Eine Frage der Wahrnehmung

Wo ist Gott? Ich kann ihn gerade nicht sehen, nicht fühlen, nicht spüren. Er ist so weit weg! Gott, wo ist Gott? Wenn es ihn gibt muss man ihn doch wahrnehmen können. Doch was sehe ich? Was spüre ich? Was erlebe ich? Schau doch in die Welt, wo soll da Gott sein! – Ja, genau das ist es. Wir müssen hinschauen und zwar genau. Menschen sehen sich dasselbe an und sehen Unterschiedliches. Menschen machen dieselbe Erfahrung und nehmen sie völlig anders wahr. Menschen sind derselben Meinung und kommen zu verschiedenen Schlüssen. Ist es nicht so auch mit Gott?

Lasst uns den Menschen ansehen: (A) Ein Mensch ist ein Wesen mit einem Körper der zu 60 bis 70 % aus Wasser, etwa 20 % Proteinen, 15 % Fetten und 5 % Mineralen und anorganischen Stoffen besteht. Sein Körper lässt sich anatomisch strukturieren in einen Stütz- und Bewegungsapparat, die inneren Organe, das Nervensystem und die Sinnesorgane. (B) Der Mensch ist ein beeindruckend genial gemachtes Geschöpf Gottes, das seine Größe, Kreativität, sein Wissen und Können demonstriert.  Lass uns ein Material wie Gold betrachten: (A) Gold ist ein chemisches Element und Edelmetall. (B) Gold ist ein Material, dass Gott dem Menschen geschenkt hat, um sich daran zu erfreuen. Gott hat es uns nicht gleich in reiner Form gegeben. Nein, er hat es uns entdecken lassen. Und wir mussten durch unzählige Versuche und Experimente herausfinden wie wir es gewinnen können. War das ein Abenteuer? Und schließlich haben sich die Künstler daran gemacht und toben sich an kleinen Klumpen au, um sie zu wunderschönen, prächtigen, edlen Schmuckstücken zu verwandeln. Lasst uns die Musik anschauen: (A) Musik ist die Kunst, Schall zu klanglichen Kunstwerken zusammenzufügen. Musik ist jedoch nicht stets an ein Kunstverständnis geknüpft, so kann jede Tonfolge oder auch Geräusche als Musik angesehen werden. (B) Musik ist doch mehr als Noten, Klang und Tonfolgen. Musik ist Leben, Musik ist Liebe, Musik ist Emotion, Musik ist Rausch, Musik ist Lebensgefühl. Musik drückt so viel aus. Kein Wunder, dass Gott es liebt, wenn wir musizieren. 

Was sehen wir oder nehmen wir wahr wenn wir einen Menschen und ein Stück Gold betrachten oder Musik anhören? Siehst du Gott darin? Siehst du sein Ja zum Leben? Siehst du seine Genialität?Nicht jeder tut es. Wir nehmen die Welt unterschiedlich wahr. Was macht nun den Unterschied? GLAUBE! Glaube sieht (auch) in natürlichen Dingen, Träger des Übernatürlichen. Glaube sieht im Menschen ein Wunder Gottes. Glaube sieht in Gold eine wunderbare Idee Gottes. Glaube spürt in der Musik etwas von Gottes genialem Geschmack. Und was siehst du? Oder was nimmst du wahr?

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Warum erklärt Gott sich nicht?

Es passieren unerwartete Dinge, positive wie negative, die mir rätselhaft erscheinen. Warum muss ich gerade jetzt krank sein, wo doch ein paar wichtige Termine anstehen? Warum ist das Wetter gerade in meiner Ferienwoche fantastisch gewesen und mein Freund hat eine Woche später Kälte und Regen erwischt? Hiob ging es wohl ähnlich. Nachdem er alles verloren hatte, besuchten ihn Freunde um ihm sein Schicksal zu erklären. Mit ihren Antworten kann er nun überhaupt nichts anfangen (zu recht). Und Gott – er schweigt. Der, der es wissen müsste, hält sich raus. Später schließlich zeigt sich Gott Hiob dann. Wie? Er sprach zu ihm im Sturm und stellte ihn viele Fragen auf die Hiob keine Antwort hatte (uns wäre es genauso ergangen). Interessant ist dabei, dass sich Gott (wieder) nicht erklärt. Kein Wort zum Leiden Hiob, dagegen Fragen, die die Größe Gottes sichtbar machen. Warum ignoriert Gott solche Fragen? Mögliche Antworten: 

1. Weil die Antwort uns nicht weiter hilft

Ich frage mich ernsthaft, ob uns die mögliche Antwort weiter hilft. Je nach Antwort könnte sie das Leiden vielleicht erträglicher machen, doch genauso viel schlimmer. Vielleicht sind die Zusammenhänge viel zu kompliziert für uns. Ich denke an den Film „Bruce Allmächtig.“ Plötzlich hatten alle ihre Lottogewinne und ein riesen Tumult brach aus, weil jeder so wenig bekam. Meine kleine Welt ist schon für mich viel zu komplex, wie sieht das dann erst bei Gott aus, der das ganze Universum im Überblick hat?

2. Weil wir die Antwort nicht verstehen würden

Gott hätte Hiob die Sache mit der Versammlung von Gott, den Söhnen Gottes und Satan erklären können und wie Satan und er sich über ihn unterhalten haben usw. Hätte Hiob das weiter gebracht? Hätte Hiob sein Schicksal nun verstanden? Selbst ich als neutraler Beobachter verstehe diese himmlische Zusammenkunft nicht in ihrer Tiefe und mit mir die meisten Menschen.

3. Weil die Antwort neue Fragen aufwirft

Diese Geschehnisse in der Himmelswelt werfen neue Fragen (MZ) auf. Sie geben nur einen Aspekt der ganzen Szene wieder. Neue Fragen lassen sich stellen und versuchen beantwortet zu werden. Aus einer Antwort werden drei oder mehr neue Fragen. Wo führt das hin?

4. Weil Gott, Gott ist und wir Menschen, Menschen sind

Mit der Inkarnation Jesus heißt es, dass Gott in unsere Zeit kam. Gott ist im Gegensatz zu uns nicht limitiert, nicht limitiert an Zeit, Macht, Kraft und Wissen, wir dagegen schon. Wir kommen mit Gott einfach nicht mit. Dies verdeutlichen die Fragen Gottes an Hiob. Es gibt Dinge, die sind menschlich nicht erklär und fassbar. Wir müssen darin zur Ruhe kommen, dass wir nicht alles begreifen können. Wir sind Menschen und Gott ist Gott. Wir müssen nicht alles wissen. Können wir Gott trotzdem vertrauten? Vertrauen darauf, dass er es gut mit uns meint? 

„We remain ignorant of many details, not because God enjoys keeping us in the dark, but because we have not the faculties to absorb so much light.” (Philip Yancey) 

Ja, wir müssen Gott dankbar sein, dass er uns nicht alles sagt. Ist in vielen Fällen echt hart, aber besser so.              

Ist Gott unfair?

Diese Erfahrung haben wir bestimmt alle schon gemacht: Das Leben kann richtig geil sein; aber genauso auch richtig beschissen. Manche mögen es einfacher gehabt haben, manche fast alles in den Schoß gelegt bekommen haben, wieder andere hatten so ihre schlimmen Tiefpunkte und wieder andere haben es echt hart erwischt – und das auf unterschiedlichen Ebenen. Was den Reichtum und Lebensstandard angeht können wir uns in Deutschland ja überhaupt nicht beklagen! Doch wieso spielt das Leben manchen hart zu und andere schweben von Höhepunkt zu noch größeren Erfolgen? Warum geht es vielen Betrügern gut und die Ehrlichen sind die Dummen? Warum erfreuen sich manche Diktatoren guter Gesundheit und die Aufrichtigen kämpfen mit Schmerz und Leiden? usw. Sollte Gott nicht die Guten belohnen und die Bösen bestrafen? 

Dass Gott die Bösen nicht unbedingt bestraft und die Guten belohnt wird bei einem Blick auf die Verhältnisse um uns herum, auch den eigenen, sehr schnell deutlich. Doch warum? Ist Gott unfair? Wie können wir uns das erklären? Es gibt dazu verschiedene Möglichkeiten:

(1)   Es gibt keinen Gott.

(2)   Es gibt zwar einen Gott, aber er kann nichts ausrichten.

(3)   Unfairness ist zeitlich begrenzt und das Gute wird sich immer mehr durchsetzen 

(4)   Gott ist fair. Gute Menschen sind gesegnet und Böse werden bestraft.

(5)   Das Leben ist unfair. 

Stimmt (1) müsste ich konsequenterweise Atheist werden. Würde ich (2) zustimmen, müsste ich Gottes Wunderkraft ablehnen. Um (3) zu folgen müsste ich Hindu oder so etwas werden. (4) führt mich zu einer ziemlich schrägen Theologie, der auch die Freunde Hiobs verfallen sind. Sollte es mir nämlich schlecht gehen, gäbe es eine geistliche Erklärung wie z.B. zu wenig Glauben, Sünde, Ungehorsam … Ein Funken Wahrheit mag zwar manchmal hinter dieser Sicht sein, doch kann man dadurch doch nicht ernsthaft das Leid der Welt erklären. Warum mussten dann so viel gute Menschen in der Bibel leiden? Die letzte Erklärung (5) wird dem Leben am ehesten gerecht. Das Leben ist einfach unfair! Warum muss ich nicht hungern? Warum habe ich noch keinen Krieg erlebt? – ich kann es mir nicht erklären. 

Ist Gott nun unfair, weil das Leben unfair ist? – Gottes Reaktion auf die Zustände unserer Welt war die Inkarnation Jesu. Es kam, litt an unserer Stelle und nahm auf sich unsere Schuld, damit wir leben können. Dadurch beendete er nun nicht das Problem der Unfairness, aber er zeigte einen Weg durch dieses. In das Dunkel der Welt brachte er Licht – ewiges Licht. Wir brauchen einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und bis das kommt, wird Unfairness nicht verschwinden. Deshalb muss unsere Beziehung zu Jesus tief, echt und standfest sein. Eine Beziehung die unabhängig von den Lebensumständen ist. Wir müssen lernen Gott zu vertrauen trotz allen Leides. Ist das nicht auch die Lehre Hiobs?

Salz der Erde

Jesus fordert seine Nachfolger auf das Salz der Erde zu sein (Mt 5,13). Was bedeutet es aber nun Salz der Erde zu sein? Stellen wir uns ein Essen vor. Salz würzt, gibt dem Essen Geschmack. Ja, Salz macht den Unterschied und Salz macht durstig. Denken wir an stark gesalzene Chips. Ohne nebenbei zu trinken kann man sie kaum verzehren. Salz macht durstig. Wer gesalzenes ist, braucht was zum Durst löschen. Genau darauf zielt Jesus ab. Seid das Salz der Erde d.h. macht die Menschen durstig. Lebt so, dass andere Menschen gerne mit euch zusammen sind. Dadurch werden sie durstig. Durstig nach dem wahren Leben, durstig nach dem Wasser des Lebens. Wir brauchen und sollen den Menschen nicht lebendiges Wasser anbieten und schmackhaft machen, sondern salzig sein, damit sie durstig werden und sich aufmachen um ihren Durst selbst zu löschen. Kann es sein, dass wir viel zu sehr damit beschäftigt sind den Durst der Menschen zu löschen, anstatt sie noch durstiger zu machen? D.h. Nicht den Fokus darauf legen den Menschen zu verdeutlichen, dass Jesus doch die Antwort ist, sondern einfach ganz „normal“ mit diesem Jesus leben. Nicht: Komm, glaub doch (endlich) auch an Jesus, sondern zu veranschaulichen, dass Jesus mir inneren Frieden gibt. Jesus ist das Wasser des Lebens, nicht wir!. Wir sind aber das Salz, dass die Menschen zur Quelle führt.