Martin Preisendanz

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Der Fußball und das liebe Geld

Juni 16, 2009 · 2 Kommentare

1136532_46333595Ich schwanke zwischen staunen und entstetzen über die neuerlichen Ereignisse auf dem Transfermarkt. Der neue Präsident von Real Madrid macht tatsächlich ernst und wirft nur so mit Geld um sich. Nach Kaka für 65 Millionen €, jetzt Cristano Ronaldo für 94 Millionen € plus was da noch kommt (Villa für 40 Millionen € ist schon im Gespräch oder Ribery für 60 Millionen €). Das ist doch der reine Wahnsinn! Hat die Preistreiberei kein Ende! Braucht es erst eine Superkrise? Ich finde diese Entwicklung alarmierend, die schon vor vielen Jahren ihren Lauf genommen und immer größere Auswünsche annimmt (siehe Abramovisch oder Manchester City). Viele Fragen gehen mir durch den Kopf:

  • Woher kommt das Geld? (Irgendwo muss es von Menschen verdient worden sein. Die Frage ist unter welchen Umständen)
  • Was macht es mit einem Menschen für so viel Geld transferiert worden zu sein?
  • Warum sind Menschen bereit so viel Geld in den Fußball zu pumpen?
  • Wo bleibt die soziale Verantwortung?

Der Focus schreibt: „In Spanien stellten sich viele Fans die Frage: Wo nimmt Real- Präsident Florentino Pérez in Krisenzeiten das Geld her, mit dem er sein Team von „Galaktischen“ zusammenkauft? Der Clubchef plant nach Kaká und Ronaldo noch weitere Millionen-Deals. Er will insgesamt 300 Millionen Euro in den Transfermarkt pumpen. Nach Angaben der Zeitung „El País“ soll diese Summe je zu einem Drittel mit Rücklagen, mit dem Verkauf von Spielern wie Rafael van der Vaart und mit Krediten finanziert werden.

Real setzt darauf, dass die Rekord-Investition sich auszahlt und Cristiano Ronaldo zu einer Werbe-Ikone wird wie David Beckham. „Ein Spieler ist nicht teuer oder billig, sondern rentabel oder nicht rentabel“, sagte Pérez. „Marca“ ergänzte: „Der weltweite Wirbel um den Transfer zeigt schon jetzt, dass Real mit seiner Entscheidung richtig liegt.“ Die Presse in Barcelona sprach dagegen von einem „Skandal“. „Angesichts von vier Millionen Arbeitslosen in Spanien ist es obszön, 93 Millionen Euro für einen Fußballer auszugeben“, meinte das Fachblatt „Sport“.

Das ist mal ein Menchenbild! Konsequenz einer fatalen Politik. Ich bin wieder einmal schockiert über die Auswüchse ungutem Umgang mit Finanzen. Geht hier wirklich alles mit rechten Dingen zu? Wie heute zu erfahren war hat Real Madrid zur Finanzierung einen Millionenkredit bekommen. Na, dann!

Kategorien: Ethik
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Wie lange können wir uns die Reichen noch leisten?

Februar 17, 2009 · Kommentar schreiben

Schon krass wenn man mit Geldanlagen mehr verdienen kann, als durch harte Arbeit! Letztens war ich mit Freunden in dem schockierenden Film „Let’ s make money“, der zeigt wie Finanzen über den Globus „geschoben“ werden und was hinter dem uns wohl bekannten Werbeslogan „Lassen Sie ihr Geld für sich arbeiten“ steckt. Doch Fakt ist, dass Geld nicht von alleine arbeitet. Irgendwie und irgendwo wird dafür, meist unter krassen zum Teil unmenschlichen Bedingungen, gearbeitet. Wenn also ihr Geld „arbeitet“, arbeiten in Wahrheit reale Menschen dafür. Wenn sie also ihr Geld für sich „arbeiten“ lassen, schwitzen und schuften dafür Arbeiter, verteilt auf der gesamten Erde. Die Globalisierung hat diesen Trend verstärkt, undurchschaubarer und bizarrer gemacht.

Der Film zeigt in erschreckendem Masse die Ethik von (manchen) Managern und Industriellen. Die pure Gier regiert. Wo bleibt die soziale Verantwortung? Die Aktionäre werden verwöhnt, während die Arbeiter ausgebeutet werden. Wollen wir das als Gesellschaft?

Eine Frage im Film hat mich nachdenklich gemacht: „Wie lange können wir uns die Reichen noch leisten?“ Man schätzt das 17,5 Trillionen Dollar auf Bankkonten in Steuerparadiesen geparkt wird. Doch sind die Reichen die Bösen? Nein, das Problem ist vielmehr ihre Gier? Und gierig sind nicht nur die Reichen. Die Frage müsste vielmehr lauten: Wie lange können wir uns die Gierigen noch leisten? Und dann kann plötzlich auch ich betroffen sein. Leute: Gier ist eine schlimme Sünde! Oder?

Kategorien: Ethik · allgemein
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Vorlesung: Sozial- und Sexualethik

Februar 3, 2009 · Kommentar schreiben

Mitte Januar hatten wir im Rahmen der Pionierakedemie die erste Vorlesung für 2009. Ein Schwerpunkt der Pionierakademie, einer theologischen Ausbildung mit interdisziplinärem Anspruch, ist der Bereich Ethik. Wir konnten Andreas Franz gewinnen, der uns in die Fragestellungen der Sozial- und Sexualethik hineingenommen hat und wie wir zu Entscheidungen kommen können, die im Einklang mit Gottes Willen sind. Ganz schöne heiße Themen haben wir angeschaut und diskutiert (Familie, Beginn der Ehe, Ehebruch, Scheidung, Wiederheirat, Homosexualität, Transsexualität u.a.). Dabei ist mir sehr deutlich geworden wie entscheidend unser Ansatz von Ethik ist. Hier ein paar Punkte, die mir in diesem Zusammenhang wichtig sind:

  • Ethik ist zeitbedingt d.h. Ethik ist nie abgeschlossen. Die Zeiten und damit die Menschen ändern sich. Es entstehen neue Fragestellungen, die es anzuschauen gilt. (z.B. Gentechnologie war z.Zt. der Bibel kein Thema)
  • Ethik ist kulturbedingt d.h. was in einer Kultur die richtige Entscheidung ist, kann in einer anderen Kultur nicht unbedingt gut sein. Es gibt nicht nur allumfassende Richtlinien (z.B. Tötungsgebot). Im Alten Testament wird die Mehrehe zwar nicht für richtig gehalten und immer problematisch beschrieben, dennoch akzeptiert. Bestimmte kulturelle Denkweisen müssen bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.
  • Ethik ist situationsbedingt. Einer Ehescheidung ist in bestimmten Situationen zuzustimmen, in manchen sogar nötig und in manch einer Situation sollte erstmal daraufhin gearbeitet werden sich zu versöhnen.
  • Christliche Ethik darf in der Umsetzung nicht idealistisch werden. Sie ist und bleibt ein Abwägen. Abwägungen sind keine Verwässerung, sondern Voraussetzung. Im Zweifelsfall sollte man das „kleinere Übel“ wählen.
  • Das Doppelgebot der Liebe sollte der hermeneutische Schlüssel jeder Ethik sein.

Kategorien: Ethik · Jesus-Nachfolge · Pionierakademie · Theologie
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Ethische Entscheidung: Testauflösung

Dezember 9, 2008 · Kommentar schreiben

Nun komme ich zur Auflösung des Testes von Marc Hauser. Er stellte die beiden Testfragen allen möglichen unterschiedlichen Menschen. Er fragte Amerikaner wie Chinesen, Alte wie Junge, Atheisten wie Gläubige, Frauen wie Männer, Arbeiter wie Akademiker. Fast jeder der Befragten würde bei der ersten Frage die Weiche umstellen. Lieber würde er den Tod von einem einzigen Menschen in Kauf nehmen, um dadurch das Leben von fünf Menschen zu retten. Bei der zweiten Frage dagegen würde nur jeder sechste den dicken Mann draufgehen lassen, um das Leben den fünf anderen Menschen zu retten. Ist das nicht eigenartig? Ob ich nun die Weiche stelle oder den Mann herunterwerfe kommt doch auf dasselbe hinaus! Ein Mann stirb, dafür werden fünf gerettet. Eigentlich gibt es von der Bilanz der Toten her gesehen keinen Unterschied. Und doch scheint ein großer Unterschied zwischen den beiden Fällen zu liegen. Ob ich nun den Tod eines Menschen in Kauf nehme oder ob ich ihn aktiv herbeiführe, ist ganz offensichtlich nicht das gleiche. Aktives Eingreifen wird moralisch anders betrachtet, als etwa einen Befehl auszuführen. Das ist auch gut in Kriegen sichtbar. George W. Bush wird wahrscheinlich weit weniger ein Problem damit haben, dass er für den Befehl zum Krieg im Irak gegeben hat und damit den Tod von vielen Irakern besiegelt hat, als der Soldat an der Front, der Menschen getötet hat. Präsident Truman wird im Gegensatz zu den Soldaten, die die Atombombe auf Hiroschima und Nagasaki abgeworfen haben weit weniger seelische Probleme bekommen haben. Es fällt uns Menschen also leichter durch abstraktere Methoden Leute umzubringen. Lieber drücken wir einen Knopf der eine Kettenreaktion auslöst, als dass wir jemand das Messer in die Brust stechen.

Hauser machte einen zweiten Test. Diesmal gab er die beiden Frage Menschen mit Schäden in der ventromedialen Region des Stirnlappens. Bei der ersten Frage antworteten die hirngeschädigten Befragten gleich wie die Gesunden. Jedoch musste bei ihnen der dicke Mann dran glauben. Ohne zu zögern wären sie bereit den Mann vor den Zug zu stürzen. Daraus schließt Hauser, dass diesen Menschen durch ihren Hirnschaden das moralische Gefühl fehlt oder anders funktioniert. Ist Moral nun genetische Veranlagung oder kulturelles Wissen? Beide spielen wohl unzertrennlich ineinander. Leib und Seele können nicht voneinander losgelöst betrachtet werden. Das bestätigt auch das biblische Menschenbild.

P.S. Die beiden Geschichten habe ich in Richard Davids Prechts Buch Wer bin ich und wenn ja wie viele gefunden. Hauser ging es mit diesem Test darum zu beweisen, dass ein Moralgefül im Menschen nachgewiesen werden kann. Er geht dabei sehr weit. Ich glaube eher nicht, dass mit solch einem Test diesbezüglich klare Aussagen getroffen werden können.

Kategorien: Ethik · inspirieren

Ethische Entscheidung: Ein Test

Dezember 1, 2008 · 4 Kommentare

Der Psychologe Marc Hauser hat folgende zwei Geschichten mehr als 300.000 Menschen erzählt und sie danach befragt, was sie getan hätten.

Lies mal beide Geschichten nacheinander durch und beantworte dann jeweils die beiden Fragen intuitiv.

Geschichte 1: Ein Waggon rast völlig außer Kontrolle über das Gleis direkt auf fünf Gleisarbeiter zu. Sie, lieber Leser, stehen an der Weiche und sehen den führerlosen Wagen heranbrausen. Wenn Sie die Weiche nach rechts umstellen, können Sie das Leben der fünf Männer in letzter Sekunde retten. Der einzige Haken dabei ist: Wenn der Waggon nach rechts abbiegt, überfährt er ebenfalls einen Gleisarbeiter – allerdings nur einen einzigen. Was würden Sie tun? Warum würden Sie es tun?

Geschichte 2: Wieder haben wir einen führerlosen Waggon zu tun, und wieder rast er auf die Weiche und die fünf Gleisarbeiter zu. Diesmal aber stehen Sie nicht an der Weiche, sondern auf einer Brücke über dem Gleis. Sie suchen nach etwas, was Sie von oben auf die Bahngleise runterwerfen können, um den Waggon aufzuhalten. Das Einzige, was Sie sehen, ist ein großer dicker Mann, der neben Ihnen auf der Brücke stehet. Das Geländer ist nicht hoch. Alles was Sie tun müssten, wäre, den Mann kräftig von hinten zu schubsen. Sein schwerer Körper würde den heranrasenden Eisenbahnwagen aufhalten, die fünf Gleisarbeiter wären gerettet. Würden Sie es tun? Warum würden Sie es tun?

Zur Auflösung geht es hier weiter.

Kategorien: Ethik · inspirieren