Ich verfolge mit großem Interesse den Lausanne Kongress in Kapstadt. Dank moderner Technik (Internet) können Referate zeitnah gelesen und Streams angeschaut werden. In einem Referat berichtet Antoine Rutayisire aus Ruanda, der Mitglied der Komission Nationale Einheit und Versöhnung ist, davon, dass sich vor dem Krieg etwa 90% als Christen verstanden. Es gab postive geistliche Entwicklungen im Land mit Einfluss auf die Nachbarländer. Daher muss die Frage gestellt werden: Wie konnte es unter diesen Umständen 1994 zum Genozid kommen? Auch wenn viele sog. Namenschristen waren, war doch ein großer Prozentsatz Kirchgänger. Was lief also falsch unter den Christen/ in den Kirchen? Rutayisire sieht vier Gründe:

1. Fehlende Kontextualisierung des Evangeliums

Die Missionare missachteten die Sorgen und Nöte der Bevölkerung. Sie stießen auf eine Nation die von den Kolonalisten in drei Gruppen (Hutus, Tutsis und Twas) eingeteilt wurde. Diese Gruppen waren mehr soziale Klassen als ethische Gruppen. Die Macht lag in den Händen der Tutsis. Die Missionare / Verantwortlichen in den Kirchen machten nicht auf diese sozialen Ungerechtigkeiten aufmerksam und konfrontierten die Regierenden nicht, sondern arrangierten sich mit den örtlichen Verhältnissen.

2. Die Vermittlung der Bibel war auf den Intellekt fokussiert

Die Missionare richteten den Fokus in der Vermittlung auf die rechte Lehre anstatt auf das rechte Tun. Sie lehrten die Menschen Bibelverse, Dogmen und Lehrsätze anstatt ihnen konkrete Hilfestellungen für den Alltag zu geben. Ihre Lehre hatte wenig Bezug zu den alltäglichen Sorgen der Menschen. Als dann die Unruhe kamen hatten die Christen wenig Handlungsstategien. Deshalb handelten sie, wie es ihre Väter sie gelehrt hatten.

3. Die Kirche war ein schlechtes Vorbild

Die Missionare selbst waren kein gutes Vorbild, gerade auch im Bezug auf Beziehungen. Unter ihnen gab es Trennungen, Spaltungen und klare denominationelle Grenzen. Dies schuf Abneigungen und die Menschen sahen das Christentum mehr als etwas Trennendes als etwas Vereinendes, ebens als einen weiteren kolonialistischen Import der Trennung schafft.

4. Eine zu enge Verbindung von Kirche und Politik

Die Kirchen, allen voran die Römisch-katholische Kirche arbeiten eng mit den politischen Führungskräften zusammen und beeinflussten ihre Entscheidungen. Das hinderte sie daran einen kritischen Abstand zur Politik zu bekommen und folglich wagten sie nicht mehr die Politik zu kritisieren.

Heute bezeichnen sich in Ruanda wieder 95% als Christen. Doch hat sich was geändert? Antoine Rutayisire sieht Fortschritte. Doch zu wenige predigen Versöhnung und arbeiten darafhn, dass echte Veränderung eintrifft.

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