Die Weihnachtsgeschichte ist eine der bekanntesten und beliebtesten Geschichte der Bibel. An jedem Weihnachtsgottesdienst wird in den Kirchen ein Krippenspiel aufgeführt.  Auch wenn sich die Aufführungen unterschieden geht es meint u.a. die schwierge Suche von Joseph und Maria nach einer Unterkunft. Doch war ihre Suche wirklich so schwierig? Ich habe daran erhebliche Zweifel.

Grund 1: Das Dorfleben im Nahen Osten darf nicht mit unserer stark individualistischen Gesellschaft verglichen werden. Man kannte sie sich und wusste übereinander Bescheid. Es gab viele verwandtschaftliche Beziehungen und auch wirtschaftlich war man aufeinander angewiesen.  Joseph ist in seine Heimatstadt gereist. Seine Vorfahren haben dort gelebt und in der Vergangenheit das Dorfleben  mitgeprägt. Er oder zumindest seine Vorfahren kannte man. Allein von daher ist es äußerst ungewöhnlich, dass niemand sie aufnahm. Gerade wenn man bedenkt, dass Gastfreundschaft eine der höchsten Werte war.

Grund 2: Joseph gehörte zu einer ganz besonderen Familie. Er war königlicher Abstammung und nach unseren Maßstäben damit adelig. Die Familie von David war so berühmt, dass die Stadt sogar nach ihm benannt wurde. Es heißt, dass er „in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt“ reiste (Lk 2,4). Eigentlich ist Jerusalem die Davidsstadt, aber offensichtlich wurde auch Bethlehem so genannt . Als ein Nachkomme David wäre Joseph auf jeden Fall aufgenommen worden.

Grund 3:  Maria war zu der Zeit hoch schwanger. Ihr keine Unterkunft zu geben bedeutet letztlich, dass die Menschen in Bethlehem sich nicht um Schwangere kümmern. Auf hochschwangeren Frauen wurde auch in dieser Gesellschaft Rücksicht genommen. Man war um ihr Wohl besorgt. Daher haben die Dorfbewohner mit Sicherheit einen geeigneten Platz für die beiden bereit gestellt. Einer schwangeren Frau Hilfe vorzuenthalten wäre für jeden ein beschämender Akt.

Grund 4: Hätten Joseph und Maria tatsächlich keine Unterkunft gefunden, wären sie  zu Marias Verwandten gegangen. Ihre Cousine Elisabeth, die sie zuvor besucht hatte, wohnte nur unweit von Bethlehem entfernt. Es wäre nur ein logischer Schritt gewesen zu ihnen zu gehen und bei ihr das Kind zu gebären. Doch das haben sie nicht getan.

Dass Joseph und Maria unter Zeitdruck standen, wie aus den Krippenspielen bekannt, entspricht nicht dem Textbefund des Neuen Testamentes. Lukas berichtet, dass die beiden sich auf den Weg nach Bethlehem machten (4) und als sie dort waren ihre Tage erfüllt waren (6). Viele Christen denken, dass Jesus noch in der Nacht ihrer Ankunft geboren wurde. Doch die Zeit in Bethlehem wird in der Bibel nicht näher beschrieben. Es wäre auf jeden Fall ungewöhnlich, dass die beiden die Schwangerschaft bei ihrer Reiseplanung nicht berücksichtigt haben.

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