Martin Preisendanz

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Ich und Hermeneutik

September 23, 2009 · 2 Kommentare

Am Wochenende halte ich meine allererste Vorlesung und ihr könnt euch vorstellen, dass ich zunehmend aufgeregt bin. Ich werde an der Pionierakademie Hermeneutik unterrichten. Hermeneutik ist mit Sicherheit eines der spannendsten Felder der Theologie, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so klingt. In der Hermeneutik geht es darum, wie wir die Bibel zu verstehen haben. Insofern hat jeder schon seine Hermeneutik, denn wir versuchen die Bibel, wie auch immer, zu verstehen.

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Immer wieder haben Theologen versucht den Menschen ihrer Zeit die biblische Botschaft nahe zu bringen. Dabei könnte ihr Ansatz nicht unterschiedlicher sein. Rudolf Bultmann schrieb im Kontext der Moderne noch: „Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muss sich klar machen, dass er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht.“ Unvorstellbare Gedanken für den postmodernen Weltenbürger. Der nimmt sehr wohl die modernste Medizin in Anspruch und feiert gleichzeitig das Fest des Erzengels Michael oder lässt sich von irgendeinem Heiler behandeln. Warum? Sein Denken hat sich verändert und kommt den Verständnis der Bibel in machen Punkten näher. Und damit wären wir bei der Hermeneutik. Wie will die Bibel verstanden werden? Daraus ergeben sich viele interessante Fragen:

  • Die Bibel ist die Wahrheit – doch was bedeutet Wahrheit?
  • Gibt es die eine objektive theologische Betrachtungsweise? Wenn ja: Müssten dann nicht alle Theologen zu denselben Ergebnissen kommen?
  • Welchen Einfluss hat meine Kultur (Sozialisation, Erfahrung etc.) auf die Art und Weise, wie ich mit der Bibel umgehe?
  • Ist der Heilige Geist die notwenige Voraussetzung um die Schrift verstehen und auslegen zu können? Oder: Muss man gläubig sein um die Schrift zu verstehen?
  • Ist die Bibel die einzige, schlussendliche Autorität, in Fragen der christlichen Lehre?
  • Macht die Bibel klare, eindeutige Aussagen oder bleibt vieles offen?
  • Beinhaltet die Bibel Fehler und Widersprüche? Wenn nicht, ist sie dann irrtumslos?
  • Inwiefern könnte man sage, dass Jesus zwar Gottes Sohn ist, aber damit doch nicht alles stimmt, was über ihn erzählt wird?
  • Wer versteht die Bibel eigentlich besser – die Gelehrten oder die Laien?
  • Was ist in der Bibel allgemeingültig und was kulturell bedingt?Und wer darf das entscheiden?

Das sind einige der Fragen, die ich mit den Studenten beleuchten will.

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Das Gesetz – hypotetischer oder kategorischer Imperativ

September 3, 2009 · Kommentar schreiben

In der Bibel stehen viele Gesetze. Wie können und müssen wir sie verstehen? Dazu einige Gedanken von Kurt Hübner aus seinem Buch Glauben und Denken.

„Auf den ersten Blick scheint also das Jüdische Gesetz philosophisch ausgedrückt, nur hypothetische Imperative zu enthalten. Darunter versteht man solche, die nicht etwa kategorisch und damit absolut fordern, sondern nur unter einer Bedingung, im gegebenen Fall also unter der Bedingung, dass ein bestimmtes Ziel angestrebt wird, nämlich Glück und Heil der Nation und der ihr Zugehörigen. Ein solches Verständnis von Imperativen wird als Utilitarismus bezeichnet. …  Nun enthält aber das Jüdische Gesetz auch moralische Forderungen, z.B. im Dekalog (die Zehn Gebote), und folglich müssten auch sie utilitaristisch gedeutet werden. Dagegen erhebt sich jedoch der alte Einwand, dass damit das Moralische, eben weil es so als bloßes Mittel für menschliches Glück betrachtet wird, nur eine besondere Form des Egoismus darstelle, während es doch andererseits gerade Ausdruck der Selbstlosigkeit sein sollte. Der Streit, was in diesem Sinne das Moralische eigentlich sei, beginnt schon in der Antike und ist niemals endgültig beendet worden. Dabei geht es beispielsweise um die Frage: Sollten wir deshalb nicht lügen, weil Lügen kurze Beine haben (hypothetischer Imperativ) oder weil Lügen sich absolut verbietet (kategorischer Imperativ)? Sollten wir uns allgemein gesprochen moralisch verhalten, weil wir damit a la long besser fahren, oder sollen wir uns in Absehung aller möglichen Vorteile moralisch verhalten, ja u.U. sogar um den Preis des eigenen Lebens?“ (S.158)

Diese Frage führt zu dem Punkt um was es Gott eigentlich geht. Er hat den Menschen in sein Ebenbild geschaffen und ihn somit in Beziehung zu ihn gesetzt. Gott will Beziehung zu uns Menschen. Das Gesetz muss also immer Kontext der relationalen Verbindung von Gott und Mensch gesehen werden.

„Dabei wird jedoch oft übersehen, dass die Gebote des Gesetzes als Gottes Liebe zu seinem Volk zu verstehen sind: Hat er sie ihm nicht gegeben, um ihm Wohlstand und Heil zu sichern? Ist er den Juden nicht wie der Vater, der es mit seinem Kinde gut meint, auch wenn er sie die Härte der Folgen spüren lässt, die es wegen seiner Verfehlungen zu tragen hat? Die Furcht von Jahwe ist also eher einsichtige Verehrung und jene hingegebene Liebe, welche der hingegebenen Liebe entgegengebracht wird.“ (S.159)

Auch das Gesetz ist Ausdruck der Liebe Gottes zu uns Menschen. Indem wir uns danach richten tun wir uns und unseren Mitmenschen Gutes und gleichzeitig bringen wir Gott unsere Ehrerbietung entgegen. Doch wie und wann halte ich den das Gesetz konkret? In vielen Situation ist das gar nicht so einfach.

„Der Geist des Jüdischen Gesetzes ist wie bereits gezeigt, die Barmherzigkeit und Liebe Gottes, die dem Menschen in seinem Verhältnis zu seinem Nächsten als Leitbild dienen soll. Die Liebe allein würde aber nicht genügen, der Ordnung einer Lebensgemeinschaft jenes Gerüst aus Regeln zu geben, ohne das sie gar nicht möglich wäre – diese Regeln sind der Buchstabe des Gesetzes; und doch ist ja der Buchstabe nur des Geistes (der Liebe) wegen da. Nun wird es immer Fälle geben, in denen der Buchstabe als allgemeine Regel der unendlichen Mannigfaltigkeit der Lebenswirklichkeit nicht gerecht wird und damit zum Geiste der Liebe, dem er ja dienen soll, in Widerspruch gerät. Wir aber dürfen uns nicht zu Dienern des Buchstabens machen, sondern des Geistes.“ (S.160-161)

Das Halten der Gebote ist stets ein Ringen um Erkenntnis. Die von vielen geforderte  Sicht die Gebote der Bibel in allem wörtlich zu nehmen ist Unsinn. Niemand hat das im Laufe der Kirchengeschichte je getan und die, die es vorsucht haben sind grandios gescheitert. Wir müssen den Geist des Gesetzes erfassen und in der jeweiligen Situation in diesem Sinne  handeln. Da kann es sein, dass wir in unterschiedlichen Situationen gemäß ein und demselben Gesetz unterscheidlich handeln.

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Lehrmaterial für Jugendgruppen

August 26, 2009 · Kommentar schreiben

Ich habe mir letztes Jahr viele Gedanken gemacht wie Jugendgruppen/Teeniekreisen und jungen Erwachsenen lehrmäßig geholfen werden kann. Oftmals mangelt es nicht an Ideen und Wünschen, sondern an der Zeit sich angemessen darauf vorzubereiten. Deshalb entsteht ein großer Bedarf nach geeignetem Lehrmaterial. „Habt ihr Lehrmaterial für mich?“ oder „Kannst du mir was empfehlen?“, bekommt man zu hören. Dem wollte ich abhilfe verschaffen und habe EXERCISE entwickelt. Das Anliegen des Lehrserie EXERCISE ist es, Menschen (im besonderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen) eine praxisrelevante auf die Bibel bezogene Lebensgrundlage zu geben und sie für ein aktiv-gestaltendes Leben in der Gesellschaft zu befähigen.

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Ich hoffe euer Interesse geweckt zu haben. Meldet euch einfach bei mir per mail. Mehr Informationen gibt es auf brotvermehrung.de.

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Die Hochzeit von Kana

Juli 28, 2009 · 2 Kommentare

John 2:1-12 ELB Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war dort.  2 Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit eingeladen.  3 Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein.  4 Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.  5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagen mag, tut!  6 Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß faßte.  7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben an.  8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es.  9 Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war – und er wußte nicht, woher er war, die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wußten es – ruft der Speisemeister den Bräutigam  10 und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.  11 Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn.  12 Danach ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger; und dort blieben sie nicht viele Tage.

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1. Jesus und seine Familie

Wir lesen hier von einem kleinen, oder vielleicht auch größeren, Konflikt zwischen Jesus und seiner Mutter. Die Anrede „Frau“ war zwar respektvoll, ähnlich wie Madame, doch wohl kaum üblich der eigenen Mutter gegenüber. Jesus schafft mit dieser Anrede Distanz zwischen sich und seiner Mutter. Jesus vermeidet den Mutter-Namen. Und er gebraucht eine Wendung („Was habe ich mit dir zu schaffen“ oder  „was geht es dich an, was ich tue“) die eine harsche Zurechtweisung ist. Es handelt sich um eine hebräische Formel, die Getrenntsein ausdrückt. Warum gerät Jesus hier außer sich? Jesus erfährt hier die Urversuchung, nämlich von Menschen beeinflusst und gedrängt zu werden. Neben seinen Jüngern ist es vor allem seine Familie, die ihn zu beeinflussen versucht. Das berichten die Evangelien an unterschiedlichen Stellen. Jesus musste sich von seiner Familie losboxen. Ihr Erwartungen wollte und konnte er nicht erfüllen, denn sie standen nicht im Einklang mit seiner Berufung. Es ist so wichtig, dass wir wissen zu was wir geboren sind. Das kann zum Konflikt mit seinen Eltern führen. Jesus hat das vierte Gebot hochgehalten, aber seine Familie regierte nicht sein Leben.  Jesu Mutter musste seinen Weg akzeptieren.

2. Jesus und die Bedeutung von Wein

Wein hat im AT besondere Bedeutungen. Wein ist eine Gabe des göttlichen Segen (1Mo 14,18). Wein ist aber auch ein Zeichen der messianischen Heilszeit (Jes 25,6; Ho 2,23-24; Sach 8,11-12). Vom Messias wird in 1Mose 49,11-12 geschrieben: An den Weinstock bindet er sein Eselsfüllen, an die Edelrebe das Junge seiner Eselin; er wäscht im Wein sein Kleid und im Blut der Trauben sein Gewand;  die Augen sind dunkel von Wein und weiß die Zähne von Milch.“ Jesus hat an diese Verheißungen angeknüpft. Er erzählt selbst das Gleichnis vom Weinstock, darin ist er der Weinstock und seine Nachfolge die Reben; dann noch das  Abendmahl, bei dem der Wein für sein Blut steht. Wenn Jesus Wein beschaffen könnte, wäre das wohl ein Zeichen für den Messias. Und: Mose gab dem Volk zu trinken (2Mo 17,6); musste der Messias als zweiter Mose (5Mo 18,15) nicht ähnliches tun?

3. Die Bedeutung der „Stunde“

Vermutlich kannte Maria die Bedeutung von Wein und wusste was für ein Zeichen es sein könnte, wenn Jesus jetzt ein Wunder bewirken würde. Maria wusste um die Identität von Jesus. Maria wusste, dass Jesus der Messias ist und Wunder tun kann. Der Engel war ihr erschienen und später auch Josef. Mit wem sie dieses Erlebnis geteilt hat? Josef war tot- sie war die einzigste Engelzeugin. Von  den Propheten bestätigt glaubte sie wohl an Kraft in Jesus.  Doch Jesus verweist auf die „Stunde.“ Die Wendung „meine Stunde“ ist eine Anspielung auf das Kreuz. Auch hier handelte es sich um die „Stunde“, die Gott für sein Werk bestimmt hat. Ein von Menschen gesteuerter Messias wäre kein Christus mehr. Das richtige zur falschen Zeit getan ist ebenso ein Verstoß gegen den Willen de Vaters, wie das Falsche  zur rechten Zeit. Und das gilt auch heute noch für uns. Jesus hat nicht aufgehört Messias zu sein. Seine Stunde ist entscheidet – nicht unsere. Wir können Gott nicht zwingen. Wir können ihm unser Herz hingeben oder noch besser unser Herz von ihm leiten lassen, aber letztlich endscheidet er. Und dennoch bringt es etwas ihn zu bitten, denn Gott ist kein Diktator. Immer wieder haben Menschen versucht die Stunde festzulegen, wann Jesus wiederkommt oder die Vorwegnahme der Errichtung des Gottesreiches.

Was macht Maria? Sie zickt nicht herum oder versucht ihn zu manipulieren – würde auch nicht den Erfolg bringen, sondern sie erkennt, dass sein Wort zählt. „Was er euch sagen mag, tut!“ Sie gibt ihm recht und fügt sich seinem Willen. Und in dem behält sie ihren Glauben und sollte bestätigt werden. „Was er euch sagen mag, tut!“ gilt auch uns. Viel kürzer und prägnanter könnte man es kaum sagen.

4. Was das Wunder verdeutlicht!

1006147_94036480Dieses Wunder ist ein fantastisch symbolisches Ereignis. Und das in vielfältiger Weise:

  • Der Wundertäter Jesus kam und übernatürliche Zeichen begleiteten seinen Dienst, ja sein gesamtes Leben. Er lebte von Anfang an ein übernatürliches Leben.
  • Wein als Zeichen für die messianische Zeit:  Wie schon im AT handelt und zeigt Gott sich durch Zeichen. Und in Verbindung mit Wein könnten die Leute erkannt haben, wen sie vor sich haben. Ein Zeichen, dass eine neue Zeit einleitet. Jesus verdeutlicht: Ich bin hier. Ich bin der Messias. Ich bin es. Seht her, ja, ich bin es. Meine Zeit ist jetzt gekommen. Ich bin hier, den auf den ihr wartet. Und dennoch sagt Jesus es am Anfang nicht deutlich. Man könnte dieses Zeichen auch anders interpretieren. Er lässt die Entscheidung bei den Menschen.
  • Neuschöpfung: Jesus schuf etwas Neues. Jesus ist auf der Erde; das bedeutet: ich schaffe etwas Neues. Mit Jesus beginnt nicht nur eine neue Zeit, sondern ein Neues. Jesus startete eine Bewegung, die nicht aufzuhalten ist. Das Reich Gottes ist da; in Jesus ist es hier.
  • Fülle: Bei Jesus gibt es Leben in Fülle. Jesu Wunder brachte sehr guten Wein hervor; er gibt Freude; hilft dem Bräutigam aus der Not. Jesus setzt ein Zeichen für Leben, Freude. Das zeigt: Jesus liebt das Leben. Er will uns ein gutes Leben schenken. Später wird er sagen: John 10:10 „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben.“ In Kana veranschaulicht Jesus das gleich.

5. Was das Wunder bewirkte!

  • Offenbarungszeichen: Jesus offenbarte sich. Er machte sich erfahrbar. Der Messias zeigt sich.
  • Vertrauen wird gebaut: Es heißt, dass seine Jünger ihm glaubten. Sein Zeichen schafft Vertrauen. Dieses Vertrauen muss nun wachsen. Aber es ist ein Anfang. Wenn ich Jesus erlebe sollte das Vertrauen fördern. Und das ist was Jesus will, dass wir ihm anfnagen zu vertrauen.

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Kritik an der Bibel

Juni 25, 2009 · Kommentar schreiben

Wir Menschen sind ziemlich schnell und gut im Kritik äußern, vor allem wenn es um andere geht. Selbstkritik üben oder sich gar von anderen kritiseren zu lassen fällt uns dagegen schwer, obwohl es uns, wenn die Kritik ernst und aus lauteren Motiven kommt, gut tun würde. Besonders Menschen die polarisieren und kräftig austeilen sehen sich Kritik ausgesetzt. Zurecht?

Auch die Bibel mit ihren Anspruch Gottes Wort zu sein, ist von vielen Seiten Kritik ausgesetzt. Man mag es ja verstehen, wenn Menschen, die nicht an Gott glauben, ihre Mühe mit der Bibel haben, doch wenn selbst weite Teile von Bibelforschern Kritik zu einem Prinzip der Bibelauslegunng macht, dann geht das am Selbstanspruch der Bibel vorbei. Ich halte es da eher mit Klaus Berger:

„Nicht wir kritisieren den Text und rücken ihn für unsere Bedürfnisse zurecht, der Text kritisiert uns.“ Klaus Berger, Jesus, S.14.

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Wie geht es weiter?

Mai 11, 2009 · Kommentar schreiben

Ich möchte euch sehr die Eschatologievorlesung der Pionierakademie vom 5.6-7-6.2009 ans Herz legen. Als Dozenten konnten wir Martin Scott gewinnen.

Wie sieht die Bibel die Welt? Kann uns diese Erde nicht egal sein, schließlich ist unser Bürgerrecht im Himmel? Wird jetzt alles schlimmer oder sollen wir uns engagieren? Wie verhält sich nun der Missionsbefehl zum Schöpfungsauftrag unter Berücksichtigung des Kommenden? Müssen wir Angst vor der Zukunft haben? Fragen über Fragen…

Hier ein Artikel, der weitere Gründe aufzeigt, warum wir uns mit Eschatologie auseinandersetzen müssen.

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1.Theologischer Stammtisch

Februar 10, 2009 · 2 Kommentare

Eines der Themen, die mich beschäftigt ist die Frage nach innovativen Möglichkeiten sich mit Theologie und Spiritualität zu beschäftigen, sich mit ihr auseinanderzusetzen und sie zu vermitteln. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann kann ich nicht sagen eine Vielzahl von kreativen Zugängen erlebet und mitbekommen zu haben sich mit Theologie zu beschäftigen. Und das obwohl ich immer wieder feststellen muss, dass meine theologische Ausbildung diesbezüglich enorm fortschrittlich war und ist. Eine meiner Ideen hatte nun im Rahmen der Pionierakademievorlesung seine Premiere. Nicht das diese Idee völlig neu wäre oder gar revolutionär – nein sie ist simpel und dennoch habe ich es in dieser Form zum ersten Mal selbst erlebt. Die Idee des theologischen Stammtisches ist es sich in entspannter Kneipenatmosphäre bei Bier und Cola über Theologie zu debattieren. Drei Themen standen an, eingeleitet durch einen Kurzimpuls (15 min), der in eine Diskussion führte. Diesmal gibt um drei „Zweikämpfe“:

· Marta vs. Maria

· Bonhoeffer vs. Kant

· Calvin vs. Luther

Bei der Geschichte von Marta und Maria behandelten wir die Frage ob Marta wirklich so schlecht gehandelt hat wie uns immer eingeredet wird und wie die daraus abgeleitete Spannung der vita contemplativa und vita activa sich verhält.

Bonhoeffer und Kant führten uns zum Nachdenken darüber was Wahrheit ist und ob Kants Prinzipienethik wirklich so sinnvoll ist.

Das Nachdenken über Luther und Calvin zeigte uns wie sehr wir von beiden geprägt sind. Wir sind schnell bei Calvin hängen geblieben. Seine Arbeitsethik und vor allem – aus aktuellem Anlass – sein Verständnis von Staat und Kirche beschäftigen uns. In Amerika ist doch einiges von Calvins Sichtweise allgemeines Gedankengut der Menschen und insbesondere der Christen. Rick Warrens Gebet bei der Amtseinsetzung von Barack Obama zeigt den Wunsch der Kirche nach einer engen Verbindung von Staat und Kirche, wie sie schon Calvin wollte.

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Vorlesung: Sozial- und Sexualethik

Februar 3, 2009 · Kommentar schreiben

Mitte Januar hatten wir im Rahmen der Pionierakedemie die erste Vorlesung für 2009. Ein Schwerpunkt der Pionierakademie, einer theologischen Ausbildung mit interdisziplinärem Anspruch, ist der Bereich Ethik. Wir konnten Andreas Franz gewinnen, der uns in die Fragestellungen der Sozial- und Sexualethik hineingenommen hat und wie wir zu Entscheidungen kommen können, die im Einklang mit Gottes Willen sind. Ganz schöne heiße Themen haben wir angeschaut und diskutiert (Familie, Beginn der Ehe, Ehebruch, Scheidung, Wiederheirat, Homosexualität, Transsexualität u.a.). Dabei ist mir sehr deutlich geworden wie entscheidend unser Ansatz von Ethik ist. Hier ein paar Punkte, die mir in diesem Zusammenhang wichtig sind:

  • Ethik ist zeitbedingt d.h. Ethik ist nie abgeschlossen. Die Zeiten und damit die Menschen ändern sich. Es entstehen neue Fragestellungen, die es anzuschauen gilt. (z.B. Gentechnologie war z.Zt. der Bibel kein Thema)
  • Ethik ist kulturbedingt d.h. was in einer Kultur die richtige Entscheidung ist, kann in einer anderen Kultur nicht unbedingt gut sein. Es gibt nicht nur allumfassende Richtlinien (z.B. Tötungsgebot). Im Alten Testament wird die Mehrehe zwar nicht für richtig gehalten und immer problematisch beschrieben, dennoch akzeptiert. Bestimmte kulturelle Denkweisen müssen bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.
  • Ethik ist situationsbedingt. Einer Ehescheidung ist in bestimmten Situationen zuzustimmen, in manchen sogar nötig und in manch einer Situation sollte erstmal daraufhin gearbeitet werden sich zu versöhnen.
  • Christliche Ethik darf in der Umsetzung nicht idealistisch werden. Sie ist und bleibt ein Abwägen. Abwägungen sind keine Verwässerung, sondern Voraussetzung. Im Zweifelsfall sollte man das „kleinere Übel“ wählen.
  • Das Doppelgebot der Liebe sollte der hermeneutische Schlüssel jeder Ethik sein.

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Interdisziplinär

November 20, 2008 · 1 Kommentar

Über „interdisziplinär“ schreibt wikipedia folgendes: Eine interdisziplinäre oder fächerübergreifende Arbeitsweise umfasst mehrere voneinander unabhängige Einzelwissenschaften, die einer meist wissenschaftlichen Fragestellung mit ihren jeweiligen Methoden nachgehen. Interdisziplinarität bedingt das Zusammenführen verschiedener Teilaspekte, ein reines Nebeneinander dieser Aspekte reicht hierfür nicht aus. Ich halte eine interdisziplinäre oder fächerübergreifende Arbeitsweise in der Wissenschaft und allgemein, wenn es ums Lernen geht, für unabdingbar.

Immer wieder stoße ich auf dieses Thema und werde mir dessen Bedeutung bewusst. Erst letztens wieder durch Schilderungen des Philosophen Richrad David Precht. Er schreibt: „Besonders störend an der Vorstellung von der Philosophie als einem ‘Fach’ sind dabei ihre unnatürlichen Abgrenzungen. Während meine Professoren das menschliche Bewusstsein anhand der Theorien von Kant und Hegel erklären, machten ihre Kollegen von der medizinischen Fakultät, nur achthundert Meter entfernt, die aufschlussreichsten versuche mit hirngeschädigten Patienten. Achthundert Meter in einer Universität sind sehr viel. Denn die Professoren lebten auf zwei völlig verschiedenen Planeten und kanntenb nicht einmal die Namen ihrer Kollegen.“

Wir müssen lernen Einzelwissenschaften zusammenzuführen, damit sie voneinander lernen können. Gerade auch im Bereich der Theologie, in dem ich zu Hause bin. Wir von Destiny Design hat sich interdisziplinäres Lernenauf die Fahne geschrieben. In der Pionierakademie, eine theologische Ausbildung , verbinden wir Theologie mit anderen Fachgebieten. Der Schwerpunkt liegt auf Theologie. Mit einfließen lassen wir Kulturwissenschaft, Soziologie, Psychologie und Pädagogik. Das heißt, dass Kusre aus diesen Bereichen belegt werden können und dass wir Dozenten einsetzen, die interdisziplinär denken und agieren. Dadurch sollen die Studenten Weite und ein Verständnis, wie Theologie in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft eingesetzt werden kann, bekommen. Sie sollen lernen Wissenschaften zu verknüpfen und Theologie u.a. in Interaktion mit anderen Wissenschaften betreiben.

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Prophetenschulen

Oktober 22, 2008 · 2 Kommentare

Der Ausdruck „Prophetenschule“ kommt in der Bibel selbst nicht vor. Mit ihm soll hier eine Bewegung im Alten Israel beschrieben werden. Die Bibel berichtet im Alten Testament von „Söhne der Propheten“ (z.B. 2Kön 2,3) oder „Prophetenschüler/Prophetenjünger“ (2Kön 9,6; 1Kön 20,35). Die Bezeichnung „Söhne der Propheten“ meint nicht automatisch die leiblichen Söhne von Propheten, sondern drückt vielmehr Zugehörigkeit aus.

Die Prophetenschulen wurden von Samuel zur Schulung der Propheten gegründet. Sie befassten sich mit der Entwicklung des Prophetischen (1Sam 19,20). Desweitern kommt diese Erscheinung nur noch bei Elias und Elisa vor. Bei den späteren Propheten lesen wir nichts mehr von sogenannten Prophetenschulen. Prophetenschulen können nicht mit heutigen Schulen oder auch theologischen Seminaren vergleichen werden. Insofern kann der Begriff Schule irreführend sein. Diese Prophetenschüler (zwar berichtet die Bibel im Zusammenhang von Prophetenschulen nur von Männern, dennoch ist nicht auszuschließen, dass auch Frauen zu ihnen gehörten, schließlich berichtet die Bibel auch von Prophetinnen) standen in besonderer Gemeinschaft mit einem großen Propheten. Dieser unterrichtet sie, so dass er sie für prophetische Aufträge nutzen konnte (1Kön 20,35-43; 2Kön 9,1) und somit halfen sie ihm. Die dort ausgebildeten Männer zogen also u.a. durch das Land und verkündigten den Menschen den Willen Gottes. Mancher erhielt weitere Offenbarungen, mancher nicht. Vieles über ihren Dienst bleibt im Dunkeln, denn die Bibel überliefert kaum etwas. Die Prophetenjünger werden eine Berufung von Gott zum Propheten gehabt haben und sich dieser Gemeinschaft angeschlossen haben. Sie lebten an einigen Orten im Süden des Reiches Israel. Dort scheinen sie sich zu einzelnen Kongregationen zusammengeschlossen zu haben (2Kön 6,1-4). Sie lebten wohl ein eher armseliges Leben. Einmal ist von Verschuldung die Rede (2Kön 4,1-7). Das Lernen in den Prophetenschulen erinnert damit eher an die rabbinische Lehrweise, als an das heutige Schulsystem. Im Teilen des Lebens lernten sie unter der Führung eines „Oberpropheten.“ Ihr Lebensstil trennte sie nicht von der Gesellschaft. Ihr Interesse an den öffentlichen politischen Angelegenheiten in Israel war unvermindert. Sie ergaben sich nicht in privater Kontemplation, sondern griffen ins öffentliche Leben ein.

Gerhard von Rad macht folgende Beobachtung über die Bedeutung dieser Bewegung „Hier war letztlich der Ort, von dem jene ungeheure Radikalisierung des Jahweglaubens und seines Gottesrechtes ausging, der wir bei den späteren Propheten begegnen. Hier wurde das Fundament gelegt für jene rätselhafte soziale und wirtschaftliche Unabhängigkeit, für jene Freiheit von irgendwelchen standesbedingten Rücksichten, die die undiskutierte Voraussetzung für das Auftreten der späteren Propheten war und von der diese Späteren wie von einem großen Kapitel zehrten, das von jenen Deklassierten für sie bereitgestellt worden war.“

Im Neuen Testament spricht Petrus in seiner Pfingstrede sein Volk als „Söhne der Propheten“ (Apg 3,25) an und letztlich kann das auch auf alle Jesus-Nachfolger ausgeweitet werden. Wer zum größten aller Propheten gehört, ist ein Sohn oder eine Tochter von ihm und kann von ihm hören. Und in dem gibt es dennoch Menschen, die von Gott besonders begabt und als Propheten berufen sind. Ich frage mich, ob es nicht auch in unserer Zeit Gruppen von Propheten geben sollte. Gruppen, die voneinander lernen, sich ermutigen und gemeinsam agieren, um eine prophetische Stimme im Land zu sein.

Kategorien: Prophetisches · Theologie