Was nicht im Feuer liegt, wird nicht Flamme

Ein Pfarrer einer kleinen Kirchengemeinde in England suchte einen Bauern auf, der, durch mehrfaches Unglück verbittert und mit seinem Schicksal hadernd, den Weg zur gottesdienstlichen Gemeinde nicht mehr fand. Der Bauer empfing schweigend den Besucher, und schweigend setzten sich beide vor den Kamin, in dem die Buchenscheite hell brannten.

Nach einer Weile nahm der Pfarrer mit der Feuerzange wortlos ein brennendes Scheit aus dem Feuer und legte es auf die Steinplatte vor dem Kamin; es rauchte noch eine Weile und begann zu verlöschen. Geraume Zeit sassen die Männer noch schweigend beisammen, dann gab der Bauer sich einen Ruck, reichte dem Pfarrer die Hand und sagte: „Ich habe die Predigt verstanden. Was nicht im Feuer liegt, wird nicht Flamme, sondern erkaltet. Ich werde wieder kommen.“

(Verfasser unbekannt)

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Storytelling: Die Wirkung von Geschichten und ihr Einsatz in der Predigt

Das Thema „Storytelling“ ist in den letzten Jahren in Mode gekommen. Ein Blick auf die deutschsprachige Literatur zeigt, dass gerade der Nutzen von Geschichten im Bereich des Marketings und im Management von Unternehmen entdeckt wurde. Vereinzelt werden auch die Möglichkeiten von Geschichten im Kontext von Pädagogik und der Theologie diskutiert. Im Bereich der (praktischen) Theologie finden Geschichten bisher kaum Beachtung. Hauptsächlich im Kinderdienst wird der Nutzen von Geschichten thematisiert. In der englischsprachigen Literatur wird das Thema breiter diskutiert und der Nutzen in anderen Bereichen der Theologie aufgezeigt, wie z. B. in der Predigt

Diese Arbeit will den breiten Nutzen von Geschichten in der Theologie und Mission (Reich-Gottes-Arbeit) aufzeigen und dafür werben, Geschichten einzusetzen. Sie will grundlegend zeigen, was Geschichten bewirken und leisten können.

Dass durch Geschichten positive Effekte erzielt werden können, wie z. B. eine verbesserte Merkbarkeit, wird wohl kaum einer bestreiten. Doch wie sieht es in der Realität aus? Wie werden Geschichtenpredigten von den Gottesdienstbesuchern aufgenommen? Wollen sie nicht lieber eine klar nachvollziehbare  Exegese einer Bibelstelle? Dazu habe ich eine Untersuchung von Storytelling als Predigtstil gemacht (die vielleicht erste und einzige auf diesem Gebiet)

Der Fokus liegt dabei auf der westlichen Welt und ihren Besonderheiten. Deshalb wird aufgezeigt, warum die kulturellen Veränderungen in der westlichen Welt, hin zur sogenannten Postmoderne, den Einsatz von Geschichten begünstigen. In den weniger entwickelten bzw. gebildeten Kulturen ist eine narrative Verkündigung des Evangeliums aufgrund der Mündlichkeit der Kultur zwangsläufig.

Storytelling kann bei mir als Ringbuch für 15 € zzgl. Porto (2 €) erworben werden oder kann kostenlos als e-Book gedownloadet werden.

Communicating to Oral Learners – Introduction and Transitions | The Lausanne Global Conversation

Zu meiner Freude wurde auf der dritten Lausanner Konferenz in Kapstadt 2010 auch das Thema meiner MASTER-Thesis thematisiert. Samuel Chiang und Grant Lovejoy sprechen über die Unterschiede zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Nach einer kurzen Einführung von Samuel Chiang spricht Grant Lovejoy über Mündlichkeit und im Speziellen über Lernen in mündlichen Kulturen. Geschichten helfen ihnen die Bibel besser zu verstehen im Gegensatz zu (dogmatischen) Thesen.

Communicating to Oral Learners – Introduction and Transitions | The Lausanne Global Conversation.

Anmerkung 1: Spannend ist, dass die Redner selbst nicht in einer mündlichen Kultur aufgewachsen sind und der Vortrag typisch nich-narrativ vorgetragen wird. Das zeigt auch ein Dilemma: Viele haben die Problematik Mündlichkeit-Schriftlichkeit (Orality-Literaty) verstanden, aber setzen es (noch) nicht praktisch zur Illustration um. Wahrscheinlich nicht nur aus Rücksicht auf die Zuhörer?

Anmerkung 2: Der Fokus ist stark auf die Zwei-drittel-Welt gerichtet. Ich glaube, dass auch in der westlichen Welt der Trend hin zu Mündlichkeit geht. Daher ist das Thema auch für diesen Kontext sehr wichtig.

Advent 05# Jesus, the storyteller

Jesus was one of the greatest storytellers of mankind. He showed his wisdom through his acting and his words. He rather told short stories than losing himself in endless, intellectual, high quality discussions. He wanted to be understood and wanted to lead his listeners to a decision. His concern was the practical life and not great theories of charity. For that reason he told stories and challenged his listeners to respond.

Advent #05 Jesus, der Geschichtenerzähler

Jesus war einer der größten Geschichtenerzähler der Menschheit. Seine spirituelle Weisheit zeigt sich neben seinem Wirken auch in seinen Worten. Er hat lieber kurze Geschichten erzählt als sich in endlosen, intellektuell-hochwertigen Diskussionen zu verlieren. Ihm ging es darum verstanden zu werden und er wollte die Leute zur Entscheidung führen. Ihm ging es um das praktische Leben und nicht um tolle Theorien über Nächstenliebe. Dafür erzählte er Geschichten und forderte von den Zuhörern, darauf zu reagieren.

Der theologische Zugang über Geschichten

Ich habe mit großem Interesse die persönlichen Zusammenfassungen von Gofi Müller von der Internationalen Konferenz der Lausanner Bewegung in Kapstadt (Cape Town 2010), die vom 17. bis 24. Oktober 2010 stattfand, gelesen.

In seinem sechten Teil, der zugleich der Abschluss bildet, geht er auf die Spannung zwischen Theologie und Geschichten ein. Er schreibt: „Treffen der deutschen Delegation. Rolf Hilles Antwort auf die Kritik, es würde hier zu wenig ‚richtig’ (meine Bezeichnung) theologisch gearbeitet: Der theologische Zugang über Geschichten ist typisch für die Zwei-Drittel-Welt. Wir können uns angesichts der zunehmenden zahlenmäßigen Dominanz der Kirche des Südens darauf einstellen, dass das eher noch zunehmen wird.“

Hier wird scheinbar der theologische Zugang über Geschichten für den Mangel an theologischer Tiefe mitverantwortlich gemacht. Weiter schreibt er: „Was für mich auf diesem Kongress am stärksten spricht, sind die Stories, die erzählt werden, die ‚Zeugnisse’ (zB wie das Evangelium das Leben der Müllsammler in Kairo in kurzer Zeit revolutioniert hat). Könnte man das als eine Art narrative Theologie verstehen? Die deutschen Theologen sind nicht ganz glücklich darüber und bemängeln (möglicherweise zurecht) zu wenig theologisches Arbeiten in Kapstadt. Aber ich habe das Gefühl, dass gerade diese Stories ein probates Mittel sind, um die sehr tiefen kulturellen und theologischen Gräben zu überwinden.“ Hier beobachte ich, wie vielerort auch, die Diskrepanz zwischen der Kraft und der Wirkung von Geschichten einerseits und dem dadurch entstehenden gefühlten Mangel an theologischer Tiefe andererseits. Dabei ist das Verhältnis von Theologie und Geschichte(n)/Hi(Story) eng verwoben.

Gott offenbart sich in der Geschichte (history) und diese ist größtenteils in Form von Geschichten (stories) überliefert. Die Bibel ist letztlich ein Geschichtenbuch. Gott offenbart sich in seinem Tun in Raum und Zeit, wovon die Heilige Schrift zeugnishaft berichtet. Gottes Handeln in der Geschichte hat nie aufgehört. Die Kirchengeschichte dokumentiert das fortschreitende Wirken Gottes in der Geschichte. Geschichten an sich können Zeugnis ablegen und biblische Wahrheiten verdeutlichen (z. B. die Gleichnisse Jesu). Beide beschäftigen sich mit der Übermittlungsform von Erzählungen und deren Bedeutung. Geschichtserzählung (oral history) wie Geschichtsschreibung beruht auf dem Sachverhalt, des „Verstricktseins in Geschichten“. Damit ist ausgesagt, dass Weltgeschichte, die ihren Ausgangspunkt nicht in Geschichten hat, schwer vorzustellen ist.

Das zeigt, dass Theologie im Allgemeinen nicht von Geschichten getrennt werden darf, denn wie Karl Barth schreibt, ist Theologie „… Bericht von dieser Geschichte … Eben darum darf sie nicht auf Vereinigungen und Vermittlungen bedacht sein, die in jener Geschichte nun einmal nicht vorkommen. Eben darum darf sie nicht zum System entarten. Sie muss sich unter allen Umständen auf jene Geschichte beziehen und also unter allen Umständen Erzählung sein und bleiben. Sie darf um keine Vollständigkeit und Geschlossenheit, sie darf nur darum besorgt sein, alles recht zu erzählen.“ (Karl Barth, Kirchliche Dogmatik III/3, Bd. 3: Die Lehre von der Schöpfung (München: Chr. Kaiser, 1950), 334.)

Weiter empfehle ich auch noch den Post von Daniel zu „Anschauliche Geschichte.“