Die Sache mit der Zeit (1)

Wie oft wird geklagt, dass man zu wenig Zeit hat. Wie oft ist zu hören, dass wenn man doch mehr Zeit hätte. Ja, Zeit ist ein sehr kostbares Gut. Und mit diesem Gut kämpfen wir alle – ich auch. Zum einen treffe ich immer wieder Leute, die den lieben langen Tag nicht wissen was anstellen und andererseits Menschen, die keine Zeit mehr haben für irgendwas. Woran liegt das? Muss das so sein?Im Buch Prediger (Bibel) steht ein sehr interessanter Abschnitt. Er verrät einiges über das biblische Verständnis von Zeit. 

Prediger 3,1-14  Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit :  2 Zeit fürs Gebären und Zeit fürs Sterben, Zeit fürs Pflanzen und Zeit fürs Ausreißen des Gepflanzten,  3 Zeit fürs Töten und Zeit fürs Heilen, Zeit fürs Abbrechen und Zeit fürs Bauen,  4 Zeit fürs Weinen und Zeit fürs Lachen, Zeit fürs Klagen und Zeit fürs Tanzen,  5 Zeit fürs Steinewerfen und Zeit fürs Steinesammeln, Zeit fürs Umarmen und Zeit fürs sich Fernhalten vom Umarmen,  6 Zeit fürs Suchen und Zeit fürs Verlieren, Zeit fürs Aufbewahren und Zeit fürs Wegwerfen,  7 Zeit fürs Zerreißen und Zeit fürs Zusammennähen, Zeit fürs Schweigen und Zeit fürs Reden,  8 Zeit fürs Lieben und Zeit fürs Hassen, Zeit für Krieg und Zeit für Frieden.  9 Welchen Gewinn hat also der Schaffende bei dem, womit er sich abmüht ?  10 Ich habe das Geschäft gesehen, das Gott den Menschenkindern gegeben hat, sich darin abzumühen.  11 Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur daß der Mensch das Werk nicht ergründet, das Gott getan hat, vom Anfang bis zum Ende.  12 Ich erkannte, daß es nichts Besseres bei ihnen gibt, als sich zu freuen und sich in seinem Leben gütlich zu tun.  13 Aber auch, daß jeder Mensch ißt und trinkt und Gutes sieht bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.  14 Ich erkannte, daß alles, was Gott tut, für ewig sein wird. Es ist ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen. Und Gott hat es so gemacht, damit man sich vor ihm fürchtet. 

Aus diesem bekannten Abschnitt drei Punkte:

  •  Zeit ist ein Geschenk. Zeit ist vorhanden. Sie ist begrenzt, aber darin echte, gebotene und erlaubte Zeit. Alles hat eine bestimmte und damit immer auch endende Zeit. Zeit ist nicht unverfügbar. Wir empfangen sie, um sie nutzen zu können. Und irgendwann endet unsere Zeit, ob wir wollen oder nicht. Deshalb sollen wir im Heute leben und nicht im Gestern und Morgen.

  • Zeit ist Gelegenheit. Der Hebräer empfindet Zeit nicht als ein Ding, sondern immer als „Zeit für etwas.“ Wenn nichts geschieht hat keine Zeit stattgefunden. Somit hat Langeweile zwar Zeit, aber nicht gelebte, sondern tote Zeit. (Ich spreche hier nicht von Langeweile als Erholung.) „Wer in der Langeweile die Zeit totschlägt, bringt die Zeit ums Leben“ (Wolfgang Vorländer). Zeit ist von Gott geschenkte Chance. Und er will, dass wir sie nutzen und als erfüllte Zeit erleben. Dazu gehören auch die Begrenzungen unseres Lebens wie Krankheit, Leiden und Tod.

  • Zeit kennt Zeiten. Alles hat eben seine Zeit. Zeit ist Pluralität. Zeiten ändern sich. Zeit ist Abwechslung. Jugend und Alter – Flut und Ebbe. Zeit ist unterschiedene Zeit. 
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Jesus – der jüdische Theologe (1)

Ich beschäftige mich momentan viel mit dem Leben von Jesus. Dabei entdecke ich wieder neu den enormen Reichtum in den Berichten der Evangelien. Ein Lehrer einer international bekannten Universität sagte zu seinen Studenten: „Das erste was du tun musst um ein guter Christ zu sein ist den Juden in dir zu töten.“ Einer der Studenten hob seinen Arm und antwortete auf diese Aussage mit der Frage: „Herr Professor, meist du Jesus?“Diese Frage sollten wir sehr ernst nehmen, denn Jesus war Jude und als dieser hat er sein kulturelles und religiöses Erbe nicht abgelehnt. Das Fundament von Jesu Lehre basiert doch auf dem Alten Testament und somit auf jüdischer Theologie. Kann es sein, dass wir die jüdische Theologie falsch verstehen und damit zu einem falschen Verständnis des Judentums gelangt sind? Kann es sein, dass wir die jüdischen Wurzeln Jesu  entdecken müssen? Martin Luther machte meines Erachtens einen großen Fehler mit seiner negativen Interpretation des Judentums. Er hatte z.B. große Mühe mit dem Jakobsbrief und seinen Aussagen zu Werken und Glauben. Luther hat wohl den Fehler begangen Judentum mit Gesetzlichkeit zu verwechseln. Je mehr ich über das Judentum lese, desto mehr wird mir deutlich, dass das Judentum keine Gesetzlichkeitsreligion  ist. Wie wurden denn die Menschen im Alten Testament gerettet? Etwa durch Gesetze einhalten? Oder doch aus Glauben?