Leben mit dem Kirchenjahr

Meine Zeiteinteilung

Wie soll ich meine Zeit einteilen? Welche Prioritäten setze ich? Was bekommt wie viel Gewicht? Diese Fragen kommen mir während ich über meinem Terminkalender für das nächste Jahr sitze. Es ist Zeit für die Jahresplanung.

Wenn wir ehrlich sind, dann ist unser Leben stark von den jährlichen Urlaubszeiten geprägt. Im Winter geht es in die Sportferien. Im Sommer machen wir eine kurze Sommerpause. Im Herbst geht es zwei Wochen in den Süden. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist Zeit die Familie zu besuchen. Dazwischen verdienen wir u. a. das Geld, um uns eben diesen jährlichen Rhythmus zu finanzieren. Und wir feiern Feste z. B. am 1. August die Schweiz mit Fondue, einem Glas Wein und Feuerwerk. Bei mir kommen noch sportliche Grosveranstaltungen hinzu, die ihren festen Platz bekommen. Dies gibt einen kleinen Einblick wem ich Bedeutung schenke.

Jeder Mensch gibt der Zeit Bedeutung und erzählt damit eine Geschichte. Welche Geschichte der Mensch letztlich erzählt definiert ihn und erklärt wer er ist. Wenn du am Abend des 1. August ein grosses Feuerwerk erwartet bist du wohl ein Schweizer. Wenn du am 3. Oktober frei hast lebst du in Deutschland. Wenn du am 11.11 eine Minute schweigst befindest du dich in England usw. Die Bedeutung der Zeit zeigt sich auch am Jahreskalender.

Der Jahreskalender schafft Kultur

Der griechische Kalender erzählt die Geschichte der Griechen.

Der römische Kalender erzählt die Geschichte der Römer.

Der jüdische Kalender erzählt die Geschichte der Juden.

Der islamische Kalender erzählt die Geschichte der Moslems.

Der christliche Kalender erzählt die Geschichte von Jesus.

Der säkulare Kalender erzählt dagegen, dass es keine verbindliche Geschichte gibt – ausser etwas Politik und viel Kommerz (oder anders herum).

Welcher Kalender prägt dich?

Vor 2000 Jahren hatte die Kirche die Weisheit die Zeit mit der Geschichte von Jesus zu verbinden. Das Kirchenjahr wurde kreiert. Der Advent wartet auf die Wiederkunft Jesu. Weihnachten feiert die Geburt Jesu. Epiphanias betont die Erscheinung Gottes im Leben und Wirken Jesu offenbart wurde. Die Passionszeit erinnert uns an den Weg Jesu ans Kreuz. Ostern ist die Feier seiner Auferstehung. Pfingsten markiert die Erfüllung mit den Heiligen Geist und die Geburt der Kirche. Und schliesslich die gewöhnliche Zeit, die uns durch den Rest des Jahres bis in den Advent begleitet.

Welcher Kalender prägt dich? Ich will mich dem säkularen Blick auf das Jahr nicht ganz hingeben. Zumindest etwas Widerstand leisten würde mir und uns gut tun. Ich will, dass mein Leben – meine Zeit – durch die Geschichte von Jesus geformt wird und nicht durch die Säkularisierung. Um gegen den Strom unserer Zeit zu schwimmen müssen wir zur kirchlichen Tradition des Kirchenjahrs zurückkehren. Für mich ist er zu einer Art Rebellion gegen die Kultur unserer Zeit geworden. Wer rebelliert mit?

Warum «ticken» Menschen so verschieden?

Die Basismentalitäten prämodern, modern, postmodern haben ihre Bedeutung für die Gemeindearbeit.

Vor kurzem Vater geworden, mache ich mir Gedanken, in welche Welt hinein unser Kind geboren ist. Unweigerlich vergleiche ich sie mit der Welt meiner Geburt und der meiner Eltern und Grosseltern. Rasante Veränderungen! Die Welt ist ein Dorf geworden, stark vernetzt und hochtechnologisiert. Wir leben in einer Multioptionsgesellschaft. Das prägt unser Denken. Aber nicht alle kommen gleich mit und wollen mit der Zeit denken.

Heinzpeter Hempelmann beschreibt in seinem gleichnamigen Buch drei in unserer Gesellschaft vorkommende Basismentalitäten: prämodern, modern und postmodern. Die Begriffe sind weder wertend noch klar abgrenzend. Sie sollen helfen, den Anderen besser zu verstehen, uns quasi einen «Reim» auf ihn zu machen.

Drei Blickrichtungen

  • Die prämoderne Mentalität ist vor allem traditionsbewusst. Das Frühere ist das Ursprüngliche und damit das Unverfälschte, Richtige und Gute. Der Blick ist in die Vergangenheit gerichtet mit einem Hang zum Absoluten.
  • Die moderne Mentalität ist die Haltung der kritischen Rationalität. Die gegenwärtigen Verhältnisse werden logisch analysiert, um sie zu verbessern.
  • Die postmoderne Mentalität ist bunt, vielfältig und pluralistisch. Jeder darf und soll auf seine Weise glücklich werden, ohne jemandem zu schaden. Um das zu erreichen, denkt er konsequent relativistisch und gibt verbindliche Sicherheiten auf.

Wenden wir die drei Mentalitäten auf das Verständnis von Kirche und Gemeinde an. Für den prämodern denkenden Menschen ist Kirche Heimat und gibt Sicherheit. In ihr wird die unveränderliche Wahrheit bewahrt und nicht dem Zeitgeist unterworfen. Der liturgische Gottesdienst hat sich bewährt und soll bleiben. Es muss darin nicht alles verstanden werden, denn der heilige Gott soll ein Geheimnis bleiben. Viel wichtiger ist, dass die unveränderbare Herrlichkeit Gottes würdevoll gefeiert wird. Dafür zu sorgen hat die Pfarrperson, der Vertrauen zu schenken ist.

Mit der Zeit gehen

Für den modern denkenden Menschen ist Kirche dagegen ein Ort, für den er sich bewusst entschieden hat. Von ihr erwartet er einen ansprechenden, frischen Gottesdienst, die Möglichkeit von interessenabhängiger Mitarbeit und gesellschaftliches Engagement. Dabei muss Kirche «mit der Zeit gehen» und neue Elemente und Formate in das Bewährte einbauen. Die Pfarrperson ist Impulsgeber und steht auf derselben Ebene wie die Gemeindemitglieder.

Beständig ist der Wandel

Für den postmodern denkenden Menschen ist das einzig Beständige der Wandel. Wechselnde Orte, an denen er sich wohlfühlt, sind ihm Kirche. Das kann gerne eine alte Kathedrale sein, aber auch ein Wohnzimmer oder eine Kneipe. Kirche ist für ihn Kirche, wenn sie sich seiner Lebenslage anpasst. Gottesdienst ist dann spannend, wenn er darin vorkommt, einbezogen wird und der Ablauf Optionen bietet. Postmoderne wollen nicht einfach eine halbe Stunde einer Pfarrperson zuhören, sondern sehen ihn als Moderator, der den Dialog leitet und sinnlich erlebbare Handlungen durchführt.

Wie gehen wir nun mit diesen Unterschieden um? Wir sollten anerkennen, dass keine dieser drei Mentalitäten die allein wahre ist. Sie transportieren alle etwas vom Evangelium. Sie sind alle begrenzt, aber begrenzt berechtigt. Daher sollten wir andere Mentalitäten nicht ausgrenzen, sondern versuchen, von ihnen zu lernen. Sie können uns einen neuen Zugang zu Kirche schenken und den eigenen Horizont erweitern.

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 6/2019 von Wort+Wärch abgedruckt.

Familiengottesdienst

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Familien sind ein Schwerpunkt unserer Ausrichtung als EGW Steffisburg. Wir dürfen eine wachsende Schar von Kindern in unserer Gemeinde begrüssen. Aktuell sind sogar sieben Frauen schwanger was für unsere Grösse aussergewöhnlich viel ist. Es ist unser Anliegen diesen Kindern einen Ort zu bieten an dem sie schon früh auf kindliche Art von Jesus erfahren und viele positive Erlebnisse mit Kirche machen. Vor ein paar Jahren ist daher schon entschieden worden einen Sonntagsgottesdienst in einen Familiengottesdienst umzuwandeln. Mit meiner Anstellung Mitte 2015 bekam ich die Verantwortung für den Familiengottesdienst übertragen. Mit Freude habe ich mich an diese Arbeit gemacht. Ein gutes Fundament war bereits gelegt. Ich konnte darauf aufbauen und es weiterentwickeln. Die Kinder sollten über den gesamten Gottesdienst im Saal bleiben. Doch wie gelingt es sie über 1 Stunden bei der Stange zu halten? Die Erwachsenen sollten aber auch etwas aus dem Gottesdienst mitnehmen und nicht der Eindruck eines reinen Kindergottesdienstes entstehen. Doch wie kann ich Kinder- und Erwachsenenelemente auf eine erfrischende Art mixen?

Meine Antwort heisst: Rhythmisierung. Und wie sieht nun der Rhythmus unseres Familiengottesdienstes aus? Es ist ein bunter Mix aus Kinderanbetung, Theater, Spiele, biblischer Geschichte, Erwachsenenlobpreis und einem Gedanken für den Alltag. Und wie sieht das nun konkret? Am besten ich gehe dazu mal die einzelnen Elemente durch:

Kinderanbetung: Jedes Mal gibt es zwei bis drei kurze Blöcke aus drei Kinderliedern mit Bewegungen.

Theater: Jedes Mal gibt es ein paar Theaterszenen. Neben mir als Moderator kommt dabei immer unser Rabe Röbi angeflogen. Er ist eine freche, aber liebenswertige Handpuppe mit vielen klugen und ungeschickten Bemerkungen. Und dann treten noch unsere zwei Hühner Chi und Ken (und wer versteht den Wortwitz mit den Namen?) auf. Gespielt werden sie von zwei unserer Teenies, die verkleidet im Hühnerkostüm die Kinder in ihren Bann ziehen.

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Biblische Geschichte: Sie bildet den Leitfaden des Gottesdienstes. Anfang des Jahres haben wir z. B. über vier Gottesdienste die Geschichte von Noah durchgenommen. Die Theaterfiguren werden eingebaut und die alte Geschichte lebensnah dargestellt und eine Verbindung zu ihrem Leben gezogen.

Spiele: Zum Thema passende Spiele werden eingebaut bei denen Kinder und Erwachsene teilnehmen können. Auch passende Experimente wurden schon vorgeführt.

Input: Aus der biblischen Geschichte heraus wird in einem kurzen Input den Erwachsenen ein Gedanken für den Alltag mitgegeben. Die Kinder dürfen parallel dazu Comics lesen oder Bilder (aus)-malen.

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Erwachsenenlobpreis: Jedes Mal gibt es noch drei Nicht-Kinderlieder.

Und was erleben wir mit dem Familiengottesdienst? Für mich ist er bisher eine Art Erfolgsgeschichte. Ich bin begeistert, dass die meisten Erwachsenen und auch zahlreiche Senioren mitziehen. Mittlerweile ist er der best-besuchteste unserer Gottesdienste. Und unsere Leute laden ihre Freunde ein ohne dass ich sie dazu ermutigt hätte – sie tun es einfach! Das finde ich einen starken Indikator. Dadurch kommen immer wieder neue Familien mit ihren Kindern dazu – auch Familien die eher kirchenfern sind. Dadurch profitieren auch unsere anderen Gefässe wie Jungschi oder die Spielgruppe.

Letzten kam eine Mutter nach dem Gottesdienst zu mir: „Also das ist jetzt mal wirklich ein Familiengottesdienst für Kinder und nicht einer der es sein will!“ Und auch von den Erwachsenen kommt ermutigendes Feedback: „Ich bin immer wieder überrascht, dass ich etwas aus dem Gottesdienst mit nach Hause nehmen kann.“

Die Mathemathik der Gnade

Eines der wichtigsten Fächer in der Schule ist Mathe. Das merken wir an der Häufigkeit der Schulstunden. Lesen, schreiben und rechnen sind die Schlüsselfächer in der Grundschule. Wir werden in das 1×1 der Zahlen eingeweiht. Wir lernen die Logik der Zahlen und wie wir sie  zu bewerten haben.

Und nun erzählt Jesus eine Geschichte und fordert unser durch die mathemtische Logik geprägtest Denken heraus. Der Chef eines agrarwirtschaftlichen Betriebs heuert für die Ernte temporäre Honorarkräfte ein und handelt mit ihnen einen Arbeitsvertrag aus. Beide Seiten sind einverstanden. Am Ende stellt sich heraus, dass der Tagesverdienst bei manchen Arbeiten genauso  hoch war wie der Stundenlohn von anderen Arbeitern. Und das obwohl sie die selbe Arbeit verrichtet haben. Es kommt, wen wunderts, zum Aufstand.

Der Chef werhrt sich nun mit folgenden Worten: „Freund, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen?  Nimm das Deine und geh hin! Ich will aber diesem letzten geben wie auch dir.  Ist es mir nicht erlaubt, mit dem Meinen zu tun, was ich will ? Oder blickt dein Auge böse, weil ich gütig bin?“ (Mt 20,13-15)

Die ersten Arbeiter kamen nicht mit der skandalösen Mathematik des Arbeitgeber zurecht. Die Logik der Mathematik sagt: Wer 10x mehr arbeiten, bekommt auch 10x mehr Lohn. Doch der Unternehmer denkt anders. Er denkt sich, ich habe doch das Recht hat mit jedem Arbeiter einen individuellen Vertrag auszuhandeln.

Wir identifizieren uns oft mit den Arbeitern, die viel zu wenig bekommen haben und sehen uns in ihnen. Mir geht es gut, aber andere sind viel besser drant. Das ist nicht fair! Doch gehören wir wirklich zu dieser Gruppe? Könnte es nicht  sein, dass wir vielmehr zur zweiten Gruppe gehören; zu denjenigen, die eine Stunde arbeiten und so viel bekommen wie diejenigen, die zwölf Stunden gearbeitet haben? Versuch doch das Leben aus dieser Perspektive zu sehen. Ich bin von Gott reich beschenkt worden, mehr als die meisten Menschen um mich herum, obwohl ich nicht besser bin. So verstehen wir die Geschichte besser. Es geht nicht um Löhne, es geht um Geschenke. Gott beschenkt, er entlohnt nicht. Wenn die Welt aufgrund ihrer Leistungen /Taten gerettet werden will, dann nur durch das Gesetz Mose, nicht aber durch Jesus.

Dieses Gleichnis macht wirtschaftlich keinen Sinn. Es ist aber auch nicht gegeben um etwas über Wirtschaftethik zu lehren. Es geht um Belohnung und Gnade. Gnade zählt nicht. Gnade kann nicht kalkuliert werden. Gnade kann nicht verdient werden. Gnade ist ein Geschenk von Gott.

Mythen über die Weihnachtsgeschichte (2): Die einsame Geburt in einem dreckigen Stall

Im ersten Teil habe ich versucht darzulegen, warum ich glaube, dass Maria und Jospeh sehr wohl von den Bewohnern in Bethlehem aufgenommen wurden. Jetzt wird mir der einen oder andere entgegnen: aufgenommen am Ende schon, aber ein Stall ist nicht gerade eine gemütliche und angemessene Unterkunft für eine Schwangere. Um dieses Argument zu entkräften will ich auf den Geburtsort von Jesus eingehen.

Jesus wurde direkt nach seiner Entbindung in eine  Krippe gelegt. Wir lesen Krippe und denken automatisch an einen Stall oder an eine Scheune – beides keine tollen Orte für eine Geburt. Doch wir sollten bedenken, dass die Häuser zu der damaligen Zeit anders gebaut waren als unsere Häuser. Reiche Menschen hatte normalerweise für ihre Tiere ein separates Gebäude. Nicht so die einfachen Leute. Ihr Haus bestand normalerweise aus zwei Räumen. Ein Raum war exklusiv für Gäste reserviert und im zweiten Raum lebte die Familie. Dieser Raum war quasi das Wohnzimmer (Familienzimmer) inklusive Küche und Schlafzimmer. Dieser Raum war entweder an der Seite zur Tür etwas niedriger oder durch Holzbalken getrennt. Dieser abgetrennte Bereich zum Familienzimmers war der Stall. Jeden Abend wurden die Tiere ins Haus gebraucht, um sie vor dem Wetter und Dieben zu schützen. Ähnlich wie in unseren „alten“ Bauernhöfen lebten Menschen und Tiere unter einem Dach. Die Häuser hatten meist ein Flachdach und waren einstöckig oder hatten im zweiten Stock ein Gästezimmer. Das Gästezimmer konnte aber auch einfach angebaut sein. Folgende Skizze soll das verdeutlichen:

Die Krippen standen etwas vom Stall erhört auf der Ebene des Familienzimmers. Falls die Kühe in der Nacht Hunger hatten, standen sie auf und konnten aus der Krippe essen. Für die Schafe gab es kleineer Krippen, die im Stall standen. Dass Jesus nach der Geburt in eine der Krippen gelegt wurde ist also nicht sehr verwunderlich, noch deutet es auf eine armselige Unterkunft hin.

Nun lautet die Begründung von Lukas, dass Jesus in die Krippe gelegt wurde, weil in der Herberge kein Raum für sie war. Diese Aussage impliziert für uns, dass eine Herberge/Hotel eine Anzahl von Zimmern hat, die alle schon vermietet waren. Doch damit liegen wir nicht ganz richtig. Das Wort Herberge ist etwas irreführend. Das griechische Wort (katalyma), das Lukas an diese Stelle verwendet ist nicht das Wort für ein professionelles oder wirtschaftlich betriebenes Hotel, sondern meint ein Ort zum Übernachten oder Verweilen. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter verwendet Jesus ein anderes Wort, welches auf ein Hotel hindeutet. In einem privaten Haus meint katalyma letztlich das Gästezimmer. Bezogen auf Jospeh und Maria bedeutet das also, dass bei der Familie, die sie aufgenommen haben, dass Gästezimmer schon voll war und sie mit ins Familienzimmer mussten.

Das Familienzimmer wird dann für die Geburt eingerichtet gewesen sein. Die Hebamme und einige Frauen werden Maria bei der Geburt zur Seite gestanden haben. Alles andere wäre unnormal gewesen. Die Vorstellung, dass Maria ganz allein nur mit Joseph an ihrer Seite das Kind in einem Stall zur Welt gebracht hat, kann unmöglich stimmen. Maria hatte die Unterstützung durch die Dorffrauen.

Zu beschäftigt um die Schönheit des Lebens zu entdecken?

Die Ausgangssituation

An einem kalten Morgen im Januar 2007 spielt eine Mann auf seiner Geige 45 min. ein paar Stücke von Bach in einer U-Bahnstation in Washington, DC.  In dieser Zeit sind ungefähr 2000 Menschen an ihm vorbei gegangen, die meisten auf ihrem Weg zu Arbeit. Was hat er alles erlebt?

Nach drei Minuten:
Ein Mann im mittleren Alter bemerkt, dass jemand Musik spielt. Er verlangsamte seinen Gang, stoppte für ein paar Sekunden um dann schnell weiterzugehen.

4 Minuten später:
Der Geiger nimmt seinen ersten Dollar ein. Eine Frau warf das Geldstück in seinen Hut und ohne zu stoppen ging sie weiter. 

Weniger später:
Ein junger Mann lehnte sich gegen eine Wand und hört dem Geiger zu. Dann schaut er auf seine Uhr und geht weiter. 

Nach 10 Minuten:
Ein kleiner Junge stellt sich vor den Geiger, um ihn zu beobachten. Die Mutter ermahnt ihn weiterzugehen und als er nicht gleich kommt greift sie mit ihren Händen nach ihm und zieht ihn zu sich und sie gehen weiter während der Junge der Musiker nachschaut. 

Nach 45 Minuten:
Nur sechs Menschen sind stehengeblieben und haben ein Weile zugehört. Ungefähr 20 haben ihm Geld gegeben, dabei aber ihre normalen Geschwindigkeit nicht verlangsamt.  32 Dollars hat der Musiker eingenommen.

Nach 1 Stunde:
Der Geiger hört auf zu spielen. Niemad bemerkte es. Keiner applaudierte. Niemand schien es etwas bedeutet zu haben am morgen in der U-Bahn mit Musik begrüßt zu werden.

Der Geiger war Joshua Bell, einer der größten Musiker der Welt. Er spielte eines der schwierigsten Musikstücke die je geschrieben wurden auf einer Geige die $3.5 Millionen Dollar wert ist. Zwei Tage zuvor hat er im ausverkauften Theater von Bosten gespielt. Die Eintrittskarten kosteten im Schnitt $100. Joshua Bell spielte an diesem Morgen inkongnito im Rahmen eines Experimentes der Washington Post über Wahrnehmungsvermögen, Geschmack und Prioritäten.

Wärst du stehen geblieben?

Wie viel Schönheit und Lebensmut verpassen wir weil wir einfach zu gestresst sind?

(Den Orginalartikel kann man hier finden.)

Storytelling: Die Wirkung von Geschichten und ihr Einsatz in der Predigt

Das Thema „Storytelling“ ist in den letzten Jahren in Mode gekommen. Ein Blick auf die deutschsprachige Literatur zeigt, dass gerade der Nutzen von Geschichten im Bereich des Marketings und im Management von Unternehmen entdeckt wurde. Vereinzelt werden auch die Möglichkeiten von Geschichten im Kontext von Pädagogik und der Theologie diskutiert. Im Bereich der (praktischen) Theologie finden Geschichten bisher kaum Beachtung. Hauptsächlich im Kinderdienst wird der Nutzen von Geschichten thematisiert. In der englischsprachigen Literatur wird das Thema breiter diskutiert und der Nutzen in anderen Bereichen der Theologie aufgezeigt, wie z. B. in der Predigt

Diese Arbeit will den breiten Nutzen von Geschichten in der Theologie und Mission (Reich-Gottes-Arbeit) aufzeigen und dafür werben, Geschichten einzusetzen. Sie will grundlegend zeigen, was Geschichten bewirken und leisten können.

Dass durch Geschichten positive Effekte erzielt werden können, wie z. B. eine verbesserte Merkbarkeit, wird wohl kaum einer bestreiten. Doch wie sieht es in der Realität aus? Wie werden Geschichtenpredigten von den Gottesdienstbesuchern aufgenommen? Wollen sie nicht lieber eine klar nachvollziehbare  Exegese einer Bibelstelle? Dazu habe ich eine Untersuchung von Storytelling als Predigtstil gemacht (die vielleicht erste und einzige auf diesem Gebiet)

Der Fokus liegt dabei auf der westlichen Welt und ihren Besonderheiten. Deshalb wird aufgezeigt, warum die kulturellen Veränderungen in der westlichen Welt, hin zur sogenannten Postmoderne, den Einsatz von Geschichten begünstigen. In den weniger entwickelten bzw. gebildeten Kulturen ist eine narrative Verkündigung des Evangeliums aufgrund der Mündlichkeit der Kultur zwangsläufig.

Storytelling kann bei mir als Ringbuch für 15 € zzgl. Porto (2 €) erworben werden oder kann kostenlos als e-Book gedownloadet werden.

abgespeist

Werbelügen und Etikettenschwindel sind leider Gang und Gäbe. Und wir sind bestimmt alle schonl darauf hereingefallen. Daher ist Wachsamkeit geboten.

Beim Einkaufen im Supermarkt gilt: Nicht alles glauben, was auf der Packung steht. Denn die Lebensmittelindustrie ist besonders gut darin den Verbraucher zu täuschen. Was nicht alles gesund, frisch, bio oder natürlich ist !?

Die foodwatch-Kampagne „abgespeist“ entlarvt Werbelügen und Werbelyrik und verpackt sie inamüsant-informative Werbeclips. Hier sind zwei davon:

1. Über die Aktion „Goldener Windbeutel“

2. Über ein vitaminreiches Produkt der Marke Stork:

Tu’s trotzdem!

Tu’s trotzdem!

Manche Leute sind unvernünftig, unlogisch und egoistisch; vergib ihnen trotzdem.

Wenn du freundlich bist, werden Leute dir selbstsüchtige und versteckte Motive vorwerfen; sei trotzdem freundlich.

Wenn du erfolgreich bist, wirst du einige falsche Freunde und einige wahre Feinde gewinnen; sei trotzdem erfolgreich.

Wenn du offen und ehrlich bist, wird es wahrscheinlich Leute geben, die dich betrügen; sei trotzdem offen und ehrlich.

Wenn du froh und heiter bist, wird es wahrscheinlich Leute geben, die neidisch und eifersüchtig sind; sei trotzdem fröhlich.

Was du in Jahren aufbaust, könnte jemand in einer Nacht zerstören; baue trotzdem.

Das was du heute Gutes tust, mögen die Leute morgen schon wieder vergessen haben; tue trotzdem Gutes.

Gib der Welt das Beste, was du hast – und wenn es auch nie genug ist; gib der Welt trotzdem das Beste, was du hast.

Siehst du, im Endeffekt geht es nur um dich und Gott;
es ging eigentlich auch nie um dich und die Anderen.

(Dieser Text ist in die Wand in einem der Kinderheime von Mutter Theresa in Kalkutta eingraviert.)

Do it anyway!

People are sometimes unreasonable, illogical and self-centered;
forgive them anyway.

If you are kind, people may accuse you of selfish and ulterior motives;
be kind anyway.

If you are successful, you will win some false friends and some true enemies;
be successful anyway.

If you are honest and frank, people may cheat you;
be honest and frank anyway.

If you find serenity and happiness, people may be jealous;
be happy anyway.

What you spend years building, someone could destroy overnight;
build anyway.

The good you do today, people may forget tomorrow;
do good anyway.

Give the world the best you have, – and it may never be enough;
give the world the best you’ve got anyway.

You see, in the final analysis, it’s all between you and God;
it was never between you and them anyway.

(Engraved on the wall of her home for children in Calcutta)

Vergebung

Hier mal ein praktisches und mutmachendes Beispiel von Vergebung und Versöhnung. Zwei Frauen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, überwinden Barrieren und fangen an zuzuhören anstatt vorzuverurteilen. Daraus entsteht eine Freundschaft.

„Phyllis Rodriguez and Aicha el-Wafi have a powerful friendship born of unthinkable loss. Rodriguez‘ son was killed in the World Trade Center attacks on September 11, 2001; el-Wafi’s son Zacarias Moussaoui was convicted of a role in those attacks and is serving a life sentence. In hoping to find peace, these two moms have come to understand and respect one another.“ (Quelle: TED)