Geburtstag: 2 Jahre bloggen

Ich feiere ein kleines Jubiläum. Seit nunmehr zwei Jahren bin ich mit meinem Blog am Start und komme noch immer ganz treu zu meinen Beiträgen. Es tut mir gut manche meiner Gedanken hier zur Diskussion zu stellen. Dadurch mache ich mir im Vorfeld deutlich mehr Gedanken.

Ich hoffe auch weiterhin meine Leser in irgendeiner Form zu inspirieren und mit meinen Gedanken weiterzuhelfen.

An dieser Stelle ein kleiner Dank an alle meine Leser und Kommentarschreiber. Es gibt soooooooooo viele Blogs. Dass ihr gerade auch meinen lest freut mich sehr.

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Damit wurde es auch Zeit mal wieder mein Theme zu wechseln.

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Deltatreffen Okt. 09

Vergangenes Wochenende war ich auf dem Delta-Treffen. Zusammen mit Holger habe ich das Wochenende organisieren und auch mitverantworten. Erfreulicherweise kammen wieder ein paar Neue und so kamen wir zusammen mit den Kindern auf eine stattliche Zahl von fast 60 Teilnehmer/-innen. Beim Deltatreffen kommen Menschen zusammen, die mit Jesus unterwegs sind, die offen für Veränderungen sind und nach neuen Wegen. Immer mehr Christen hinterfragen die institutionalisierte Gemeinde. Sie kommen mit deren Systemen und Hierarchien nicht mehr ganz zurecht. In fast allen Gesprächen höre ich den starken Wunsch nach mehr Gemeinschaft und authentischen Beziehungen heraus. Wie kann das umgesetzt und gelebt werden – innerhalb von Gemeinde und außerhalb?  Ziel der Delta-Treffen ist es eine Plattform für Begegnung und Entwicklungsimpulse zu sein.

Am Freitagabend habe ich ein Impulsreferat zum Thema Teilen gehalten. Der Wunsch nach mehr Gemeinschaft ist da, doch schnell werden wir dabei mit unserer sehr individualistischen Prägung konfrontiert. Besonders dann, wenn die Gemeinschaft familiärer wird. Wenn wir darüber reden, wie wir Gemeinschaft leben wollen, dann muss zur Sprache kommen, was wir bereit sind mit anderen Menschen zu teilen. Was sind unsere Erwartungen an die anderen und wo liegen unsere persönlichen Grenzen? Dazu habe ich am Samstagvormittag auch ein Barcamp gemacht mit für mich wichtigen Fassetten für mein Leben.

Bei den Essens, Chill- und Freizeitzeiten durfte ich viele gut Gespräche führen und mich mit genialen Menschen unterhalten. Es tut mir gut und inspiriert mich die Geschichten von so unterschiedlichen Menschen zu hören. Ich freu mich auf das nächste Mal.

Für alle die twittern unser Hash-Tag war #dt09 und #deltatreffen.

Geschichte zum Jahr der Stille: Julias Tag

Diese folgendene Geschichte habe ich für die neuste klartext-Ausgabe, der Bibellesezeitschrift des Bibellesebunds für junge Erwachsene, geschrieben. Damit beteilige ich mich auch am Jahr der Stille. Die Geschichte ist zudem Ausdruck meines Anliegens Theologie (theologische Inhalte) narrativ, also erzählend, zu vermitteln. Gefällt sie euch?

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Eine Stunde noch! Wie sollte sie das alles noch erledigen? Duschen, essen, E-mail an den Prof schreiben, sich mit einer Studienkollegien wegen des morgigen Vortrags abstimmen und dann noch den Hauskreis vorbereiten. Stress pur. Julia hasste solche Tage. Morgens schon gleich mal verschlafen, gerade noch rechtzeitig zur Vorlesung erschienen, die sich als superlangweilig herausstellte und die Frage aufwarf, warum sie nicht gleich im Bett geblieben ist. Im Anschluss hatte sie dieses wichtige Gespräch mit dem Prof über die Abschlussarbeit. Nach anfänglichem Zögern konnte sie ihn doch von ihrem Thema überzeugen. Ein kleiner Erfolg! Gutgelaunt hetzte sie dann zum Cafe, wo sie sich mit einer Freundin zu einem Kaffee Latte Crema traf. Wieso hatte sie sich eigentlich beeilt, wo doch ihre Freundin – wie nicht anders zu erwarten – zu spät kam? Gleich nach der Bestellung kam der erste Anruf. Stöhn! Nach dem dritten Anruf hatte sie es endlich geschafft das Handy abzuschalten. Warum auch alle immer was von ihr wollen? Die Stunde verging viel zu schnell. Die Nachmittagsvorlesungen standen an. Oh man, manche Dozenten können sich so geschwollen, unverständlich ausdrücken und machen das Zuhören zur Tortur. Völlig erledigt kam Julia zu Hause an, um festzustellen, dass nur noch eine Stunde Zeit blieb bis zum Hauskreis. Ach ja und mit Abwasch wäre sie diese Woche auch noch dran gewesen.

Wie sagt man so schön: Besondere Situationen erfordern besondere Lösungen. Julia kam pünktlich zum Hauskreis, allerdings ohne Vorbereitung. Ihr Leben machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Es gibt eben solche Tage. Während die anderen sich gerade begrüßten, kam ihr zum ersten Mal der Gedanke, dass ihre Situation nicht blöd ist, sondern sogar eine Chance. Ging es nicht oft den anderen auch so? Rastlosigkeit und Geschäftigkeit nehmen einen gefangen. Oft regieren nur Stress und Hektik. Stille wäre jetzt nötig, aber wir kommen so selten dazu. Lag darin vielleicht die Gelegenheit? Die anderen waren schon gespannt auf Julias Beitrag. Sie fing einfach an, von ihrem Tag zu erzählen, von ihrer Geschäftigkeit, dem Trubel, der sie schon fast das erfolgreiche Gespräch mit ihrem Prof vergessen ließ. Julia spürte, wie die anderen sich in ihrem Tag wiederfanden. Lass uns doch einfach jetzt eine Zeit der Stille haben und auf Gott hören, schlug sie vor, was sogleich Zustimmung fand, denn den anderen wurde klar, dass sie eigentlich alle Sehnsucht nach Ruhe hatten! Sie lässt sich in unseren Tagen immer schwerer finden, weil Lärm, Hektik, Verpflichtungen und die vielen Termine sie von außen bedrohen, die ersehnte Stille. Und was passierte, überraschte Julia. Während der ersten Minuten fiel es ihr schwer einfach mal nichts zu tun und nichts zu denken, sondern sich auf Gott zu konzentrieren. Sie wurde schon ungeduldig, bis sie verstand, dass sie sich entspannen und Gott die Zeit überlassen musste. Mit der Zeit wurde sie immer ruhiger und die Stille tat ihr gut. Ihr kam nun der Psalm 23 in den Sinn. Sie schlug ihre Bibel auf und las den Psalm laut vor. Er berührte sie. Gott ist mein Hirte. Er führt mich zu den frischen Wasserbächen. Gehen wir mit? Ist es nicht oft so, dass wir in unserer Hektik kein Ohr mehr für Gott haben und so auch die Auen (übertragen: die Stille) verpassen, die uns so gut tun würden? Alle gingen gestärkt aus dieser Zeit. Wie können wir Stille in unseren Alltag bringen? Julia gab allen diese Frage mit nach Hause.

Gebetstour: Entlang der ehem. innerdeutschen Grenze

9. November 1989: An diesem Tag findet in Deutschland der Kalte Krieg ohne einen einzigen Schuss sein definitives Ende. Der Eiserne Vorhang, der die Welt geteilt und Berlin mit einer Mauer getrennt hatte, hebt sich. Die Grenze zwischen Ost und West gehört der Geschichte an.

20 Jahre später: Voller Dankbarkeit wollen wir auf die Ereignisse von damals zurückblicken, aber wir wollen uns nicht untätig zurücklehnen. Ost und West sind auf der Landkarte geeint, doch in den Herzen sind wir weit davon entfernt. Die Wiedervereinigung vollzog sich in rasendem Tempo. Die meisten Deutschen hat dies völlig überfordert, viele sind übergangen worden und fühlen sich als Verlierer, doch andere haben die Einheit als Chance wahrgenommen und genießen nun die Freiheit. Wie steht es mit der Aufarbeitung dieser 40jährigen Episode deutscher Geschichte? Hier sehen wir noch viel Nachholbedarf.

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Fotograf: Frederik Ramm – http://www.remote.org/frederik/culture/berlin

Die Zahl 40 steht in meinen Augen für eine Buß-, Bewährungs- und Offenbarungsfrist: 40 Tage hatte Ninive Zeit, um umzukehren und Buße zu tun (Jona 3); 40 Jahre musste sich das Volk Israel in der Wüste bewähren, ehe es in das neue Land durfte (2Mo 16,35); 40 Tage verbrachte Mose auf dem Berg Sinai und empfing dort die 10 Gebote (2Mo 24,18) und 40 Tage wirkte Jesus zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung auf der Erde und lehrte die Jünger (Apg 1,3).

Vor 20 Jahren hat Gott unser Land verändert und uns in eine neue Ära geführt. 20 Jahre stehen symbolisch für die Halbzeit. Was hat sich getan? Was muss noch geschehen?

Gott hat mir die Ost-West-Thematik aufs Herz gelegt. 2009/2010 steht für mich im Zeichen von 20 Jahren Mauerfall. Gott hat mich gerufen, meinen Fokus im Gebet darauf zu richten. Als gebürtiger Westdeutscher, der vor fast acht Jahren nach Ostdeutschland gezogen, bin ich mit der Thematik konfrontiert. Mein Bild von Ostdeutschland und den dort lebenden Menschen hat sich über die Jahre verändert. Wir sind ein Volk, auch wenn wir verschieden sind. Es gibt nicht den starken Westen und den schwachen Osten. Wenn wir zusammen die Geschichte anschauen und aufarbeiten werden wir uns mehr verstehen lernen und uns gegenseitig befruchten. Es gibt viel zu entdecken und die nächsten Monate Zeit sind eine große Chance dafür, auch für das Evangelium.

In diesem Zuge habe ich mich auch mit der Rolle der Kirche während der Friedlichen Revolution beschäftigt. „Das Licht kam aus der Kirche“heißt es treffend. In den Kirchen trafen sich über Jahren Menschen zu Gebet. Später gingen sie mit Lichtern auf die Straßen und forderten „keine Gewalt“. Das hat mich bewegt. Wie in den Kirchen gebetet und Lichter angezündet wurden, so will auch ich an Plätzen der ehemaligen Grenze für Frieden beten, für das Wunder der Friedlichen Revolution danken und bitten, dass die Revolution weiter geht (in Anlehnung an die Rede von Werner Schulz im Leipziger Gewandhaus).

Gemeinsam mit ein paar Mitstreitern werde ich mich auf den Weg machen, um vom 5.11-10.11 die ehemalige innerdeutsche Grenze mit dem Auto abzufahren. Dabei geht es nicht einfach um eine Stritztour, es soll eine bewusste Zeit des Gebets, des Hinhörens und Miterlebens sein. Ich glaube, dass Gott dieses Projekt segnen wird. An den Originalschauplätzen zu stehen entwickelt eine ungleich größere Kraft, als von zu Hause aus zu beten. Wir werden in der Nikolaikirche in Leipzig starten, die als Stadt eine bedeutende Rolle spielte. Enden wird unser Trip in Berlin, wo wir in die Feierlichkeiten des 9. November, mit einem großen „Fest der Freiheit“ zu beiden Seiten des Brandenburger Tores, eintauchen werden. Höhepunkt dieses Events bildet die spektakuläre multimediale Inszenierung des symbolischen Falls der Mauer durch einen „Dominoeffekt“. Tausende Jugendliche werden sich im Vorfeld mit den historischen Hintergründen beschäftigen und überdimensionierte Steinmodelle bemalen, die sie an diesem Tag gemeinsam mit prominenten Künstlern, Kulturschaffenden und Politikern zum Einstürzen bringen.

www.mauerfall09.de

www.mauerfall-berlin.de

www.ostdeutschland.wordpress.com