Das ist der dritte Teilo meiner Serie über die Geschichte vom verlorenen Sohn.  Zum ersten Teil auf HIER klicken und zum zweiten Teil gelangen sie, wenn sie auf DORT klicken.

Die zweite Geschichte

 8 Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht, wenn sie eine Drachme verliert, eine Lampe an und kehrt das Haus und sucht sorgfältig, bis sie sie findet?  9 Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und spricht: Freut euch mit mir! Denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte.  10 So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“

In der zweiten Geschichte geht es um eine Frau die eine Silbermünze verloren hat. Wieder geht es um verlieren, suchen und finden. Erstaunlich ist, dass Jesus in dieser Geschichte eine Frau zur Protagonisten macht. Wenn Jesus der gute Hirte ist, dann ist Jesus auch die gute Frau. Die Zuhörer sollten diese Schlussfolgerung ziehen. Der Mensch ist als Mann und Frau Gottes Ebenbild. Gott vereint weibliche und männliche Attribute. Daher kann Jesus sich als Frau sehen.

Diese Frau besitzt zehn Münzen. Es handelt sich vermutlich um eine Drachme, eine 4,3 Gramm schwere silberne griechische Münze. Ein solche Münze ist der gängige Tageslohn eines Arbeiters.

Es gibt zwei Möglichkeiten in Bezug auf den kulturellen Hintergrund der Geschichte. Eine Möglichkeit ist, dass die Frau die Münzen an einer Kette um den Hals trug. Dieser Schmuck wird als „Frauenbank“ bezeichnet. Es ist ihr weltlicher Besitz und ihre finanzielle Sicherheit, wenn der Mann sich von ihr schieden lässt oder stirbt. Eine dieser Münzen wäre dann abgefallen und sie hätte ein Teil ihrer Notfallversorgung verloren. Die zweite Möglichkeit scheint mir aber wahrscheinlicher. Bäuerliche Frauen trugen ihr Münzgeld in einem fest geknoteten Lappen bei sich. Damit konnten sie Essen besorgen und für den Unterhalt der Familie sorgen. Die Höhe der Summe deutet darauf hin, dass das Geld für eine längere Zeit (1-2 Wochen) reichen musste. Der Knoten hatte sich wohl gelöst und eine Münze ist herausgefallen. Eine Unachtsamkeit, für die die Frau selbst verantwortlich war. Sie hatte den Knoten nicht fest genug zugebunden.

Die Dorfhäuser in der Gegend Galiläa bestanden normalerweise aus Kalkpflaster oder aus glatten, ungehauenen Steinen aus schwarzem Basalt. Bei solchen Materialien entstanden mit der Zeit Risse im Boden, in die das Geld leicht fallen konnte. Das erschwerte die Suche natürlich. Hinzu kam, dass die Wände aus tiefschwarzem Basalt bestanden, die die Räume sehr dunkel machten. Auch durch die engen Fenster kam wenig Licht in die Wohnung. Daher musste die Frau ihre Lampe anzünden.

Und so suchte die Frau voller Energie in ihrem Haus nach der einen Münze. Sie wird sich sicher gewesen sein, dass sie die Münze nur im Haus verloren haben konnte. Das Bild vom Haus wählt Jesus mit gutem Grund. Die verlorene Münze steht für die verlorenen Sünder. Und sie gehören genauso zum Haus Gottes. Sie waren/sind Teil des Reichtums Gottes und sie konnte wiedergefunden werden. Wenn Jesu Kritiker auch suchen würden, könnten sie sie wieder zurückbringen. Stattdessen wenden sie sich verächtlich von ihnen ab.

Die Frau kann für den Verlust ihres Geldes mehr verantwortlich gemacht werden als der Hirte für das Verschwinden des Schafes. 100 Schafe im unwegsamen Gelände zu überblicken ist eine weitaus schwierigere Aufgabe als auf einen zusammengeknoteten Lappen aufzupassen. Die Frau hat dagegen keine Ausrede. Sie hat es verbockt. Wahrscheinlich hat sie sich selbst Vorwürfe gemacht: Wie konnte mir das passieren? Warum war ich unachtsam? Daher übernimmt die Frau auch die volle Verantwortung. Während der Hirte indirekt spricht: „mein Schaf, dass verloren war“ (6), spricht die Frau ganz offen über ihren Fehler: „ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte“ (9).

Wie der Hirte rief auch die Frau ihre Nachbarn und Freunde zusammen, um den Fund zu feiern. Auch hier kommen die kulturellen Sitten zum Vorschein. Die Frau feiert mit Frauen, während der Hirte mit Männern feiert. Nach den kulturellen Sitten wäre es für beide unangebracht gewesen mit dem jeweilig anderen Geschlecht zu feiern. Für die Frau war die wiedergefundene Münze ein Grund zu feiern. Einen ganzen Arbeitslohn aufgrund einer Dummheit zu verlieren war ein echtes Ärgernis. Die Freude bei ihr ist sehr verständlich. Und ist es nicht schön „Siege“ zu feiern? Ja, ähnlich wird es auch bei einem Zöllner sein, der zu Gott findet. Es löst große Freude aus, die in einer Feier ihren Ausdruck findet.

Buße ist auch in dieser Geschichte ein sich findenlassen. Das Schaf konnte aufgrund seines mangelnden Orientierungssinn nicht zurückfinden oder zumindest war es fast ausgeschlossen. Während das Schaf sich irgendwie fortbewegen konnte, lag die Münze einfach herum. Hätte die Frau nicht gesucht, würde die Münze noch immer unentdeckt irgendwo im Haus liegen. Vielleicht würde sie irgendwann ein Archäologe finden, aber dann auch nur, weil er Sucher ist. Gott ist ein Sucher! Er sucht, um zu finden und zurückzuholen. Und Gott liebt die Party. Für jeden Gefundenen schmeißt er eine Sause.

Das war die zweite Geschichte. Ihr findet sich eine zweifache Steigerung, die in der dritten und letzten Geschichte nochmals getoppt wird. In der ersten Geschichte ist das Verhältnis des Verlustes 1:100. In der zweiten Geschichte dann schon 10:1 und in der dritten Geschichte handelt es sich um einen von zwei. Die zweite Steigerung bezieht sich auf den Ort. In der ersten Geschichte befindet sich das verlorene Schaf in der Wüste. Die verlorene Münze befindet sich irgendwo im eigenen Haus. Die beiden Söhne in der dritten Geschichte sind verloren, weil sie aus dem Einflussbereich der Liebe des Vaters getreten sind.

Zur dritten Geschichte, der Geschichte vom verlorenen Sohn, und damit den nächsten Teil der Serie geht es HIER.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.