Der Ausdruck „Prophetenschule“ kommt in der Bibel selbst nicht vor. Mit ihm soll hier eine Bewegung im Alten Israel beschrieben werden. Die Bibel berichtet im Alten Testament von „Söhne der Propheten“ (z.B. 2Kön 2,3) oder „Prophetenschüler/Prophetenjünger“ (2Kön 9,6; 1Kön 20,35). Die Bezeichnung „Söhne der Propheten“ meint nicht automatisch die leiblichen Söhne von Propheten, sondern drückt vielmehr Zugehörigkeit aus.

Die Prophetenschulen wurden von Samuel zur Schulung der Propheten gegründet. Sie befassten sich mit der Entwicklung des Prophetischen (1Sam 19,20). Desweitern kommt diese Erscheinung nur noch bei Elias und Elisa vor. Bei den späteren Propheten lesen wir nichts mehr von sogenannten Prophetenschulen. Prophetenschulen können nicht mit heutigen Schulen oder auch theologischen Seminaren vergleichen werden. Insofern kann der Begriff Schule irreführend sein. Diese Prophetenschüler (zwar berichtet die Bibel im Zusammenhang von Prophetenschulen nur von Männern, dennoch ist nicht auszuschließen, dass auch Frauen zu ihnen gehörten, schließlich berichtet die Bibel auch von Prophetinnen) standen in besonderer Gemeinschaft mit einem großen Propheten. Dieser unterrichtet sie, so dass er sie für prophetische Aufträge nutzen konnte (1Kön 20,35-43; 2Kön 9,1) und somit halfen sie ihm. Die dort ausgebildeten Männer zogen also u.a. durch das Land und verkündigten den Menschen den Willen Gottes. Mancher erhielt weitere Offenbarungen, mancher nicht. Vieles über ihren Dienst bleibt im Dunkeln, denn die Bibel überliefert kaum etwas. Die Prophetenjünger werden eine Berufung von Gott zum Propheten gehabt haben und sich dieser Gemeinschaft angeschlossen haben. Sie lebten an einigen Orten im Süden des Reiches Israel. Dort scheinen sie sich zu einzelnen Kongregationen zusammengeschlossen zu haben (2Kön 6,1-4). Sie lebten wohl ein eher armseliges Leben. Einmal ist von Verschuldung die Rede (2Kön 4,1-7). Das Lernen in den Prophetenschulen erinnert damit eher an die rabbinische Lehrweise, als an das heutige Schulsystem. Im Teilen des Lebens lernten sie unter der Führung eines „Oberpropheten.“ Ihr Lebensstil trennte sie nicht von der Gesellschaft. Ihr Interesse an den öffentlichen politischen Angelegenheiten in Israel war unvermindert. Sie ergaben sich nicht in privater Kontemplation, sondern griffen ins öffentliche Leben ein.

Gerhard von Rad macht folgende Beobachtung über die Bedeutung dieser Bewegung „Hier war letztlich der Ort, von dem jene ungeheure Radikalisierung des Jahweglaubens und seines Gottesrechtes ausging, der wir bei den späteren Propheten begegnen. Hier wurde das Fundament gelegt für jene rätselhafte soziale und wirtschaftliche Unabhängigkeit, für jene Freiheit von irgendwelchen standesbedingten Rücksichten, die die undiskutierte Voraussetzung für das Auftreten der späteren Propheten war und von der diese Späteren wie von einem großen Kapitel zehrten, das von jenen Deklassierten für sie bereitgestellt worden war.“

Im Neuen Testament spricht Petrus in seiner Pfingstrede sein Volk als „Söhne der Propheten“ (Apg 3,25) an und letztlich kann das auch auf alle Jesus-Nachfolger ausgeweitet werden. Wer zum größten aller Propheten gehört, ist ein Sohn oder eine Tochter von ihm und kann von ihm hören. Und in dem gibt es dennoch Menschen, die von Gott besonders begabt und als Propheten berufen sind. Ich frage mich, ob es nicht auch in unserer Zeit Gruppen von Propheten geben sollte. Gruppen, die voneinander lernen, sich ermutigen und gemeinsam agieren, um eine prophetische Stimme im Land zu sein.

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