Warum «ticken» Menschen so verschieden?

Die Basismentalitäten prämodern, modern, postmodern haben ihre Bedeutung für die Gemeindearbeit.

Vor kurzem Vater geworden, mache ich mir Gedanken, in welche Welt hinein unser Kind geboren ist. Unweigerlich vergleiche ich sie mit der Welt meiner Geburt und der meiner Eltern und Grosseltern. Rasante Veränderungen! Die Welt ist ein Dorf geworden, stark vernetzt und hochtechnologisiert. Wir leben in einer Multioptionsgesellschaft. Das prägt unser Denken. Aber nicht alle kommen gleich mit und wollen mit der Zeit denken.

Heinzpeter Hempelmann beschreibt in seinem gleichnamigen Buch drei in unserer Gesellschaft vorkommende Basismentalitäten: prämodern, modern und postmodern. Die Begriffe sind weder wertend noch klar abgrenzend. Sie sollen helfen, den Anderen besser zu verstehen, uns quasi einen «Reim» auf ihn zu machen.

Drei Blickrichtungen

  • Die prämoderne Mentalität ist vor allem traditionsbewusst. Das Frühere ist das Ursprüngliche und damit das Unverfälschte, Richtige und Gute. Der Blick ist in die Vergangenheit gerichtet mit einem Hang zum Absoluten.
  • Die moderne Mentalität ist die Haltung der kritischen Rationalität. Die gegenwärtigen Verhältnisse werden logisch analysiert, um sie zu verbessern.
  • Die postmoderne Mentalität ist bunt, vielfältig und pluralistisch. Jeder darf und soll auf seine Weise glücklich werden, ohne jemandem zu schaden. Um das zu erreichen, denkt er konsequent relativistisch und gibt verbindliche Sicherheiten auf.

Wenden wir die drei Mentalitäten auf das Verständnis von Kirche und Gemeinde an. Für den prämodern denkenden Menschen ist Kirche Heimat und gibt Sicherheit. In ihr wird die unveränderliche Wahrheit bewahrt und nicht dem Zeitgeist unterworfen. Der liturgische Gottesdienst hat sich bewährt und soll bleiben. Es muss darin nicht alles verstanden werden, denn der heilige Gott soll ein Geheimnis bleiben. Viel wichtiger ist, dass die unveränderbare Herrlichkeit Gottes würdevoll gefeiert wird. Dafür zu sorgen hat die Pfarrperson, der Vertrauen zu schenken ist.

Mit der Zeit gehen

Für den modern denkenden Menschen ist Kirche dagegen ein Ort, für den er sich bewusst entschieden hat. Von ihr erwartet er einen ansprechenden, frischen Gottesdienst, die Möglichkeit von interessenabhängiger Mitarbeit und gesellschaftliches Engagement. Dabei muss Kirche «mit der Zeit gehen» und neue Elemente und Formate in das Bewährte einbauen. Die Pfarrperson ist Impulsgeber und steht auf derselben Ebene wie die Gemeindemitglieder.

Beständig ist der Wandel

Für den postmodern denkenden Menschen ist das einzig Beständige der Wandel. Wechselnde Orte, an denen er sich wohlfühlt, sind ihm Kirche. Das kann gerne eine alte Kathedrale sein, aber auch ein Wohnzimmer oder eine Kneipe. Kirche ist für ihn Kirche, wenn sie sich seiner Lebenslage anpasst. Gottesdienst ist dann spannend, wenn er darin vorkommt, einbezogen wird und der Ablauf Optionen bietet. Postmoderne wollen nicht einfach eine halbe Stunde einer Pfarrperson zuhören, sondern sehen ihn als Moderator, der den Dialog leitet und sinnlich erlebbare Handlungen durchführt.

Wie gehen wir nun mit diesen Unterschieden um? Wir sollten anerkennen, dass keine dieser drei Mentalitäten die allein wahre ist. Sie transportieren alle etwas vom Evangelium. Sie sind alle begrenzt, aber begrenzt berechtigt. Daher sollten wir andere Mentalitäten nicht ausgrenzen, sondern versuchen, von ihnen zu lernen. Sie können uns einen neuen Zugang zu Kirche schenken und den eigenen Horizont erweitern.

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 6/2019 von Wort+Wärch abgedruckt.

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Gottesdienst in der Antike

„Jesus Christus ist der Herr!“ Wie feierten die ersten Menschen, die dies bekannten, miteinander Gottesdienst?

Um diese Frage zu beantworten, werden zuerst ein paar grundsätzliche Aspekte erwähnt und danach die Elemente des Gottesdienstes beschrieben. Vieles wissen wir nicht. Zur Beantwortung der Frage helfen Schriften von Kirchenvätern wie Justin und Tertullian.

  • Die Teilnahme an den Gottesdiensten der frühen Kirche (1. bis 3. Jahrhundert) war nur den Getauften gestattet. Ausnahmen waren die Kinder der Getauften und in Einzelfällen auch Teilnehmende der Glaubensgrundkurse, die als Taufvorbereitung dienten. In ihnen wurden den Taufanwärtern die Grundlagen des christlichen Glaubens gelehrt und die grundlegende ethische Praxis eingeübt. Die Gottesdienste waren damit Insider- Während bei uns ein Begrüssungsteam die Gottesdienstbesucher willkommen heisst, stellte die frühe Kirche Türsteher an. Das war auch eine Konsequenz aus der Verfolgungssituation.
  • Öffentliche Versammlungen verschwanden in der nachapostolischen Zeit ganz. Die Gemeinde traf sich in privaten Unterkünften, die möglichst geheim gehalten wurden.
  • Die wöchentlichen Gottesdienste fanden erst am Samstagabend statt. Ab dem zweiten Jahrhundert trafen sich die Christen vermehrt am Sonntagmorgen vor dem Sonnenaufgang. Da der Sonntag kein freier Arbeitstag war, bestand ein gewisser Zeitdruck. Dadurch bekamen die Gottesdienste eine striktere Struktur und waren weniger gemeinschaftlich.

Folgende Elemente gehörten für die Kirche im Römerreich zu einem Gottesdienst:

Predigt: Der Schriftlesung folgte eine Auslegung des Bibelwortes mit praktischer Anwendung für den Alltag. Die Versammlung konnte den Predigenden Fragen stellen; so kam es zu einem Dialog. Ziel der Predigten war weniger die theoretische Erkenntnis, als dass die Worte das tägliche Leben formten. Die biblischen Anweisungen sollten imitiert und so das Leben der Gläubigen verändert werden. Dies wird aus den wenigen Predigten der Kirchenväter deutlich, die uns aus jener Zeit überliefert sind. Wenn Origenes als Massstab genommen wird, könnte eine Auslegung zwischen sechs und fünfzehn Minuten gedauert haben.

Gemeinsames Gebet: Die Versammelten erhoben sich nach der Predigt für eine gemeinsame Gebetszeit. In Gruppen oder einzeln brachten sie mit kräftiger Stimme Gebetsanliegen vor Gott. Gebete wurden spontan gesprochen und auch vorformulierte Gebete genutzt, wie das Unser Vater und Bekenntnisse. Gebet trug zur Einheit der Versammlung bei. Ob arm oder reich, alle beteten beieinanderstehend zu Gott und erflehten sein rettendes Eingreifen. Gebet diente dazu, die Gläubigen zu formen, damit sie mutig ihren Glauben leben konnten. Um gemeinsam beten zu können, sollten die Gläubigen miteinander versöhnt sein. Dazu diente der Bruderkuss.

Bruderkuss: Er schloss die Gebetszeit ab und leitete zum Abendmahl über. Der Kuss wurde aus der Umwelt des römischen Reiches übernommen, in der er ein Zeichen der Status- und Klassengesellschaft war, und man gab ihm eine neue Bedeutung. Er stand für Einheit, Versöhnung und Frieden und war damit ein Zeichen der gegenseitigen gleichwertigen Identifikation und Annahme.

Abendmahl: Zum Abschluss des Gottesdienstes wurde das Abendmahl gefeiert. Die Einsetzung geschah spontan und improvisiert durch den Leitenden, während die Versammlung auf die gestellten Fragen enthusiastisch mit Amen antwortete. Die Diakone verteilten gleichmässige Portionen auf alle Anwesenden und brachten anschliessend den Abwesenden ihren Anteil nach Hause.

Mit der Anerkennung des Christentums durch Kaiser Konstantin begann eine andere Zeit.

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 5/2019 von Wort+Wärch abgedruckt.

Karfreitag

Jesus wird gekreuzigt (Lk 23,33-38)

Als sie zu der Stelle kamen, die »Schädel« genannt wird, nagelten die Soldaten Jesus ans Kreuz und mit ihm die beiden Verbrecher, den einen links von Jesus, den anderen rechts. Jesus sagte: »Vater, vergib ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun.« Dann losten die Soldaten untereinander seine Kleider aus. Das Volk stand dabei und sah bei der Hinrichtung zu. Die Ratsmitglieder verhöhnten Jesus: »Anderen hat er geholfen; jetzt soll er sich selbst helfen, wenn er wirklich der ist, den Gott uns zum Retter bestimmt hat!« Auch die Soldaten machten sich lustig über ihn. Sie gingen zu ihm hin, reichten ihm Essig und sagten: »Hilf dir selbst, wenn du wirklich der König der Juden bist!« Über seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht: »Dies ist der König der Juden.«

„Vater, vergib ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun.“ – ein Satz, der mich immer wieder neu zu Tränen rührt. Das ist kein Satz wie viele andere. Das ist auch kein besonders toller Satz. Das ist der Satz. Kein schönerer, menschenfreundlicher, heiliger, berührender, beachtenswerter, tiefgehender, alles verändernder Satz kam je über die Lippen eines Menschen. Erstaunlicherweise sind am Kreuz die grössten Worte gesprochen worden. Sie bringen das Wesen Gottes auf den Punkt. Das ist wie ich Gott verstehe. Gott ist wie Jesus. Gott war schon immer wie Jesus. Jesus erfleht um Gnade für seine Peiniger. Er weiss, dass sie nicht wissen was sie tun. Sie sind sich nicht bewusst, dass sie den Schöpfer des Himmels und der Erde ans Kreuz nageln. Hier sehen wir die praktische Anwendung von dem was Jesus seine Jünger lehrte, wenn er sagte: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; / segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen (Lk 6,27-28). Wir sehen hier, dass Jesus nicht nur leere Sprüche gemacht hatte, sondern dass er sich selbst an das hält, was er lehrte. Die Feindesliebe ist die grösste Liebe und der grösste Auftrag an uns. Sind wir selber bereit diese Feindesliebe zu praktizieren oder gehören wir zu denen, die sie lediglich propagieren?

Der Herr ist mein Hirte (Psalm 23,1)

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Du liegst im Bett und wachst auf. Und dann sagst du dir: der Herr ist mein Hirte. Das ist das Erste was du dir sagst. Mit diesem Gedanken beginnst den Tag. Ein Hirte hütet Schafe und seine Schafe folgen ihm. Gott will unser Hiert sein. Indem wir diesen Gedanken aussprechen sagen wir: „Jesus du bist mein Hirte. Jesus ich bin dein Schaf. Heute folge ich dir.“

Tatsache ist, dass wir jeden Tag irgendjemandem nachfolgen. Wir haben alle von irgendjemandem eine Vorstellung bekommen, worum es im Leben geht. Und dem folgen wir. Jeden Tag. Wir sind uns dessen oftmals nicht bewusst. Es können Eltern, Lehrer, Vorbilder, Celebrities sein. Wir haben alle einen inneren Hirten. Doch mit diesem Bekenntnis sagen wir, dass wir Jesus folgen wollen. Er ist der dem wir zuallererst folgen wollen.

Was passiert, wenn wir das Jesus bewusst sagen? Wir richten uns innerlich auf ihn aus. Wir folgen ihm. Und das gilt für heute. Ich erkläre, heute will ich dir folgen. Nicht morgen oder vielleicht übermorgen. Auch nicht: mal schauen wie sich der Tag noch so entwickelt. Nein, heute bist du mein Hirte. Und heute vertraue ich mich dir an. #23challenge

#23challenge

Das Kreuz – Gedanken zum Tod von Jesus

Um 63 v. Chr. erlebt Rom einen Skandal. Bei Gaius Rabirius einem altehrwürdigen Senator und Bankier sind landesverräterische Beziehungen entdeckt worden. Er hat Spionage betrieben für die Karthager. Und in Rom kommt es zur öffentlichen Gerichtverhandlung. Es sah nicht gut für ihn aus, denn auf Landesverrat stand die Todesstrafe. Allerdings konnte Gaius Cicero als Anwalt gewinnen und dieser hatten damals schon einen guten Ruf. Doch die Aufgabe war nicht einfach, denn der Caesar persönlich hatte der Ankläger und er verlangte von vorn herein die Todesstrafe per Kreuzigung. Das allein ist schon außergewöhnlich, denn einem römischen Staatsbürger stand es zu im Falle einer Verurteilung mit dem Tod die Methode frei zu wählen. Den Tod per Kreuzigung hatte noch nie ein Römer gewählt. Es war eine brutale Methode von der die Folterknechte sagten, dass man die Seele tröpfchenweise herauspresst. Denn trotz rasender Schmerzen stirbt man erst nach langer Zeit. Cicero also verteidigte Gaius mit folgenden berühmten Worten: „Wenn uns schon der Tod angedroht wird, dann wollen wir Römer in Freiheit sterben. Schon das Wort Kreuz soll ferne bleiben nicht nur dem Leibe der römischen Bürger, sondern auch ihrem Gedanken, ihrem Auge, ihrem Ohr. Denn so etwas Schändliches ist einem römischen Bürger unwürdig.“ Im Prinzip sagt er: Eine Kreuzigung entspricht nicht unserem Niveau. Wir sind keine Barbaren. Eine Kreuzigung passt nicht zu uns. Sie unser nicht würdig. Diese Worte haben Eindruck auf das Gericht gemacht. Und es ist Cicero tatsächlich gefolgt. Gaius wurde verurteilt, aber nicht gekreuzigt, sondern verbannt. Eine schwere Niederlage für den Caesar. Und bei dieser Gelegenheit hat das Gericht ein Grundsatzurteil gesprochen, dass kein römischer Staatsbürger mehr gekreuzigt werden darf. Das galt nun aber nur für die Bürger, die das römische Bürgerrecht besaßen. Die anderen Bürger durften selbstverständlich weiterhin gekreuzigt werden und wurden es auch zu 1000enden.

Jesus wurde etwa 30 n. Chr. vor den Toren Jerusalems von der damaligen Weltmacht Rom auf einem kahlen Hügel, der die Form eines Schädels hatte, gekreuzigt. Er wurde von Männern aus dem Hohen Rat, der obersten Behörde der Selbstverwaltung, also Menschen aus seinem eigenen Volk, bei den Römern angezeigt. Sie haben die Anklage ausgearbeitet und vorgetragen. Und die Römer haben die Kreuzigung schliesslich ausgeführt. Jesus ist tot. Der einzig gute Mensch stirbt. Das Kreuz wird zur Niederlage. Doch dann kommt es zur grossen Überraschung. Diese Kreuzigung soll nun Teil der guten Nachricht sein? Wie bizarr! Der Mann der gross angekündigt hat, dass er die Gute Nachricht bringt, wird auf die schändlichste und brutalste Art und Weise hingerichtet. In der Folgezeit nennt Paulus das Evangelium u.a. als Wort vom Kreuz. Die ersten Christen treffen sich zum Herrenmahl und erinnern an diesen brutalen Mord und alle die dazugehören wollen müssen sich in den Tod taufen – sich mit diesem Tod identifizieren. Und dass eine Kreuzigung zentral für eine Religion ist – darauf ist noch keiner gekommen. Und dass die Anhänger dieses Idols diesen Tod sogar noch beschreiben und weitererzählen anstatt ihn zu vertuschen ist unfassbar.

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Was soll nun dieser Tod? Dazu kann viel gesagt werden. Ich will mal einen Aspekt aufgreifen. Im Tod Jesu steckt das größtmögliche Versprechen. Und das größte Versprechen, dass Gott uns gibt ist: Liebe. Jesus selbst sagt: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde (Joh 15,13).“ Und er zeigt das ganz praktisch. Jesu Liebe kennt keine Grenzen. Er fragt nicht erst ob ihm seine Liebe etwas bringt. Er fragt nicht erst ob das nicht die Gefahr der Enttäuschung mich sich bringt. Er liebt nicht erst, wenn es ihm etwas bringt. Er liebt einfach. Er verschenkt seine Liebe. Und seine Liebe macht vor der Tod nicht halt. Er geht in den Tod für uns. Er liebt sogar seine Feinde. Das ist das exakte Gegenteil von bewerten. Wir lieben meist aufgrund von vorheriger Bewertung. Das Evangelium durchbricht aber das Gesetz des Beurteilens. Der Gegensatz dazu ist die raumschaffende Botschaft der Liebe, die Jesus am Kreuz in Vollendung demonstriert. Das Evangelium ist ein Versprechen, eine unverhoffte Zusage – über Bitten und Verstehen. Die Liebe des Vaters hat eine ganz andere Qualität. Es ist die größte Liebe. Er liebt nicht weil es ihm etwas bringt. Er liebt uns mit der Qualität der Feindesliebe. Und in diesem Liebesakt steckt der grösste Sieg. „Sein Ende“ war in Wirklichkeit seine Krönung. In der „Niederlage“ erweist sich Jesus als der eigentliche Gewinner. Am Kreuz wurden letztlich nicht nur er, sondern auch die Schuldscheine von uns Menschen mithingenagelt. Der Ankläger seiner Hauptbelastung entzogen. Deshalb sagt Paulus: „Er hat den Schuldschein gegen uns gelöscht, den in Satzungen bestehenden, der gegen uns war, und ihn auch aus unserer Mitte fortgeschafft, indem er ihn ans Kreuz nagelte; er hat die Gewalten und die Mächte völlig entwaffnet und sie öffentlich zur Schau gestellt. In ihm hat er den Triumph über sie gehalten (Kol 2,14-15).“ Jesus ist Sieger. Die Liebe siegt. Das Kreuz siegt die Liebe. In deinem Gott kannst du jemand begegnen der dich liebt und annimmt wie du bist. Gott steht zu dir mit der Qualität der Feindesliebe. Das ist das Ende der Angst. Und so können wir proklamieren: Wo ist solch ein Gott?

Hier geht es zur Audiodatei: Predigt vom 25/03/2016

Quelle: Gedanken entnommen aus dem Vortrag von Siegfried Zimmer: Ein merk-würdiger Tod – hostorische Aspekte der Kreuzigung Jesu

Die Mathemathik der Gnade

Eines der wichtigsten Fächer in der Schule ist Mathe. Das merken wir an der Häufigkeit der Schulstunden. Lesen, schreiben und rechnen sind die Schlüsselfächer in der Grundschule. Wir werden in das 1×1 der Zahlen eingeweiht. Wir lernen die Logik der Zahlen und wie wir sie  zu bewerten haben.

Und nun erzählt Jesus eine Geschichte und fordert unser durch die mathemtische Logik geprägtest Denken heraus. Der Chef eines agrarwirtschaftlichen Betriebs heuert für die Ernte temporäre Honorarkräfte ein und handelt mit ihnen einen Arbeitsvertrag aus. Beide Seiten sind einverstanden. Am Ende stellt sich heraus, dass der Tagesverdienst bei manchen Arbeiten genauso  hoch war wie der Stundenlohn von anderen Arbeitern. Und das obwohl sie die selbe Arbeit verrichtet haben. Es kommt, wen wunderts, zum Aufstand.

Der Chef werhrt sich nun mit folgenden Worten: „Freund, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen?  Nimm das Deine und geh hin! Ich will aber diesem letzten geben wie auch dir.  Ist es mir nicht erlaubt, mit dem Meinen zu tun, was ich will ? Oder blickt dein Auge böse, weil ich gütig bin?“ (Mt 20,13-15)

Die ersten Arbeiter kamen nicht mit der skandalösen Mathematik des Arbeitgeber zurecht. Die Logik der Mathematik sagt: Wer 10x mehr arbeiten, bekommt auch 10x mehr Lohn. Doch der Unternehmer denkt anders. Er denkt sich, ich habe doch das Recht hat mit jedem Arbeiter einen individuellen Vertrag auszuhandeln.

Wir identifizieren uns oft mit den Arbeitern, die viel zu wenig bekommen haben und sehen uns in ihnen. Mir geht es gut, aber andere sind viel besser drant. Das ist nicht fair! Doch gehören wir wirklich zu dieser Gruppe? Könnte es nicht  sein, dass wir vielmehr zur zweiten Gruppe gehören; zu denjenigen, die eine Stunde arbeiten und so viel bekommen wie diejenigen, die zwölf Stunden gearbeitet haben? Versuch doch das Leben aus dieser Perspektive zu sehen. Ich bin von Gott reich beschenkt worden, mehr als die meisten Menschen um mich herum, obwohl ich nicht besser bin. So verstehen wir die Geschichte besser. Es geht nicht um Löhne, es geht um Geschenke. Gott beschenkt, er entlohnt nicht. Wenn die Welt aufgrund ihrer Leistungen /Taten gerettet werden will, dann nur durch das Gesetz Mose, nicht aber durch Jesus.

Dieses Gleichnis macht wirtschaftlich keinen Sinn. Es ist aber auch nicht gegeben um etwas über Wirtschaftethik zu lehren. Es geht um Belohnung und Gnade. Gnade zählt nicht. Gnade kann nicht kalkuliert werden. Gnade kann nicht verdient werden. Gnade ist ein Geschenk von Gott.

Mythen über die Weihnachtsgeschichte (2): Die einsame Geburt in einem dreckigen Stall

Im ersten Teil habe ich versucht darzulegen, warum ich glaube, dass Maria und Jospeh sehr wohl von den Bewohnern in Bethlehem aufgenommen wurden. Jetzt wird mir der einen oder andere entgegnen: aufgenommen am Ende schon, aber ein Stall ist nicht gerade eine gemütliche und angemessene Unterkunft für eine Schwangere. Um dieses Argument zu entkräften will ich auf den Geburtsort von Jesus eingehen.

Jesus wurde direkt nach seiner Entbindung in eine  Krippe gelegt. Wir lesen Krippe und denken automatisch an einen Stall oder an eine Scheune – beides keine tollen Orte für eine Geburt. Doch wir sollten bedenken, dass die Häuser zu der damaligen Zeit anders gebaut waren als unsere Häuser. Reiche Menschen hatte normalerweise für ihre Tiere ein separates Gebäude. Nicht so die einfachen Leute. Ihr Haus bestand normalerweise aus zwei Räumen. Ein Raum war exklusiv für Gäste reserviert und im zweiten Raum lebte die Familie. Dieser Raum war quasi das Wohnzimmer (Familienzimmer) inklusive Küche und Schlafzimmer. Dieser Raum war entweder an der Seite zur Tür etwas niedriger oder durch Holzbalken getrennt. Dieser abgetrennte Bereich zum Familienzimmers war der Stall. Jeden Abend wurden die Tiere ins Haus gebraucht, um sie vor dem Wetter und Dieben zu schützen. Ähnlich wie in unseren „alten“ Bauernhöfen lebten Menschen und Tiere unter einem Dach. Die Häuser hatten meist ein Flachdach und waren einstöckig oder hatten im zweiten Stock ein Gästezimmer. Das Gästezimmer konnte aber auch einfach angebaut sein. Folgende Skizze soll das verdeutlichen:

Die Krippen standen etwas vom Stall erhört auf der Ebene des Familienzimmers. Falls die Kühe in der Nacht Hunger hatten, standen sie auf und konnten aus der Krippe essen. Für die Schafe gab es kleineer Krippen, die im Stall standen. Dass Jesus nach der Geburt in eine der Krippen gelegt wurde ist also nicht sehr verwunderlich, noch deutet es auf eine armselige Unterkunft hin.

Nun lautet die Begründung von Lukas, dass Jesus in die Krippe gelegt wurde, weil in der Herberge kein Raum für sie war. Diese Aussage impliziert für uns, dass eine Herberge/Hotel eine Anzahl von Zimmern hat, die alle schon vermietet waren. Doch damit liegen wir nicht ganz richtig. Das Wort Herberge ist etwas irreführend. Das griechische Wort (katalyma), das Lukas an diese Stelle verwendet ist nicht das Wort für ein professionelles oder wirtschaftlich betriebenes Hotel, sondern meint ein Ort zum Übernachten oder Verweilen. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter verwendet Jesus ein anderes Wort, welches auf ein Hotel hindeutet. In einem privaten Haus meint katalyma letztlich das Gästezimmer. Bezogen auf Jospeh und Maria bedeutet das also, dass bei der Familie, die sie aufgenommen haben, dass Gästezimmer schon voll war und sie mit ins Familienzimmer mussten.

Das Familienzimmer wird dann für die Geburt eingerichtet gewesen sein. Die Hebamme und einige Frauen werden Maria bei der Geburt zur Seite gestanden haben. Alles andere wäre unnormal gewesen. Die Vorstellung, dass Maria ganz allein nur mit Joseph an ihrer Seite das Kind in einem Stall zur Welt gebracht hat, kann unmöglich stimmen. Maria hatte die Unterstützung durch die Dorffrauen.