Aufgefahren, nicht abgefahren – Über die Bedeutung von Christi Himmelfahrt

Die Himmelfahrt Jesu bzw. Christ Himmelfahrt ist wahrscheinlich der am meisten übersehene Tag im christlichen Kalender. Er ist bei uns sogar noch ein Feiertag, doch schon längst in der Bedeutung zum Vatertag umgewandelt. In der westlichen Welt sind Weihnachten und Ostern sehr präsent, wenn auch stark kommerzialisiert. Karfreitag und Pfingsten sind noch bedeutende christliche Festtage, die auch in den christlichen Gemeinden gefeiert werden. Doch Christi Himmelfahrt ist fast ganz verlorenen gegangen. Warum? – vielleicht weil wir die Bedeutung von der Himmelfahrt Jesu verloren haben. Das ist bitter, denn ohne die Himmelfahrt Jesu sind das Evangelium und die Geschichte von Jesus unvollständig. Die Geschichte von Jesus ist: Inkarnation, Verkündigung und Errichtung des Reiches Gottes, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. Wenn wir also die Himmelfahrt weglassen, übersehen wir das Ende. Die Geschichte von Jesus endet eben nicht mit der Auferstehung, sondern geht weiter mit der Himmelfahrt. Ohne die Himmelfahrt ist die Auferstehung unvollständig. Es würde den Sieg über den Tod demonstrieren, ohne die Erhöhung von Jesus zu implizieren. Das Ereignis der Himmelfahrt hat daher eine zentrale theologische Bedeutung.

Christ Himmelfahrt kommt 40 Tage nach Ostern. Das Kirchenjahr ist eingeführt worden um die Geschichte des Evangeliums von Advent bis Pfingsten zu erzählen. Dass Christi Himmelfahrt weitestgehend übersehen wird hängt vielleicht an dem Ereignis an sich. Es war ein komischer, abgefahrener Vorgang durch den Jesus nach seiner Auferstehung in den Himmel geholt wurde. Plötzlich war Jesus weg und liess verdutzte Jünger zurück! Dort im Himmel hält er ich mit Gott sich auf bis er denn wiederkommt.

Doch Christ Himmelfahrt handelt nicht vor der Abwesenheit Jesu, sondern von der Herrschaft Jesu. Die Aufnahme Jesu in den Himmel, wo er zur Rechten Gottes Platz genommen hat, ist sein Aufstieg, seine Beförderung, seine Wahl in eine Position, die ihm alle Autorität über den Himmel und die Erde gibt. Der Platz zur Rechten Gottes ist ein poetisches Bild mit dem ausgesagt wird, dass Gott jetzt Jesus alle Autorität im Himmel und auf Erden gegeben hat. Die Himmelfahrt führt nicht zur Abwesenheit Gottes, sondern zu seiner globalen, kosmischen Präsenz. Deshalb sagt der auferstandene Christus zu seinen Jüngern: Ich bin bei euch bis an die Enden der Erde (Mt 28,20). Es gibt keinen Ort auf der Erde an dem Jesus nicht ist und es gibt keine Macht, über die er nicht Herr ist.

Das bedeutet im Kern die Himmelfahrt Jesu. Doch das ist nicht das Verständnis viele Christen. Und das hat einen Einfluss auf ihre Theologie. Wenn wir nämlich die Geschichte Jesu schliessen indem wir sagen: und Jesus ging in den Himmel (deshalb ist er nicht mehr hier auf der Erde), aber irgendwann wird er wieder zurückkommen und dann seine Herrschaft aufrichten … dann spüren wir eine grössere Freiheit die Welt zu gestalten nach unseren Vorstellungen, weil Jesus abwesend ist. Diese Sicht degradiert Jesus vom ewigen Herrn der Welt, der zur Rechten Gottes sitzt und dem alle Macht und Autorität gegeben wurde, zu einem gekrönten Herrscher im Exil. Wir sehen Jesus dann nicht als einen der aktuell regiert und der seine Herrschaft angetreten ist und wir diese repräsentieren. Wir brauchen dann andere Herrscher. Doch die Himmelfahrt bedeutet nicht die Abwesenheit Gottes, sondern die Erhöhung! Jesus ist Herr. Jetzt. Nicht Jesus, der gerne Herr wäre. Nicht Jesus, der irgendwann Herr sein wird, sondern König Jesus und Herr der Herren jetzt und hier!

Die Könige dieser Welt bzw. die Regierungen dieser Erde sollten Jesus und seine Gebote nicht einfach ignorieren. Die Regierungen dieser Erde sollten sich vielmehr unter die Herrschaft Jesu stellen. Die Rolle der Kirche ist es ein prophetisches Zeugnis der Herrschaft Jesu zu sein, der mit Liebe, Frieden, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit regiert. Die Kirche fordert die Könige der Welt auf gemäss der Wege und Gesetze Jesu zu regieren. Sie sollen die Armen und Schwachen schützen. Die Kirche darf sich nicht von den Regierungen missbrauchen lassen oder sich ihnen unterwerfen, damit sie im Gegenzug etwas von ihnen bekommt. Nein, sie bezeugen Jesus Christus als Herrn der Herren. Damit sie das kann, muss sie zuerst der Überzeugung sein, dass Jesus der Herr der Welt ist im hier und jetzt. Davon gingen die ersten Christen aus. Sie lassen Psalm 2,10-12 als Bild für Jesus:

Darum nehmt Vernunft an, ihr Könige;

lasst euch warnen, ihr Mächtigen der Erde!

Unterwerft euch dem Herrn,

zittert vor ihm und jubelt ihm zu!

Huldigt seinem Sohn!

Sonst wird er unwillig

und es ist um euch geschehen;

denn sein Zorn ist schnell entflammt.

Wohl allen, die bei ihm Schutz suchen! 

Und im apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen wir:

aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes,des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Wenn wir davon sprechen, dass Jesus wiederkommen wird, dann sollten wir nicht denken, dass Jesus seinen Aufenthaltsort wechselt, sondern dass er erscheint. Wenn Jesus wiederkommt (griech. Parousia), wird der Vorhang gelüftet und was schon immer Realität war, wird offenbart werden. Es ist der Zeitpunkt des Gerichtes; der Zeitpunkt, wenn offenbart wird wie wir unter der Herrschaft Jesu gelebt haben. Die Wiederkunft Jesu ist nicht der Beginn der Herrschaft Gottes, sondern der Zeitpunkt des Gerichts. Es wird beurteilt wie treu wir dem König Jesus gedient und gehorcht haben.

Aschermittwoch

Heute ist Aschermittwoch. Mit Aschermittwoch beginnt die vierzigtägige Fastenzeit, die uns direkt zu Ostern führt. Die Fastenzeit ist eine Gelegenheit die Reise von Jesus in den Tod nachzuempfinden. Es ist eine Zeit in der wir unser Leben an der Geschichte von Jesus ausrichten können. Die Bezeichnung für Aschermittwoch kommt von einen Brauch, an diesem Tag im Gottesdienst den Gläubigen aus Asche ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen. Was soll diese alte, christliche Glaubenspraxis?

Die Asche ist ein Bild für zwei Sachen: Busse (Umkehr) und Vergänglichkeit. Das sind die beiden thematischen Aspekte von Aschermittwoch.

Vergänglichkeit

Wir als Menschen sind vergänglich. Wir wurden aus Staub und Asche gemacht und werden wieder zu Staub und Asche.

Zum Menschen sagt Gott: Viel Schweiß musst du vergießen, um dein tägliches Brot zu bekommen, bis du zurückkehrst zur Erde, von der du genommen bist. Ja, Staub bist du, und zu Staub musst du wieder werden!« (1Mose 3,19)

Abraham sagte zu Gott: “Ich habe es gewagt, dir dreinzureden, Herr, obwohl ich Staub und Asche bin.“ (1Mose 18,27)

Busse

Busse heisst Umkehr (griechisch μετάνοια metánoia, wörtlich etwa „Umdenken, Sinnesänderung, Umkehr des Denkens“). Die Bibel spricht an mehreren Stellen davon Busse zu tun in „Sack und Asche“. In der deutschen Sprache gibt es diese Formulierung als Redewendung. Anstatt jemand anderen die Schuld zu geben oder andere Ausreden zu finden, soll lieber über die eigene Unzulänglichkeit getrauet werden. Gerne wird diese Redewendung im Sport gebraucht. Anstatt schimpfend den Platz zu verlassen und die Schuld beim Schiedsrichter zu suchen, soll die Mannschaft eher um die erneute Niederlage trauern müssen.

Jesus spricht davon in Sack und Asche Busse zu tun: „Dann begann Jesus mit harten Worten über die Orte zu sprechen, in denen er die meisten Wunder getan hatte und die Menschen hatten sich doch nicht geändert: »Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind, die Leute dort hätten schon längst den Sack umgebunden, sich Asche auf den Kopf gestreut und ihr Leben geändert.“ (Mt 11,20-21)

Hiob sagte: „Ich schäme mich für alles, was ich sagte; in Staub und Asche nehm ich es zurück.“ (Hiob 42,6)

Der König von Ninive reagiert auf die Botschaft von Jona: „Jonas Botschaft war nämlich dem König von Ninive gemeldet worden. Der stieg von seinem Thron, legte den Königsmantel ab, zog den Sack an und setzte sich in die Asche.“ (Jona 3,6)

Angesichts der Vergänglichkeit des Lebens Busse tun

Eine trauernde und bussfertige Person zog sich zum Zeichen ihrer inneren Gefühlslage einen Sack über und streute Asche über seinen Kopf und lief damit öffentlich herum. Wir machen so etwas heutzutage nicht mehr. Warum eigentlich?

Die Asche der bussferigen Person erinnert uns an die menschliche Vergänglichkeit. Vieles ist unsicher im Leben – was aber fest steht ist, dass wir sterben werden. Ein unbehaglicher Gedanke vor dem wir uns gerne drücken. Doch wir sollten uns dessen eher vergewissern. Die Bibel nennt das Klugheit. Der Psalmist sagt: „Gott, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12) Er bittet Gott mit diesen Worten ihn das Bedenken seines Todes zu lehren. Es wird deutlich, dass wir das lernen müssen. Aschermittwoch will eine Lernhilfe dafür sein. Es ist ein Tag an dem wir uns an unsere Vergänglichkeit erinnern und fragen: Wie will ich leben im Angesicht meiner Vergänglichkeit? Was zählt? Wie will Gott, dass ich lebe? Und wo muss ich Busse tun, weil mein Lebensstil und meine Lebensausrichtung nicht Gottes Willen entsprechen? Dazu will uns Aschermittwoch führen. Das Nachdenken über die eigene Vergänglichkeit führt in die Busse (Umkehr) vor Gott.

Das Kreuz aus Asche

Um das auszudrücken hat sich die Tradition des Aschenkreuzes entwickelt. Das Aschenkreuz wird entweder in Form eines Kreuzes auf das Haupt gestreut oder auf die Stirn gezeichnet. Mit dem Empfang des Aschenkreuzes soll der Mensch an seine Vergänglichkeit erinnert und zur Umkehr aufgerufen werden. Indem das Aschenkreuz empfangen wird identifiziert sich der Gläubige mit dem Kreuz Jesu. Er musste ebenfalls sterben und tat das für uns. Und er bezeugt sich nicht für die klugmachende Botschaft Jesu zu schämen. Er will ihm folgen bis in den Tod. Das wird nicht sein Ende sein, denn Jesus wird ihm das ewige Leben schenken und er wird wie Jesus von den Toten auferstehen.

Leben mit dem Kirchenjahr

Meine Zeiteinteilung

Wie soll ich meine Zeit einteilen? Welche Prioritäten setze ich? Was bekommt wie viel Gewicht? Diese Fragen kommen mir während ich über meinem Terminkalender für das nächste Jahr sitze. Es ist Zeit für die Jahresplanung.

Wenn wir ehrlich sind, dann ist unser Leben stark von den jährlichen Urlaubszeiten geprägt. Im Winter geht es in die Sportferien. Im Sommer machen wir eine kurze Sommerpause. Im Herbst geht es zwei Wochen in den Süden. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist Zeit die Familie zu besuchen. Dazwischen verdienen wir u. a. das Geld, um uns eben diesen jährlichen Rhythmus zu finanzieren. Und wir feiern Feste z. B. am 1. August die Schweiz mit Fondue, einem Glas Wein und Feuerwerk. Bei mir kommen noch sportliche Grosveranstaltungen hinzu, die ihren festen Platz bekommen. Dies gibt einen kleinen Einblick wem ich Bedeutung schenke.

Jeder Mensch gibt der Zeit Bedeutung und erzählt damit eine Geschichte. Welche Geschichte der Mensch letztlich erzählt definiert ihn und erklärt wer er ist. Wenn du am Abend des 1. August ein grosses Feuerwerk erwartet bist du wohl ein Schweizer. Wenn du am 3. Oktober frei hast lebst du in Deutschland. Wenn du am 11.11 eine Minute schweigst befindest du dich in England usw. Die Bedeutung der Zeit zeigt sich auch am Jahreskalender.

Der Jahreskalender schafft Kultur

Der griechische Kalender erzählt die Geschichte der Griechen.

Der römische Kalender erzählt die Geschichte der Römer.

Der jüdische Kalender erzählt die Geschichte der Juden.

Der islamische Kalender erzählt die Geschichte der Moslems.

Der christliche Kalender erzählt die Geschichte von Jesus.

Der säkulare Kalender erzählt dagegen, dass es keine verbindliche Geschichte gibt – ausser etwas Politik und viel Kommerz (oder anders herum).

Welcher Kalender prägt dich?

Vor 2000 Jahren hatte die Kirche die Weisheit die Zeit mit der Geschichte von Jesus zu verbinden. Das Kirchenjahr wurde kreiert. Der Advent wartet auf die Wiederkunft Jesu. Weihnachten feiert die Geburt Jesu. Epiphanias betont die Erscheinung Gottes im Leben und Wirken Jesu offenbart wurde. Die Passionszeit erinnert uns an den Weg Jesu ans Kreuz. Ostern ist die Feier seiner Auferstehung. Pfingsten markiert die Erfüllung mit den Heiligen Geist und die Geburt der Kirche. Und schliesslich die gewöhnliche Zeit, die uns durch den Rest des Jahres bis in den Advent begleitet.

Welcher Kalender prägt dich? Ich will mich dem säkularen Blick auf das Jahr nicht ganz hingeben. Zumindest etwas Widerstand leisten würde mir und uns gut tun. Ich will, dass mein Leben – meine Zeit – durch die Geschichte von Jesus geformt wird und nicht durch die Säkularisierung. Um gegen den Strom unserer Zeit zu schwimmen müssen wir zur kirchlichen Tradition des Kirchenjahrs zurückkehren. Für mich ist er zu einer Art Rebellion gegen die Kultur unserer Zeit geworden. Wer rebelliert mit?

«Ich bin ein introvertierter Pfarrer»

Sind Sie ein ruhiger, nach innen gekehrter Typ? Dies ist Ihre Chance!

Kennen Sie das Gefühl, dass Ihre Persönlichkeit Ihnen in bestimmten Situationen im Weg steht? In bestimmten Momenten hätten Sie s einfacher, wenn Sie nur anders «gestrickt» wären. Ich kenne solche Gedanken. Ich bin introvertiert. Für die Arbeit als Pfarrer ist das nicht immer hilfreich – so zumindest fühlte sich das für mich lange an.

Nach innen gewandt
Der Introvertiertheit steht die Extrovertiertheit gegenüber. Introvertiert bedeutet wörtlich «nach innen gewandt», während extrovertiert «nach aussen gewandt» meint. Der Unterschied zwischen beiden Persönlichkeitsmerkmalen liegt im Kopf. Während der Introvertierte sein Leben überwiegend innerlich bewältigt, trägt der Extrovertierte sein Herz auf der Zunge. Er lässt das Umfeld an seinem Innenleben teilhaben, wogegen der Introvertierte für sich im Vorborgenen nachdenkt. Daher werden Extrovertierte als gesellig, offen und abenteuerlustig wahrgenommen, Introvertierte als ruhig, in sich gekehrt und etwas geheimnisvoll – und deshalb auch schwerer einzuordnen.

Abtauchen
Frei auf Leute zugehen, sie mit seiner offenen Art begeistern und mitziehen – das ist es doch,  was es als Pfarrer braucht? Bestimmt viel mehr als den stillen, tiefsinnigen und scheinbar unbeteiligten Denker?

Debora Sommer vergleicht in ihrem Buch «Die leisen Weltveränderer» Introvertierte mit einem U-Boot. Sie tauchen gerne ab und fühlen sich in der Einsamkeit der Meerestiefe wohl. Extrovertierte können mit einem Schiff verglichen werden. Ihr Leben findet gut sichtbar auf der Wasseroberfläche statt. Dort haben sie den Überblick und können mit anderen Schiffen Kontakt aufnehmen.

Kloster statt Konferenz

Ich gleiche einem solchen U-Boot. Ich brauche den Rückzug. In einer Gruppe bin ich unbeteiligt. Ich kann mir sehr, sehr viele Gedanken machen, bin zögerlich, selbstkritisch, zweifelnd, überfordert unter Druck. Ich lasse mir Zeit mit Entscheidungen. Hadernd bewege ich mich hin und her, um langsam vorwärts zu gehen. Ich werde leicht übersehen – weil ich nicht laut genug bin. Ich gehe nicht gerne auf Konferenzen – viel lieber bin ich im Kloster. Nach einer Konferenz habe ich kein Tief, sondern ein Hoch, denn ich bin endlich wieder für mich. Bestimmte offensive Formen von Evangelisation lösen in mir eine Defensivhaltung aus. So bin ich – und daher schreibe ich den Artikel, wie ich ihn schreibe: auf introvertierte Art.

Kreativer Querdenker

Doch zeichnet mich meine Art aus. Ich bin ein tiefgründiger Mensch. Wenn ich etwas sage, hat es Substanz. Ich gebe mich nicht mit der erstbesten Antwort zufrieden. Ich bin ein aufmerksamer Beobachter. Ich habe eine aussergewöhnliche Vorstellungskraft, die mir hilft, kreativ und quer zu denken. Ich bin behutsam, sensibel und beharrlich. Ich kann den Ruhetag ruhig begehen. Ich trage die grosse Sehnsucht nach Tiefe in der Gottesbeziehung in mir. Ich bin belesen und bilde mich fort. Ich kann Marathon. Wenn ich so darüber nachdenke, muss ich erkennen: Introversion ist keine Unzulänglichkeit. Es ist auch kein Mangel, sondern –bei gesundem Umgang – meine Stärke, auch und gerade als Pfarrer.

Als Pfarrer habe ich eine Rolle auszufüllen mit sehr viel sozialer Interaktion. Teils herausfordernd und gleichzeitig fordert es mich auf gute Weise heraus, mich zu zeigen und sichtbar zu werden. Und dann bekomme ich erstaunte Kommentare: «Was, du bist richtig leidenschaftlich, wenn du predigst! Das hätte ich dir gar nicht zugetraut.» Daher, liebe Menschheit: «Unterschätzt mich nicht. Ich bin ein Weltveränderer – ein leiser Weltveränderer!»

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 10/2019 von Wort+Wärch abgedruckt.

Leidenschaftlicher Glaube … kehrt um

Ein Pfarrer berichtet davon, dass er zwei Brüder kannte, die Jahre hindurch in bitterem Streit lebten. Da wurde der eine schwer krank. Er trug dem Pfarrer auf, seinen Bruder zu bitten, ans Sterbebett zu kommen und angesichts seines bevorstehenden Todes sich mit ihm zu versöhnen. Er sagte: „Ich halte es so nicht mehr aus.“ Der Pfarrer ahnte, dass die Bitte bei dem andern auf Widerstand stoßen würde. Aber darauf war er doch nicht gefaßt, denn der andere Bruder gab ihm folgende ungeheuerlich Antwort: „Sagen Sie meinem Bruder, ich halte es noch lange aus!“ Was für eine traurige Begebenheit! Wie traurig, wenn Menschen nicht bereit sind zu vergeben. Leidenschaftlicher Glaube ist bereit zu Versöhnung. Je nach dem was passiert ist, ist das keine leichte Aufgabe. Doch eine die uns Gott aufträgt. In Epheser 4,32 schreibt Paulus:  Geht vielmehr freundlich miteinander um, seid mitfühlend und vergebt einander, so wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.“ Paulus erinnert uns, dass wir vergeben sollen, weil auch Gott uns vergeben hat. Uns ist vergeben. Wir müssen das uns immer wieder vor Augen führen. Gott selbst ist das Vorbild. Er ist vorangegangen. Nun trägt er uns auf seinem Vorbild zu folgen. Leidenschaftlicher Glaube kehrt um in Richtung Versöhnung. Lass uns diesen Monat prüfen wo wir in unversöhnlichen Situation sind überlegen Schritt in Richtung Versöhnung zu gehen. Und lass uns beten für Menschen, die in solch einer Situation sind, dass sie die Kraft finden zu vergeben und um Vergebung zu bitten.

Leidenschaftlicher Glaube ist … veränderungswillig

Leidenschaftlicher Glaube ist veränderungswillig. Er schaut einerseits zurück und erinnert sich an all das Gute was wir mit Gott erlebt haben und ist dankbar dafür. Er schaut aber auch andererseits nach vorne und ruht sich nicht auf der Vergangenheit aus. Er lebt im hier und jetzt und sucht Gottes Willen jeden Tag. Jeden Tag geht es darum den Willen Gottes zu tun und gehorsam zu sein. Daher sollten wir immer wieder fragen: Gott hast du mit mir vor? In Galater 5,22-23 schreibt Paulus, dass die Frucht unseres Lebens mit Gott aus Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung bestehen soll. Und er fügt an: Gegen solches ´Verhalten` hat kein Gesetz etwas einzuwenden. Wie sieht es damit in unserem Leben aus? Thomas Härry hat beim letzten Gemeindewochenende erzählt, dass es sich manchmal ein Jahresthema sucht an dem er bewusst mit Gott arbeiten will. Ich halte das für eine tolle Sache. Vielleicht ist es auch eine Idee für dich? Lass uns doch Gott fragen was er an uns tun will, denn leidenschaftlicher Glauben ist veränderungswillig.  

Leidenschaftlich Glauben

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Professor Einstein stellte einst einem Geistlichen (Kardinal Faulhaber) die Frage: „Was würden sie tun, wenn Ihnen die Mathematik bewiese, dass Ihr Glaube falsch sei?“
Der Geistliche (Kardinal) antwortete: „Herr Professor, ich würde geduldig warten, bis Sie Ihren Rechenfehler gefunden haben.“ Der Glaube lässt sich nicht errechnen, noch durch die Wissenschaft widerlegen, denn die Wissenschaft oder generell menschliches Denken ist immer eingeschränkt. Auf der anderen Seite lässt sich Glaube aber auch nicht beweisen, sonst wäre es nicht mehr Glaube. Das Wesen des Glaubens liegt gerade darin begründet, dass ich auf etwas vertraue, was nicht greifbar ist. Die Bibel berichtet von Menschen die auf ihre Weise vertrauten. Und das wünscht Gott sich auch für uns. Er sucht Menschen mit einem unerschütterlichen Glauben, der allen Widerwärtigkeiten entgegen ihm volles Vertrauen schenkt – leidenschaftlicher Glaube. Unsere Geschichte erzählt von solch einem Menschen.

Lukas 7,1-10:

 1 Das Volk hörte allem zu, was Jesus sagte. Als er seine Rede beendet hatte, ging er nach Kafarnaum.

2 Der Hauptmann ´einer dort stationierten Einheit` hatte einen Diener, den er sehr schätzte; dieser war schwer krank und lag im Sterben.

3 Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige Älteste der jüdischen Gemeinde zu ihm; sie sollten ihn bitten, zu kommen und seinem Diener das Leben zu retten.

4 Die Männer gingen zu Jesus und baten ihn inständig, mit ihnen zu kommen. »Er ist es wert, dass du ihm diese Bitte erfüllst«, sagten sie.

5 »Er liebt unser Volk und hat uns sogar die Synagoge gebaut.«

6 Jesus machte sich mit ihnen auf den Weg. Doch als er nicht mehr weit vom Haus des Hauptmanns entfernt war, schickte dieser ihm einige Freunde entgegen und ließ ihm ausrichten: »Herr, bemühe dich nicht! Ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst.

7 Deshalb hielt ich mich auch nicht für würdig, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund.

8 Ich bin ja selbst dem Befehl eines anderen unterstellt und habe meinerseits Soldaten unter mir. Wenn ich zu einem von ihnen sage: ›Geh!‹, dann geht er, und wenn ich zu einem sage: ›Komm!‹, dann kommt er; und wenn ich zu meinem Diener sage: ›Tu das und das!‹, dann tut er es.«

9 Jesus staunte über den Mann, als er das hörte. Er wandte sich um und sagte zu der Menge, die ihm folgte: »Ich versichere euch: Solch einen Glauben habe ich in ganz Israel nicht gefunden.«

10 Als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, zu ihm zurückkamen, stellten sie fest, dass der Diener wieder gesund war.

 

Die Geschichte spielt in Kapernaum, das am See Genezareth liegt. Kapernaum war eine Grenzstadt und durch die Grenzsituation bedingt, war dort eine römische Einheit stationiert. Die Grenzen mussten gesichert sein und für Ruhe und Ordnung gesorgt werden. In Kapernaum verbrachte Jesus einige Zeit und vollbrachte schon zahlreiche Wunder wie Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen und sogar eine Totenauferweckung. Die Menschen in Kapernaum kannten Jesus. Sie haben ihn erlebt oder kannten jemand, der etwas mit ihm erlebt hat. Die Basis von leidenschaftlichem Glauben ist eine Beziehung – unsere Beziehung zu Gott. Damit unser Glauben leidenschaftlicher wird oder leidenschaftlich bleibt müssen wir Jesus kennen und immer wieder Erfahrungen machen, denn unser Glaube ist nicht abstrakt, sondern persönlich.

Jesus kommt also nach Kapernaum. Da bekam auch der dort ansässige römische Hauptmann mit. Er befand sich in grosser Not, denn einer seiner Knechte, der ihm sehr wertvoll war, lang im Sterben. Solche Situation gibt es im Leben – Situation, die man keinem wünscht. Wir sind alle mit Krankheit, Schmerzen, Hass und leider immer wieder auch mit dem Tod konfrontiert. Das ist die Wirklichkeit unseres Lebens. Es macht es schwer. Mit Jesus zu leben heisst nicht von allem Elend von Krankheit und von Unfällen usw. verschont zu werden. Gott ist nicht in erster Linie für ein problemloses und unkompliziertes Leben verantwortlich. Das Entscheidende am Glauben an Jesus ist, dass wir durch Ihn für alle Zeit erlöst sind. Die Gefahr besteht darin, in solchen Lebensabschnitten an der Liebe und Grösse Gottes zu zweifeln. Oder sich gar von Jesus abzuwenden, wenn die Vorteile, die man sich für dieses Leben erhoffte, nicht eintreffen.  Es gilt gerade auch in solchen schweren Phasen Gott zu vertrauen. Das ist nicht immer einfach. Doch darauf steht eine grosse Belohnung. Wir brauchen einen Glauben, der solche Phasen durchsteht. Leidenschaftlicher Glaube hält stand. Er ist ein Allwetterglauben. Jemand sagte mir mal: „Das Leben ist kein Wirrpool“. Der Glaube auch nicht. Aber der Glaube bringt eine wundervolle Belohnung – die Ewigkeit. .

Der Hauptmann lässt nach Jesus fragen. Jesus nimmt seine Bitte ernst und lässt sich zu seinem Haus führen. Dem Hauptmann wurde gemeldet, dass sich Jesus seinem Haus nähert, diesmal sendet er seine Freunde zu Jesus und liess ihm sagen: »Herr, bemühe dich nicht! Ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb hielt ich mich auch nicht für würdig, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund.« Der Hauptman sagte das weil er nicht wollte, dass sich Jesus in den Augen der Juden verunreinigt. Ein Jude durfte das Haus eines Heiden nämlich nicht betreten. Sein Anliegen war einzig, seinen geliebten Knechten zurückzugewinnen. Dafür verlangte er nicht von Jesus kulturelle Grenzen zu überschreiten. Er war der Überzeugung, Jesus müsse nur ein Wort sprechen, so wäre sein Knecht wieder gesund. Er begründet diese Meinung mit einer Beobachtung: »Ich bin ja selbst dem Befehl eines anderen unterstellt und habe meinerseits Soldaten unter mir. Wenn ich zu einem von ihnen sage: ›Geh!‹, dann geht er, und wenn ich zu einem sage: ›Komm!‹, dann kommt er; und wenn ich zu meinem Diener sage: ›Tu das und das!‹, dann tut er es.« Er ist ein Mensch dem Macht gegeben ist von der Obrigkeit. Diese erlaubt ihm seinen Untergebenen Befehle zu erteilen, und sie werden von ihnen befolgt. Gleiches gilt für Jesus. Ihm ist Macht gegeben und diese Macht führt er aus. Jesus selbst ist seinem Vater unterstellt. Er handelt nach seinem Willen, weil er weiss das dies das Beste ist – für ihn und sein Umfeld. Das ist Hingabe. Das ist ein Leben im Vertrauen auf Gott. Leidenschaftlicher Glaube gibt sich hin. Daher wenn wir von leidenschaftlichem Glauben sprechen dann denken wir daran sein Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Leidenschaftlicher Glaube folgt Jesus nach und nicht den eigenen Wünschen.

Jesus ist völlig erstaunt über den Glauben des Hauptmanns. Er dreht sich um, zu der Volksmenge, die ihm folgte, und er sagte ihnen: »Ich versichere euch: Solch einen Glauben habe ich in ganz Israel nicht gefunden.« Bei keinem Juden hat Jesus solchen Glauben gefunden. Freude und Interesse an Wundern begegnete ihm überall. Aber solchen Glauben fand er bis jetzt noch nicht. Der Glaube bestand ja darin, dass der Hauptmann Jesus erkannte und anerkannte als Sohn Gottes als Schöpfer des Himmels und der Erde, dem eben die Macht gegeben ist, auch über Kranke ein Wort zu sprechen und sie sind gesund. Und tatsächlich, als die Boten zurück in das Haus des Hauptmanns kamen, fanden sie den Knecht gesund. Für uns stellt sich die Frage: Findet Jesus bei uns diesen Glauben, der ihm vertraut, der weiss, dass Gott kein Ding unmöglich ist? Oder gehen wir vielmehr von unserem Denken, von unseren Möglichkeiten aus? Entscheiden nicht allzu oft wir, was Gott möglich ist und was nicht? Wir müssen lernen Gott zu vertrauen. Wir müssen wissen Gott ist kein Ding unmöglich, aber er muss uns nicht jeden persönlichen Wunsch erfüllen, denn Gott ist nicht da, um uns ein angenehmes Leben auf dieser Erde zu verschaffen, sondern wir sind da, um Gott zu dienen, mit allem was uns anvertraut ist. So sieht leidenschaftlicher Glaube aus.

Reflektionen

Ziemlich spontan entschied ich mich mit dem Zug nach Zug (CH) zu fahren und mir die Stadt ein wenig anzuschauen. Ich liebe Städtetrips und lasse mich gerne durch die Leute und die Architektur inspieren. Und während ich durch die wunderschöne Altstadt von Zug schlendere, fängt die Kunst an zu mir zu sprechen. Ich spürte wie Gott mir etwas mitteilen will.

20171223_123328An einer Strassenecke in der Nähe des Kirchturms erblickte ich einen Tannenbaum. Nicht ungewöhnlich für diese Vorweihnachtszeit. Doch der Tannenbaum war kein gewöhnlicher Tannenbaum – es war ein Wunschbaum, an den Menschen kleine Kärtchen mit ihren Wünschen befestigten. Es waren Wünsche aller Art zu lesen: kleine, grosse, unrealistische, idealistische, sehr persönliche, recht allgemeine, berührende und selbstverliebte Wünsche. Und eine innere Stimme fragte mich: Und Martin was hättest du auf die Karte geschrieben? Was sind deine Wünsche für 2018?

Ich gehe nach einer Weile weiter und denke über meine Wünsche nach. Welche Wünsche habe ich? Und warum habe ich genau diese Wünsche? Und während ich so über mich und meine Ziele nachdenken komme ich am Theater vorbei. Dort hängen ein paar grosse Plakte aus. Auf einem steht gross WOW. Es spricht mich an. Ich bleibe stehen und die innere Stimme fragt mich: Martin was hat in diesem Jahr 2017 in dir ein Wow-Gefühl ausgelöst? Mein Blick geht von der Zukunft in die Vergangenheit. Mir fallen spontan ein paar ganz besondere Erlebnisse und Ereignisse ein die einfach nur WOW waren. Ich werde dankbar für mein Leben. Die letzten Jahre waren nicht einfach, aber dieses Jahr war ein WOW-Jahr. Ich danke Gott für seine Hilfe und wünsche mir nicht nur für mich im nächsten Jahr WOW-Erlebnisse, sondern auch für andere Menschen.

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Mein Rundgang führt mich weiter zum Kunstmuseum. Dort fallen mir zwei Worte an den beiden Frontseiten des Gebäudes auf. An der einen Wand steht IST und auf der anderen Mauer WIRD. Und wieder meldet sich die innere Stimme und fragt mich: Martin was IST gegeben in deinem Leben und was WIRD gerade? Spontan kreisen sich meine Gedanken über den IST-Zustand meines Lebens und was geworden IST. Und darüber was gerade WIRD und wie es mir damit geht. Ich merke wie ich vieles beeinflussen kann, aber auch vielem einfach ausgesetzt bin und mich den Situationen stellen muss. Ich spüre die Bewegung im Leben und bin gespannt wie alles so WIRD in 2018.

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Viele Läden haben offen und nutzen den letzten Tag vor den Weihnachtsfeiertagen Geschäfte zu machen. Dabei versuchen sie auf ihre Art Aufmerksamkeit zu erregen und Kunden in ihr Geschäft zu locken. Die guten alten Aufsteller stehen dabei immer noch hoch im Kurs. Vor einem dieser Schilder bleibe ich stehen. Es steht ganz einfach WELCOME und darunter OPEN drauf. Nicht besonders kreativ, aber die innere Stimme schafft sich wieder in mir Gehör: Martin, wer ist in deinem Leben willkommen? Für wen ist dein Haus offen? Und ich spüre, dass Gastfreundschaft eines der Themen in 2018 werden könnte. Und genauso die Fokussierung auf Menschen und nicht so sehr auf Projekte. Hat sich da vielleicht was verdreht in meinen Prioritäten? Ganz abschliessend kann ich es nicht klären, aber ich nehme mir vor ein Willkommensmensch zu sein – was auch immer das genau bedeutet. Wir werden sehen.

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Zum Ende meines Rundgangs laufe ich nochmals runter zum See. Leider kein schönes Wetter heute. Die Berge sind nebelverhangen und verstecken die Sonne. Ich schaue auf den See und sehe eine Art Statue aus zwei Gänsen, die zusammen ihren Weg gehen. Sie machen auf mich irgendwie den Eindruck als wollen sie tanzen. Und die innere Stimme nimmt diese unreife Beobachtungen zum Anlass zu ihrer letzten Frage: Mit wem tanzt du durchs nächste Jahr? Mit wem bist du eng verbunden und willst vieles bewegen und erleben? Die Antwort ist bei mir ziemlich einfach und klar. Dennoch bin ich dankbar für den abschliessenden Hinweis. Ja es gibt wundervolle Menschen in meinem Leben mit denen mich Gott verbunden hat und mit denen ich durchs Leben tanzen will. Und das sind auch diese Menschen, die mich dankbar machen, die ich mir gewünscht habe, die da sind und es auch bleiben sollen. Dankbar mache ich mich auf den Heimweg. Gott hat mal wieder durch die Kunst zu mir gesprochen – einfach wundervoll.

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Gutes und Barmherzigkeit werden … (Psalm 23,6)

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Abend im Bett – Abschluss des Tages.

Zum Abschluss des Tages geht es darum diesen Vers durchzugehen: Gutes und Barmherzigkeit, werden mir folgen mein Leben lang. Was ist eigentlich gut? Was ist eigentlich ein gutes Leben? Darauf würden Menschen unterschiedliches antworten. Wir haben nämlich verschiedene Vorstellungen davon was gut ist und was nicht. Die Bibel geht davon aus, dass Gott der Ursprung des Lebens ist und die Quellen alles Guten. Das bedeutet, dass ein gutes Leben ein Leben in Verbindung mit Gott ist. Gott hilft uns Gutes im Leben zu finden. Er hilft uns durch seine Gegenwart, dass selbst die schweren Stunden Gutes beinhalten und nicht zerstören. Und am Ende wird tatsächlich alles gut werden. Wir werden mit Gott an dem Ort sein, an dem kein Schmerz und kein Leid mehr ist. Es wird alles gut werden.

Jeder Tag hat Gutes. Was würde passieren, wenn wir jeden Tag danach Ausschau halten würden. Wofür bin ich dankbar. Du gehst den Tag nochmals durch vom Aufstehen bis zum Abend. Und du sagst Gott nochmals, was alles Gut war.

Aber auch Barmherzigkeit werden mir folgen. Gott hat Erbarmen mit mir. Wir alle machen Fehler und müssen erkennen, wir sind gar nicht so nett, höflich, grosszügig, zuvorkommend etc. wie wir gerne wären. Aber Gott hat Erbarmen mit meinem Versagen. Er fühlt mit mir. Er kennt meine Grenzen. Er verdammt mich nicht. Sein Erbarmen wird mir folgen. Was für eine tolle Zusage.

Am Abend überlege ich nochmals: Was hab ich verbockt? Welche falschen Entscheidungen habe ich getroffen? Welche Dinge bin ich heute schuldig geblieben? Aber dafür gilt Gottes Barmherzigkeit. Ich kann ihm meine Fehler bekennen und werde nicht verurteilt und bestraft.

Und ich werde bleiben im Haus des Herrn. Das Haus des Herrn ist ein Synonym für die Familie. Es meint die engste Wohngemeinschaft Gottes. Ich werde immer zur Familie Gottes gehören. Ich werde für immer sein Kind sein und ich werde immer mit der Zusage leben können, dass du mich nicht rausschmeisst, denn ich bin sein Kind. Hier bin ich willkommen. Hier habe ich ein ewiges Bleiberecht. Hier kann ich sein und immer ein und ausgehen. Bei Gott ist immer Platz für mich. Bei Gott ist immer ein Bett für mich frei. Das gilt und damit gehe ich in die Nacht.