zur Seite gestanden haben. Alles andere wäre unnormal gewesen. Die Vorstellung, dass Maria ganz allein nur mit Joseph an ihrer Seite das Kind in einem Stall zur Welt gebracht hat, kann unmöglich stimmen. Maria hatte die Unterstützung durch die Dorffrauen.

Mythen über die Weihnachtsgeschichte (1): War es wirklich so schwierig für Maria und Joseph eine Unterkunft zu finden?

Die Weihnachtsgeschichte ist eine der bekanntesten und beliebtesten Geschichte der Bibel. An jedem Weihnachtsgottesdienst wird in den Kirchen ein Krippenspiel aufgeführt.  Auch wenn sich die Aufführungen unterschieden geht es meint u.a. die schwierge Suche von Joseph und Maria nach einer Unterkunft. Doch war ihre Suche wirklich so schwierig? Ich habe daran erhebliche Zweifel.

Grund 1: Das Dorfleben im Nahen Osten darf nicht mit unserer stark individualistischen Gesellschaft verglichen werden. Man kannte sie sich und wusste übereinander Bescheid. Es gab viele verwandtschaftliche Beziehungen und auch wirtschaftlich war man aufeinander angewiesen.  Joseph ist in seine Heimatstadt gereist. Seine Vorfahren haben dort gelebt und in der Vergangenheit das Dorfleben  mitgeprägt. Er oder zumindest seine Vorfahren kannte man. Allein von daher ist es äußerst ungewöhnlich, dass niemand sie aufnahm. Gerade wenn man bedenkt, dass Gastfreundschaft eine der höchsten Werte war.

Grund 2: Joseph gehörte zu einer ganz besonderen Familie. Er war königlicher Abstammung und nach unseren Maßstäben damit adelig. Die Familie von David war so berühmt, dass die Stadt sogar nach ihm benannt wurde. Es heißt, dass er „in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt“ reiste (Lk 2,4). Eigentlich ist Jerusalem die Davidsstadt, aber offensichtlich wurde auch Bethlehem so genannt . Als ein Nachkomme David wäre Joseph auf jeden Fall aufgenommen worden.

Grund 3:  Maria war zu der Zeit hoch schwanger. Ihr keine Unterkunft zu geben bedeutet letztlich, dass die Menschen in Bethlehem sich nicht um Schwangere kümmern. Auf hochschwangeren Frauen wurde auch in dieser Gesellschaft Rücksicht genommen. Man war um ihr Wohl besorgt. Daher haben die Dorfbewohner mit Sicherheit einen geeigneten Platz für die beiden bereit gestellt. Einer schwangeren Frau Hilfe vorzuenthalten wäre für jeden ein beschämender Akt.

Grund 4: Hätten Joseph und Maria tatsächlich keine Unterkunft gefunden, wären sie  zu Marias Verwandten gegangen. Ihre Cousine Elisabeth, die sie zuvor besucht hatte, wohnte nur unweit von Bethlehem entfernt. Es wäre nur ein logischer Schritt gewesen zu ihnen zu gehen und bei ihr das Kind zu gebären. Doch das haben sie nicht getan.

Dass Joseph und Maria unter Zeitdruck standen, wie aus den Krippenspielen bekannt, entspricht nicht dem Textbefund des Neuen Testamentes. Lukas berichtet, dass die beiden sich auf den Weg nach Bethlehem machten (4) und als sie dort waren ihre Tage erfüllt waren (6). Viele Christen denken, dass Jesus noch in der Nacht ihrer Ankunft geboren wurde. Doch die Zeit in Bethlehem wird in der Bibel nicht näher beschrieben. Es wäre auf jeden Fall ungewöhnlich, dass die beiden die Schwangerschaft bei ihrer Reiseplanung nicht berücksichtigt haben.

Der verlorene Sohn – (Teil 12: Die theologische Bedeutung II)

Nachdem ich in den ersten Teile der Serie versucht habe die Geschichte des verlorenen Sohnes unter Berücksichtigung von kulturellen Aspekte nachzuzeichnen, kommt jetzt eine Zusammenfassung der theologischen Bedeutung des Gleichnisses. Auf welche Bereiche geht Jesus „indirekt“ ein und was will er verdeutlichen? Stark inspiert hat mich dabei ein Buch von Kenneth Bailey. Meine Serie ist eine Buchzusammenfassung angereichert mit eigenen Gedanken.

Freiheit: Gott schenkt dem Menschen eine grundsätzliche Freiheit. Diese Freiheit beinhaltet die Liebe des Vaters abzulehnen und die Beziehung abzubrechen. Der Mensch kann seinen eigenen Wege gehen.

Reue: Das Gleichnis stellt zwei Arten von Reue dar. Einerseits der Versuch als Diener akzeptiert zu werden und andererseits das unverdiente Geschenk des Vaters anzunehmen. Gott will Söhne und keine Diener. Daher beinhaltet wahre Buße immer auch Sohn-werden.

Gnade: Die Geschichte berichtet von zwei Söhnen, die sich von ihrem Vater entfernen. Beiden geht der Vater entgegen, beide werden geliebt, beiden bietet er Versöhnung an, beiden wird unverdiente Gnade geschenkt und doch nimmt nur der jüngere Sohn das Geschenk an. Der Unmoralische erkennt Gottes Gnade und nimmt sie an, der Moralische versteht sie nicht und lehnt wütend ab. Die Botschaft Jesus hat nichts mit drinnen oder draußen zu tun, mit moralisch oder unmoralisch, konservativ oder liberal, religiös oder unreligiös. Das wird gerne verwechselt. Wir teilen die Welt gerne auf. Doch die Botschaft Jesu ist anders: „Jeder ist auf dem falschen Weg. Daher brauchst du meine  Gnade. Ich liebe dich, egal was bisher war. Ich will mich mit dir versöhnen. Nimmst du mein Angebot an?“

Wenn immer wir glauben Gott durch gute Werke gefallen und ihn auf seine Seite ziehen zu wollen machen, wird es im Zorn auf ihn und deine Mitmenschen enden.

Gnade ist freiwillige, unverdiente Liebe von Herzen, die nie aufgibt, sucht, leidet und retten kann.

Freude: Der Vater freut sich, dass er seinen Sohn wieder gefunden hat und der Sohn freut sich über das Gefundenwerden und die Versöhnung.

Gott als Vater: Gott wird als barmherziger Vater dargestellt. Er liebt alle Menschen und will sich mit ihnen versöhnen. Er ist bereit den Preis der Versöhnung zu zahlen.

Mensch als Sohn: Beide Söhne definieren Sohnschaft als Vater-Diener-Verhältnis. Der jüngere Sohn kommt zu seinem Vater und bietet ihm an sein Diener zu sein. Der ältere Sohn beschwert sich darüber, dass der Vater seine makellose Diener-Sein nicht wertschätzt. Der Vater lehnt bei beiden ihre Definition ab und bietet ihnen stattdessen seine kostspielige Vaterliebe an.

Christologie: Der Vater nimmt die Rolle des leidenden Knechtes ein, der seine unerwartete und unverdiente Liebe bei beiden Söhnen demonstriert. Er gibt seine Stellung auf und begegnet ihnen als Diener und bietet ihnen Tischgemeinschaft an.

Ekklesiologie: Wiederherstellung der Beziehung zum Vater bedeutet Eingliederung in die Dorfgemeinschaft. Weil die Beziehung zum Vater wieder in Ordnung ist, wird der Sohn ihm Dorf wieder akzeptiert. Übertragen gilt das für die Gemeinde. Familie und Dorfgemeinschaft ist eine Metapher für die Gemeinde.

Inkarnation: Der Vater verlässt seine Stellung und geht zu seinen Söhnen. Er begegnet ihnen dort wo sie sind. Das ist ein Bild für die Menschwerdung Jesu. Er verlässt die himmlische Gemeinschaft mit seinem Vater und wird Mensch und lässt sich von seinen Mitmenschen sogar hinrichten.

Eschatologie: Das Fest ist ein Bild auf die zukünftige Gemeinschaft in der neunen Welt/Himmel (Neuschöpfung).

Zu den anderen Teilen der Serie geht es hier: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10 und Teil 11.

Storytelling: Die Wirkung von Geschichten und ihr Einsatz in der Predigt

Das Thema „Storytelling“ ist in den letzten Jahren in Mode gekommen. Ein Blick auf die deutschsprachige Literatur zeigt, dass gerade der Nutzen von Geschichten im Bereich des Marketings und im Management von Unternehmen entdeckt wurde. Vereinzelt werden auch die Möglichkeiten von Geschichten im Kontext von Pädagogik und der Theologie diskutiert. Im Bereich der (praktischen) Theologie finden Geschichten bisher kaum Beachtung. Hauptsächlich im Kinderdienst wird der Nutzen von Geschichten thematisiert. In der englischsprachigen Literatur wird das Thema breiter diskutiert und der Nutzen in anderen Bereichen der Theologie aufgezeigt, wie z. B. in der Predigt

Diese Arbeit will den breiten Nutzen von Geschichten in der Theologie und Mission (Reich-Gottes-Arbeit) aufzeigen und dafür werben, Geschichten einzusetzen. Sie will grundlegend zeigen, was Geschichten bewirken und leisten können.

Dass durch Geschichten positive Effekte erzielt werden können, wie z. B. eine verbesserte Merkbarkeit, wird wohl kaum einer bestreiten. Doch wie sieht es in der Realität aus? Wie werden Geschichtenpredigten von den Gottesdienstbesuchern aufgenommen? Wollen sie nicht lieber eine klar nachvollziehbare  Exegese einer Bibelstelle? Dazu habe ich eine Untersuchung von Storytelling als Predigtstil gemacht (die vielleicht erste und einzige auf diesem Gebiet)

Der Fokus liegt dabei auf der westlichen Welt und ihren Besonderheiten. Deshalb wird aufgezeigt, warum die kulturellen Veränderungen in der westlichen Welt, hin zur sogenannten Postmoderne, den Einsatz von Geschichten begünstigen. In den weniger entwickelten bzw. gebildeten Kulturen ist eine narrative Verkündigung des Evangeliums aufgrund der Mündlichkeit der Kultur zwangsläufig.

Storytelling kann bei mir als Ringbuch für 15 € zzgl. Porto (2 €) erworben werden oder kann kostenlos als e-Book gedownloadet werden.