Methodengläubigkeit

„Der Schüler sagte zu seinem Meister: Ich habe vier Monate bei dir verbracht und noch immer hast du mir keine Methode oder Technik gegeben!“ „Eine Methode?“, fragte der Meister. „Wozu in aller Welt brauchst du eine Methode?“ Und der Schüler sagte: „Um den inneren Frieden zu erlangen“. Der Meister brach in schallendes Gelächter aus und sagte: „Du brauchst tatsächlich großes Können, um dich aus der Falle zu befreien, die Methode heißt“, antwortete der Meister.

(entnommen aus Anthony de Mello, Eine Minute Unsinn, S.34)

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Die Vögel verkünden: Er ist …

Müde und entkräftet sinkt sie auf das Sofa. Sie macht es ja gern. Doch manchmal ist es ihr einfach zu viel. Vor etwa fünf Jahren wachte ihr Mann mit leichten Brustschmerzen auf. Erst dachte er sich nichts schlimmes dabei und lief eine kleine Runde durch die Wohnung. Doch die Schmerzen wurden stärken und als er wieder im Bett lag spürte er ein starkes Druckgefühl hinter dem Brustbein und im ganzen Brustkorb  so als ob jemand auf ihm sitzen würde. Er klagte laut und Elsa versuchte ihn zu beruhigen. Als die Schmerzen sich weiter in den linken Arm, den Hals und den Rücken ausstrahlten, überkam sie das mulmige Gefühl, das es vieles doch etwas schlimmeres sein könnte und der Horrorgedanke des Herzinfarkts schoß durch ihren Kopf. Sie riefen den Krankenwagen und der Verdacht bestätigte sich später im Krankenhaus: Ihr Mann hatte einen Herzinfarkt bekommen von dem er sich nie wieder ganz erholen sollte. Der linke Arm blieb fortan gelähmt und das Leistungsvermögen des Herzes eingeschränkt. Er musste auf seinen geliebten Sport verzichten und konnte sich insgesamt wenig belasten. Mit der Zeit ließ seine Kraft weiter nach und ihr Einsatz nahm zu. Seit dieser Zeit pflegte sie ihn und muss mit ansehen, wie seine Lebensfreude mehr und mehr sinkt. Das setzt ihr zusätzlich zu. An manchen Tagen war ihr alles zu viel und solch ein Tag war heute. Mit dem mobilen Pflegedienst zusammen hatte sie ihren Mann bettfertig gemacht und nun schlief er und sie sank müde und entkräftet ins Sofa. Sie dachte an früher, als ihr Mann noch bei Kräften war. Im Sommer sind sie immer in die Alpen gefahren, um zu wandern. 20-30 km an einem Tag waren keine Seltenheit. Sie hatte es geliebt mit ihm zusammen diese Märsche zu begehen. Was war das für ein tolles Gefühl! In der Natur unterwegs zu sein. Eins mit ihr zu sein. Die Schönheit der Schöpfung zu bewundern tat ihr unheimlich gut. Manchmal sind sie sogar mehrere Tage unterwegs gewesen und haben gecampt. Wie gerne würde sie mal wieder wandern. Natürlich haben auch ihre Kräfte nachgelassen und sie spürte wie ihre Fitness abnahm. Aber kleiner Touren traute sie sich schon zu. Es kligelte. Gabi, eine alte Bekannte aus dem Ort, war am anderen Ende des Apparats. Sie freute sich über ihren Anruf, denn sie hatte schon länger nichts mehr von ihr gehört. Sie waren zwar keine engen Freunde, stammen aber aus dem selben Dorf und sind sich immer wieder über den Weg gelaufen. Ohne von Elsa zu wissen, erzählte ihr Gabi, dass sie vor ein paar Monaten einen Wanderverein gegründet hat und nach Mitstreitern sucht. Da Gabi von Elsas Wanderbegeisterung wusste, dachte sie an sie und ihren Mann. Elsa erzählte ihr von der Krankheit ihres Mannes und wie sie damit kämpfte. Aber auch ihrem Wunsch mal wieder eine Wanderung zu unternehmen sprach sie an. Doch wie sollte das gehen? Elsa musste doch bei ihrem Mann bleiben. Gabi versuchte Elsas Zweifel zu beseitigen und ermunterte sie mal mitzukommen.Der Wunsch sich an der Wanderung zu beteiligen machte sie aktiv. Zum ersten Mal versuchte sie Freunde und Verwandten zu fragen, ob sie sich vorstellen könnten einen Tag auf ihren Mann aufzupassen und siehe da, gleich mehrere Leute sagten zu. Das eröffnete ihr ganz neue Möglichkeiten. Wenn sich das so verhält könnte sie ja immer mal wieder sich einen Tag herausnehmen. Sie war dankbar für Gabi und Gott, der das bestimmt eingefädelt hatte. Eine Woche später ging es los. Nach kurzer Fahrt starteten sie den Tagesmarsch. Anfangs waren ihre Gedanken ständig bei ihrem Mann und ihr  fielen tausend Kleinigkeiten an, die sie ihrer Freundin, die sich um ihren Mann kümmert, mitteilen hätte sollen. Doch die netten Gespräche mit den Leuten vom Wanderverein lenkten sie ab. Die frische Luft tat ihr gut. Sie liefen auf Waldwegen, zwischen Äckern und Feldern quer über Wiesen und Elsa erfreute sich an der Natur. Sie musste sich an ihren Opa erinnern, der gerne mit ihr spazieren gegangen ist und ihr dabei die Namen der Pflanzen und Vögel beigebracht hatte. Noch heute profitiert sie von diesem Wissen. Buchfinken, Goldammer und sie konnte es kaum glauben, sogar einen Pirol konnten ihre Augen erblicken. Was für ein Geschenk! Sie liebte Vögel. Ob nun das Buchfink-Männchen mit seinem blaugrauen Oberkopf und Nacken, der braunroten Unterseite und seinem stahlblaue Schnabel oder der Pirol mit seinem rosafarbenem Schnabel und dem grell gelben Rumpf und schwarze Flügeldecken, die mit einem gelben Fleck am Flügel versehen sind. Gottes Kreativität und Phantasie wurde ihr dabei deutlich. Mehr und mehr verspürte sie die Lust mit Gott zu reden. Sie lies sich ans Ende der Wandertruppe fallen und fing an Gott zu danken: für die Natur, die Kraft, die er ihm jeden Tag gibt und das sie diesen Tag erleben darf. Sie fühlte sich ihm nahe. Es schien als spräche er durch jede kleine Pflanze und jeden erdenklichen Vogel, den sie zu Gesicht bekam. Die Berge verkünden er ist Herr, sie summt leise diesen bekannten Song und dichtet ihn für sich um in „die Vögel verkünden er ist Herr“. Dabei musste sie schmunzeln. Die Vögel! Sie bringen sie zum lobpreisen. Wohin sie auch schaute, alles so einzigartig und wunderschön. Doch die Vögel gingen ihr nicht mehr aus dem Kopf. Was hatte Jesus nochmals über sie gesagt? Er versorgt sie und das obwohl sie nicht sähen. Und ist der Mensch nicht viel wertvoller als ein Tier? Der Vergleich sprach zu ihr. Wenn Gott schon diesen Vogel versorgt hat, wie viel mal mehr dann sie. Sie war gerührt. Die Zusage rutschte in ihr Herz und gab ihr Mut und Zuversicht. Die Vögel! Gott spricht durch sie zu ihr. Nach einer Weile schloss sie gut gelaunt wieder zur Gruppe. Als dann ihre Bekannte sie fragte, was denn los sei, sie strahle so, wusste sie dass es real war. Sie und Gott sind sich begegnet. Eine Begegnung die ihr Kraft gab, die Mühen des Lebens zu ertragen und in dem nicht zu verzagen.